Mit Toptechnologie und Niedriglöhnen wetteifern deutsche Gefängnisse um Aufträge. Strafanstalten werden zur verlängerten Werkbank für den Mittelstand und positionieren sich als Alternative zu Fernost.
Das Monster mit dem Flachbildschirm kostet 200.000 Euro. Dieses Wunder der Technik bohrt, fräst und sägt Holz in Rekordzeit. Ein Arbeiter steuert die Maschine aus dem Handgelenk, mit Mausklicks. Die Holzspäne fliegen nur so durch die Luft. Ein aufwendiger Schrank ist nach zwei Minuten fertig. Es riecht nach Wertschöpfung.
Eine Fabrikhalle weiter rollen Turbinenteile für den Eurofighter vom Band. Arbeiter präparieren sie für die Produktion. “Es beeindruckt mich immer wieder”, sagt Karl-Heinz Bischoff, “mit welcher Begeisterung hier für 1,80 Euro die Stunde gearbeitet wird.
Der Werksleiter des Triebwerkherstellers MTU arbeitet in der Justizvollzugsanstalt Straubing. Morgens kommt er, abends geht er wieder. Dazwischen leitet er rund 100 Gefangene an, die hier für MTU arbeiten. Längst hat sich Straubing, das zweitgrößte Gefängnis Bayerns, zu einer wichtigen Produktionsstätte für süddeutsche Unternehmen entwickelt. Die Auftraggeber aus der Industrie schätzen den Mix aus Niedriglöhnen und hoher Qualität. “Früher haben wir uns hinter unseren hohen Mauern versteckt”, sagt Gunther Zettl. “Jetzt gehen wir mehr in die Offensive.” Regierungsamtsrat Zettl will Straubing zur Topadresse für die Wirtschaft machen. Damit die ausgerechnet hier Arbeitsplätze schafft. Der Freistaat Bayern hilft, indem er Hunderttausende Euro in neue Werkshallen, Fertigungsanlagen und die Ausbildung der Gefangenen investiert. Auf Messen werben Zettl und seine Kollegen um den Mittelstand. Und im Internet wird die Datenbank http://www.jva.de zur Anlaufstelle für Unternehmen.
“China in Deutschland” ist das Motto, mit dem auch andere Bundesländer verstärkt ihre Gefängnisse vermarkten: als verlängerte Werkbank für das verarbeitende Gewerbe.
“Wer arbeitet, sägt nicht”, heißt es. Auch deshalb gibt es eine Arbeitspflicht im Knast. Doch deutschlandweit gilt die Hälfte der Häftlinge als arbeitslos, weil nicht jeder in der Küche, Wäscherei oder Bibliothek Arbeit findet. Seit Jahren eröffnen die Gefängnisse daher eigene Betriebe. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind mancherorts bereits Kult: In Hamburg ist die Knastmarke Santa Fu stadtbekannt. Häftlinge produzieren Kochbücher mit Rezepten (“Huhn in Handschellen”) und Spiele (“Memory Santa Fu”). In Sachsens Gefängnissen werden neben Nussknackern auch schwarz-weiß gestreifte Räuchermänner, Modell “Gefangener”, hergestellt und im Onlineshop verkauft.
Das reicht aber längst nicht, um die Arbeitslosigkeit im Knast dauerhaft zu drücken. Den Durchbruch auf dem Weg zur Vollbeschäftigung sollen deshalb Auftraggeber von draußen bringen. Dafür schnüren die Gefängnisse den Unternehmen ein Rundum-sorglos-Paket: Sie stellen die Räume, sorgen für die Auswahl von Gefangenen mit den benötigten Fähigkeiten und investieren teils sogar in eigene Maschinenparks. Firmen, denen das nicht reicht, können ihre eigenen Produktionsanlagen im Knast installieren und bekommen dann so viele Arbeitskräfte zugeteilt, wie sie brauchen.
Ist das Ausbeutung oder gar „Zwangsarbeit“ wie die radikale Linke es nennt? So gibt es manchen Insassen, der das geregelte Tagesgeschäft im Gefängnis schätzt. Es gibt geregeltes Essen und eine warme Unterkunft, TV und viele andere Annehmlichkeiten, welche sonst nur der Steuerzahler bezahlt.
Die Arbeit dient nicht nur der Beschäftigung. Andernfalls würden viele Häftlinge einfach gar nichts machen. Nicht umsonst reißen sich die meisten Häftlinge um die Jobs.
Zusätzlich zu scheinbar freier Kost und Logie gibt es das Geld ja noch als “Taschengeld” oben drauf. Rechnet man die tatsächlichen Kosten zusammen, die ein Häftling durch die Haft Verursacht (2006 im Durchschnitt 74,05 Euro) und rechnet diesen Betrag auf den „Arbeitslohn“ (1,07- 1,87 Euro) drauf, so kommt man auf einen tatsächlichen Stundenlohn von ca. 10-12 Euro (brutto für netto) bei einem 8 Stunden Arbeitstag.
Allerdings: Wer sich nicht in der Gemeinschaft so verhält wie es die Regeln der Gemeinschaft für ein friedliches Zusammenleben erfordern (darunter fällt der Verzicht auf z.B. Raub, Erpressung, Gewaltstraftaten etc.) der kann auch für die Gemeinschaft etwas tun. Vielleicht merkt er dann ja mal was?
Zwangsarbeit ist es meiner Meinung nach nicht, so simpel es klinkt gehört doch ein geregelter Tagesablauf dazu. Es ist sogar ein wichtiger Grundstein für die soziale Integration.
Außerdem bietet es den Insassen eine Beschäftigung, etwas „Taschengeld“ und sogar das Gefühl etwas geleistet bzw geschaffen zu haben.