Das ZDF – Staatsferne und Unabhängigkeit in bundesrepublikanischer Bestform

Mit voranschreitender Verbreitung des Internets wachsen auch die Zahl und vor allem der Stellenwert alternativer Informationskanäle. Waren es über Jahrzehnte hinweg überwiegend Rundfunk sowie regionale und überregionale Presseerzeugnisse, welchen die Menschen Meldungen über Geschehnisse im In- und Ausland entnahmen, dienen mittlerweile Blogs und Nachrichtenportale außerhalb des medialen Mainstreams einer stetig wachsenden Leserschaft als primäre Informationsquellen.
Dass sich diese Entwicklung nicht zum Wohlwollen der Herrschenden dieses Systems vollzieht, überrascht wenig, schwindet mit dem sinkenden Konsum traditioneller Medien schließlich auch der staatliche Einfluss darauf, welche Informationen den Menschen in diesem Land überhaupt zugänglich gemacht werden und in welcher Form sie diese schließlich präsentiert bekommen.
Monierte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“ im Jahre 2010, dass sich vor allem junge Leute ausschließlich über das Internet informierten und man diese über Zeitungen oder klassische Nachrichtensendungen in ARD und ZDF immer weniger erreiche, zog sie im gleichen Atemzug Rückschlüsse darauf, wie die Demokraten mit diesem Umstand umzugehen gedenken: „Mit dieser Veränderung muss die Demokratie in Deutschland und in den anderen westlichen Ländern umgehen lernen.“ Was man im demokratischen Deutschland darunter versteht, wird uns ein Jahr später im Zuge der Inhaftierung und Kriminalisierung des Bloggers Axel Möller eindrucksvoll vor Augen geführt.
Es wäre an dieser Stelle allerdings äußerst naiv, ein Bild vermitteln zu wollen, in welchem die etablierten Medien vollends entmachtet, lediglich noch ein Nischendasein fristen, während sich alle Deutschen ausschließlich alternativer Informationsquellen im Internet bedienen. Insbesondere die von Merkel benannten „klassischen“ Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme genießen bei der täglichen Informationsbeschaffung der Menschen in diesem Land weiterhin Vormachtstellung – und dirigieren somit die öffentliche Meinung.
Die Demokraten wissen um diesen Einfluss und scheuen nicht, ihn sich zu eigen zu machen. Die große Heuchelei besteht allerdings darin, dass Staatsferne und Unabhängigkeit vehement als jene Gebote propagiert werden, welchen sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie keine anderen zu unterwerfen haben. Dass die Realität anders aussieht, ist hinlängst bekannt und wird aktuell für jeden sichtbar untermauert.
Phillip Rösler, Bundeswirtschaftsminister und Noch-Vorsitzender der vor sich hin sterbenden FDP, wird ab Juli die Bundesregierung im ZDF-Fernsehrat vertreten. Der entsprechende Beschluss wurde bereits am vergangenen Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet. Doch damit ist Rösler nicht der einzige Demokrat, welchem u. a. die Kontrolle des Sendeprogramms unterliegt. Wie schon beim Amt des Wirtschaftsministers wird Rösler auch im Fernsehrat als Nachfolger von Rainer Brüderle fungieren. Als weitere Neubesetzung schickt man Eva Christiansen (CDU), Medienberaterin der Bundeskanzlerin, ins Rennen. Diese wird dort die derzeit unter Plagiatsverdacht stehende Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ersetzen. Als besonderes Beispiel demokratischer Fachkompetenz bleibt die sich bereits im Fernsehrat befindende Integrationsministerin Maria Böhmer (CDU) diesem auch weiterhin erhalten.
Weiterhin beherbergt das Kontrollgremium neben Vertretern diverser Verbände, Gewerkschaften und Kirchen sowie dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland eine Vielzahl verschiedener Staatsminister und Staatssekretäre, Kreistagsabgeordneter und Parteienvertreter. Neben dem ZDF-Fernsehrat ist mit dem ZDF-Verwaltungsrat eine zweite Kontrollinstanz im Sender gegeben. Diese besteht aus derzeit 14 Mitgliedern, welche allesamt ein Parteibuch von CDU, CSU oder SPD in der Tasche mit sich führen – Staatsferne und Unabhängigkeit in bundesrepublikanischer Bestform.
Das ZDF ist sicherlich nur ein Beispiel für staatlich okkupierte Medien, kann aber wie kein zweites als Sinnbild demokratischer Scheinheiligkeit herangezogen werden, wenn Demokraten querbeet durch die bundesdeutsche Parteienlandschaft wieder einmal mit dem Finger auf Länder wie Russland oder China zeigen, um sich selbst im monotonen Rausch moralischer Entrüstung als Missionare westlicher Freiheit, insbesondere der freien, nicht von öffentlicher Gewalt gelenkter Berichterstattung aufzuspielen.

 

http://spreelichter.info/blog/Das_ZDF_Staatsferne_und_Unabhaengigkeit_in_bundesrepublikanischer_Bestform-1130.html

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