Deutsche Exporte knicken ein

Der Motor des deutschen Wirtschaftswachstums stottert: Erstmals in diesem Jahr sinken die Exporte. Die Zahlen entzaubern einen Mythos: Deutschland kann nicht auf einer Insel der Glückseligkeit leben, während seine Wirtschaftspartner unter der Schuldenkrise ächzen.

Die deutschen Exporte sind im April zum ersten Mal in diesem Jahr gesunken – der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Einbruch kam unerwartet: Analysten hatten lediglich mit einem Minus von ein Prozent gerechnet. „Die erneute Eskalation der Schuldenkrise hinterlässt ihre Bremsspuren“, warnte die Citigroup. Die Aufträge würden aber auch auch wegen der schwächeren weltweiten Nachfrage nach unten gehen. „Die Exporte dürften deshalb in den kommenden Monaten schwächeln.“

Insgesamt setzten die Unternehmen im Ausland 87,1 Milliarden Euro um – 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Während die Ausfuhren in die gegen eine Rezession kämpfenden Euroländer um 3,6 Prozent zurückgingen, legten sie in die Länder außerhalb der Europäischen Union um 10,3 Prozent zu. „Die Auftragslage der Unternehmen ist schlechter geworden wegen der Probleme in der Eurozone“, dämpfte auch die Privatbank HSBC Trinkaus die Erwartungen auf eine schnelle Erholung der Exporte. Im März hatten die deutschen Unternehmen Waren im Wert von  98,8 Milliarden Euro ausgeführt, das war der höchste Monatswert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1950 gewesen. Auch die Einfuhren  erreichten mit 81,4 Milliarden Euro einen Spitzenwert.

Industrie brechen Auslandsaufträge weg

Die Wirtschaft muss in den kommenden Monaten weitere Rückschläge fürchten. Der  exportabhängigen Industrie brachen die Auslandsaufträge im April um 3,6 Prozent weg. Zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern deutlich schlechter: China dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit 1999 nicht mehr, Indiens Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt so schwach zu wie seit neun Jahren nicht mehr.

Auch die deutschen Importe fielen im April überraschend um 4,8 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Analysten hatten mit stabilen Einfuhren gerechnet. Insgesamt wurden Waren im Wert von 72,7 Milliarden Euro eingeführt – 1,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Handelsbilanz – die Differenz zwischen Exporten und Importen – wies einen bereinigten Überschuss von 16,1 Milliarden Euro aus.

rts/AFP

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