7000 KZ-Häftlinge durch britische Bomber getötet

Von Wolfgang Popp

Ein besonders dunkles Kapitel in der Reihe der alliierten Terrorangriffe stellt neben Dresden der Tod von rund 7000 KZ-HäftIingen durch britische RAF-Flugzeuge dar. Das deutsche Konzentrationslager Neuengamme (rund 20 km südöstlich von Hamburg) beherbergte Anfang April 1945 etwa 40 000 männliche und 12 000 weibliche Gefangene. Im selben Monat wurde ein Evakuierungsplan in Gang gesetzt, der die Verladung der Häftlinge auf Schiffe und den Transport in Güterzügen der Reichsbahn vorsah. Am 20.4.1945 wurden 2600 Häftlinge an Bord des Frachtschiffes ‘Thielbek’ verladen, wobei rund 100 von ihnen durch Hunger und Krankheiten umkamen.

Dazu ist folgendes anzumerken: In fast allen KZ kam es gegen Kriegsende zu grauenhaften Hungerkatastrophen und schweren hygienischen Mißständen mit dem Ausbruch von Typhus, dem dann Tausende von Häftlingen zum Opfer fielen. Der Grund lag darin, daß in dieser Zeit alle Konzentrationslager im Osten aufgelöst und die Häftlinge nach Westen transportiert wurden. Dadurch wurden die Lager im Westen mit Häftlingen in großer Zahl überfüllt, wodurch sich die sanitären und hygienischen Verhältnisse rapide verschlechterten. Dramatisch verschärft wurde diese Lage noch durch die pausenlosen schweren Bombenangriffe auf deutsche Städte und Bahnanlagen. Alliierte Tiefflieger griffen alles an, was sie an Zielen fanden, nicht nur jeden Eisenbahnzug und jedes Fahrzeug, sondern auch pflügende Bauern auf den Feldern, aus den Städten fliehende Zivilisten, aber auch die mit großen, aus der Luft einwandfrei erkennbaren Rot-Kreuz-Symbolen markierten Sanitätszüge, in denen auch KZ-Häftlinge transportiert wurden. Als Folge dieser brutalen Angriffe brach an vielen Orten die Lebensmittelversorgung zusammen, und auch Trink- und Abwasserversorgungen wurden zerstört.

Die Konzentrationslager, in denen die örtlich gelagerten Vorräte als Folge des Häftlingszustroms nicht mehr ausreichten, waren dadurch besonders betroffen. Das führte dann zu den katastrophalen Zuständen, zum Beispiel in Bergen-Belsen, und damit zu jenen Leichenbergen, die heute als Dokument für die Massenmorde und beispiellosen Verhältnisse in den Konzentrationslagern gezeigt werden.

Daß alles dies erst kurz vor Kriegsende eintrat, wird dabei ebenso verschwiegen, wie die Gründe, die zu diesen Verhältnissen führten. In Dachau starben zum Beispiel von den insgesamt 25 613 Opfern in den Jahren 1940 bis Oktober 1944 rund 10 600 Menschen, während von November 1944 bis April 1945 etwa 16 000 Häftlinge umkamen. Die monatliche Todesrate in diesen letzten fünf Monaten betrug damit das 17fache derjenigen in der übrigen Zeit.

Am 26.4. begann die Einschiffung der Häftlinge auf dem Schnelldampfer ‘Cap Arcona’: 6 500 Gefangene, 500 Mann Bewachungs- und 70 Mann Bordpersonal. Auch hier gab es wegen Unterernährung und Krankheit pro Tag 15 bis 40 Tote. Nachdem noch das Schiff ‘Athen’ mit 2 800 Häftlingen hinzugekommen war, befanden sich auf den drei Booten rund 9 400 Gefangene und etwa 100 Mann Schiffsbesatzungen. Fünf Tage vor Kriegsende (!), also am 3. Mai 1945, griff eine Staffel britischer Jagdbomber die Transportschiffe an, wobei die ‘Athen’ noch im Hafen drei Volltreffer, die beiden anderen in der Bucht liegenden Schiffe ‘Thielbek’ und ‘Cap Arcona’ mehrere schwere Treffer erhielten. Anschließend kreisten die Flugzeuge 20 Minuten über den sinkenden Schiffen und beschossen sie pausenlos mit Bordwaffen.

Von den ca. 7 000 Toten, die auf den drei Schiffen umkamen, wurden 3 573 geborgen, aber nur wenige identifiziert. Sie sind auf 19 Friedhöfen der Umgebung beigesetzt. Fast die Hälfte der Toten behielt das Meer.

Es ist anzunehmen, daß auch diese Toten dem Konto der ‘bösen Deutschen’ zugerechnet werden, obwohl dokumentiert ist, daß sie dem sinnlosen Angriff der britischen Royal Air Force zum Opfer fielen. In diesem Zusammenhang sei auch an die rund 25 000 Menschen erinnert, die bei ihrer Flucht aus Ostpreußen und Ostdeutschland über die Ostsee 1944/45 durch Versenkung ihrer Transportschiffe ums Leben kamen. Zwischen Januar und Mai 1945 wurden etwa zwei Millionen Menschen auf 790 Schiffen (Ausflugsdampfer, Fähren, Fischkutter, Oder- und Weichselkähne neben großen Fahrgastschiffen, Kreuzern, Schnellbooten und sogar U-Booten) in einer beispiellosen und einmaligen Rettungsaktion unter Leitung von Großadmiral Karl Dönitz nach Norddeutschland und Dänemark evakuiert und vor der mordenden und brandschatzenden Roten Armee gerettet. Dreiviertel der 25 000 Toten kamen allein durch die Versenkung der Großschiffe ‘Wilhelm Gustloff’, ‘General Steuben’ und ‘Goya’ um.

Beim Untergang des ehemaligen KdF-Schiffes ‘Wilhelm Gustloff’ am 30.1.1945 in der Ostsee sind nach neuesten Erkenntnissen und Nachforschungen von Heinz Schön, Bad Salzuflen, wesentlich mehr Menschen ums Leben gekommen, als bisher angenommen wurde. Experten waren in den vergangenen Jahrzehnten von über 5 000 Opfern bei der größten Schiffskatastrophe aller Zeiten ausgegangen, die sich bei der Torpedierung durch das sowjetische U-Boot ‘S 13′, bei Stolpmünde (etwa zwölf Seemeilen vor der Pommerschen Küste) ereignet hatte. Heinz Schön konnte jetzt als einer der 1 200 Überlebenden beweisen, daß damals von den insgesamt 10 582 sich an Bord befindlichen Menschen mehr als 9 000 Frauen, Kinder und schwerstverwundete Frontsoldaten den Tod gefunden hatten. In jahrzehntelanger Arbeit hatte er Material über das Unglücksschiff gesammelt, in- und ausländische

Quellen ausgewertet und damit das größte ‘Gustloff-Dokumentationsarchiv’ aufgebaut. Außerdem hatte er sich in mehreren Büchern mit dem Grauen der Flucht über die Ostsee auseinandergesetzt. Heute gilt Schön als einer der besten Kenner der Kriegsvorgänge im Ostseeraum.

Die von früheren Erkenntnissen abweichenden Daten und Fakten seiner Nachforschungen begründet er mit dem Chaos bei der Einschiffung der Flüchtlinge, die aus ihren ostdeutschen Heimatdörfern in den Ostsee-Hafen Gotenhafen-Oxhöft geflüchtet waren. Marinesoldaten und Helferinnen auf der ‘Gustloff’ hätten die Flüchtlingswelle nur an den beiden ersten Tagen der Einschiffung registriert. Dann seien die Schiffslisten ausgegangen. Außerdem seien die Schreibkräfte total überfordert gewesen, wobei nicht mehr eingetragen, sondern nurmehr gezählt wurde. Nach Darstellung Schöns, der damals als junger Zahlmeisterassistent auf der ‘Gustloff’ tätig war, wäre das Schiff eigentlich nur für 4 000 Flüchtlinge vorgesehen gewesen, doch hätte die Order gelautet: “Weiter einschiffen”.

Schön war damals in letzter Sekunde von der Besatzung eines deutschen Torpedobootes aus den eisigen Fluten gerettet worden. Vor dem Kentern und Versinken war die ‘Gustloff’ in vollem Lichterglanz erstrahlt. Erst das Wasser habe das Geheul der Schiffssirenen und die Todesschreie der in die Tiefe gerissenen Menschen erstickt. Eine Stunde lang hatte sich die neun Stockwerke hohe ‘Gustloff’ über Wasser halten können, nachdem sie um 21.16 Uhr von drei sowjetischen Torpedos getroffen worden war. Tausende Menschen ertranken bereits wenige Minuten später in den unteren Decks.

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Ubasser

https://morbusignorantia.wordpress.com/2012/06/26/7000-kz-haftlinge-durch-britische-bomber-getotet/

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