Das arme Gesicht Deutschlands

Angela Merkel hat mit ihrer Absage an Eurobonds vor dem EU-Gipfel die
europäischen Partner brüskiert. Doch viele Deutsche leben selbst an der
Armutsgrenze und wollen nicht die Schulden anderer bezahlen.

Die Deutschen sind es leid, für die verschuldeten Südländer die Zeche zu zahlen.
78 Prozent der Deutschen möchten Griechenland am liebsten aus derEurozone
ausschliessen, zwei Drittel sind gegen die Unterstützung spanischer Banken.
Angesichts der wirtschaftlichen Lage vieler deutscher Beschäftigter
ist das nicht erstaunlich:

Trotz des viel beschworenen Wirtschaftsbooms arbeiten sie viel und verdienen wenig.
Knapp 16 Millionen Deutsche oder 19,7 Prozent der Bevölkerung gelten gemäss der
europäischen Statistikbehörde Eurostat als arm. Eine davon ist die alleinerziehende
Mutter Jasmina Sommer aus Überlingen.

Mit ihrem Halbtagsjob als Haushälterin verdient sie gerade mal 880 Euro im Monat.
Angesichts einer Miete von 450 Euro kommen Frau Sommer und ihr fünfjähriger Sohn
nur dank Wohn- und Kindergeld überhaupt über die Runden.
«Es regt mich auf, dass die anderen Länder immer die Hand bei uns aufhalten.
Deutschland hat selbst Schulden genug und sollte lieber etwas für das eigene Volk tun»,
fasst Sommer ihre Gemütslage zusammen.

Lieber etwas für das eigene Volk tun
Mit ihrem Lohn gehört die junge Mutter zu den Geringverdienern, laut dem Deutschen
Institut für Wirtschaft in Berlin sind das konstant 22 Prozent aller Arbeitnehmer.
«Angesichts der spärlichen Stundenlöhne nehmen diese Leute lange Arbeitszeiten in
Kauf, um überhaupt ein einigermassen vernünftiges Einkommen zu erzielen»,
sagt Karl Brenke, der die BIW-Studie erstellt hat. Brenke hält es nicht für
verwunderlich, dass die Mehrheit der Deutschen nicht einsieht, warum sie immer mehr
Geld an die verschuldeten Südländer zahlen sollen.

«Die Reallöhne stagnieren seit zehn Jahren», so Brenke.
«Die Industrie hat dadurch an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, aber den Arbeitnehmern
hat das vergangene Jahrzehnt relativ wenig gebracht.» Dass auch deutsche Länder und
Kommunen sparen, sieht Brenke in Berlin an den Strassen mit Schlaglöchern, die nicht
saniert werden oder am erbärmlichen Zustand von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden.
«Statt Geld ins Ausland zu tragen, sollte die Regierung erst mal die deutschen
Städte sanieren», findet auch Jasmina Sommer.

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : Tagesanzeiger.ch

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