Im Dienste Ihrer Majestät: MI6-Chef bestätigt verdeckte Operationen im Iran

Wie bizarr es auch anmuten mag, der Chef des britischen
Auslandsgeheimdienstes, Sir John Sawers, erklärte bei einem seiner seltenen
öffentlichen Auftritte vor britischen Beamten in London, die Iraner seien »fest
entschlossen, sich alle erforderlichen [wissenschaftlichen] Fertigkeiten und
alle benötigten Technologien zum Bau von Atomwaffen anzueignen«. Und spätestens
im Jahr 2014 würden sie über eine Atombombe verfügen.

 

Das Eingeständnis geheimer Operationen des MI6 im Iran durch dessen
Chef erfolgte, nachdem bereits einige Wochen zuvor in einem Buch behauptet
worden war, der Mossad habe die Ermordung von Nuklearwissenschaftlern
im Iran geplant und durchgeführt.

In Persien gibt es eine fiktive Figur, die in der persischen Literatur unter dem harmlosen Namen »Onkel Napoleon« bekannt ist. Dieser Onkel ist überzeugt, hinter jeder sozialen oder politischen Täuschung im Iran stünden die Briten. Anfangs hält man diese Einstellung vielleicht für unvernünftig oder sogar aberwitzig. Untersucht man aber die verfügbaren Beweise sorgfältig, wird man zu dem Schluss gelangen, dass Onkel Napoleon ein melancholisches Gespür für die wahre Natur der britischen Regierung besitzt.

 

Nun zurück zu Sir John Sawers: Man kann sich hier eines amüsierten Lächelns nicht erwehren; vor allem dann nicht, wenn er sich damit brüstet, seine Leute vom MI6 hätten verhindert, dass Teheran Atomwaffen schon sehr viel früher habe entwickeln können. Ohne ihren Einsatz verfügte der Iran schon seit 2008 über Atomwaffen. Die verdeckten Operationen des MI6 im Iran waren breit gefächert und umfassten Mordanschläge ebenso wie Sabotageakte und Putschversuche.

 

Möglicherweise reichen die ersten verdeckten MI6-Einsätze im Iran bis in die frühen 1950er Jahre zurück, als der damalige MI6-Meisterspion Oberst Monty Woodhouse noch in der Behörde tätig war. In dieser Funktion plante und leitete er die berüchtigte Operation Boot, die zum Sturz der Regierung von Mohammad Mossadegh führen sollte. Mossadegh strebte die Verstaatlichung der Anglo-Iranischen Erdölgesellschaft an. An seiner Stelle sollte der britenfreundliche Schah von Persien 1953 wieder auf den Thron gehievt werden. Monty Woodhouse persönlich transportierte Gewehre an Bord eines RAF-Flugzeugs von Bagdad nach Persien. Danach »tauschte er britische Goldmünzen, die sogenannten Sovereigns, bei einem geheimen Treffen in einem Vorort Teherans gegen persische Rial und übergab das Geld einem oder mehreren persischen Brüdern, um so die Umsturzpläne gegen Mohammad Mossadegh zu unterstützen«. Tatsächlich wurde die Regierung Mossadegh im August 1953 unter Federführung eines unheilvollen Bündnisses zwischen dem MI6 und dem amerikanischen Geheimdienst CIA gestürzt.

 

Vor zwei Jahren verkündete das iranische Geheimdienstministerium, es habe in der westiranischen Stadt Marivan vier Terroristen verhaftet, die mit dem MI6 in Verbindung gestanden hätten. Diese von England gelenkten Personen seien für fünf Morde im Iran zwischen 2007 und 2008 verantwortlich. Die Inhaftierten sagten aus, ihnen seien 20.000 Dollar für jeden Mord versprochen worden. Ihre Befehle hätten sie von ihrem Anführer Dschalal Fattahi aus dem irakischen Sulaimaniyya erhalten. Fattahi selbst, der auch in der Terrorgruppe Komalah eine führende Position einnehme, halte sich in London auf und habe, so die Aussage der Inhaftierten, seit der Islamischen Revolution 1979 zahlreiche Morde in westiranischen Städten begangen. Die Terroristen Bachtiar Me’mari, Hadschir Ebrahimi sowie Loqman und Zanyar Moradi gehören auch der Komalah-Gruppe an. Bei dieser 1967 gegründeten Terrorgruppe, die sich zwischenzeitlich aufgelöst haben soll, handelt es sich um eine kurdische Separatistengruppe, die zeitweise aufgrund ihrer Sabotage- und Terrorakte international bekannt wurde. Neben den Terroranschlägen im Iran unterstützte sie während des Iran-Irak-Krieges (1980 bis 1988) auch Angriffe und Mordaktionen des diktatorischen Regimes Saddam Husseins gegen iranische Kämpfer. Die Terrorgruppe Komalah wird vom britischen MI6 geführt.

 

Ebenfalls 2010 dementierte ein Sprecher des britischen Außenministeriums derartige Vorwürfe vehement: »Diese haltlosen iranischen Vorwürfe gegen England haben eine lange Geschichte; und diese sind lediglich die jüngsten ihrer Art. England unterstützt weder Terroraktivitäten im Iran noch irgendwo anders auf der Welt. Diese Behauptung steht in einer langen Reihe von Verleumdungen Englands seitens der iranischen Regierung.«

 

Interessanterweise hatte aber ausgerechnet der MI6-Chef John Sawers in der gleichen Woche, nur etwas früher, die Bedeutung verdeckter Operationen im Iran hervorgehoben: »Die Weiterverbreitung von Atomwaffen lässt sich nicht nur mit den Mitteln herkömmlicher Diplomatie verhindern. Wir müssen die Entwicklung von Atomwaffen durch Länder wie den Iran mittels geheimdienstlich gesteuerter Operationen erschweren.«

 

 

Ein persisches Sprichwort sagt: »Die Mauer der Lüge ist hoch«

 

Darüber hinaus arbeitete die britische Regierung mit Mossad-Agenten auf den Sturz der iranischen Regierung hin. An diesem düsteren Vorhaben war unter anderem Adam Werritty, ein enger Freund des früheren britischen Verteidigungsministers Liam Fox, beteiligt. Fox musste zurücktreten, als dieser Skandal publik wurde. Werritty, sozusagen die rechte Hand von Fox, spricht fließend Farsi und soll sich »regelmäßig mit iranischen Dissidenten, israelischen Spionen und rechten amerikanischen Gruppierungen getroffen haben, die an einer Schwächung des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad interessiert waren«.

 

Nach seiner Rückkehr von seinen Auslandsreisen wurde er offenbar vom MI6 unterrichtet. Berichten zufolge arbeitete Werritty eng mit rechten neokonservativen Gruppen in den USA zusammen, um seine gegen den Iran gerichteten Sabotagepläne voranzutreiben.

 

Das Eingeständnis verdeckter Operationen im Iran ist eine große Schande für die britische Regierung und eine ungeheuerliche Einladung zu einem militärischen Eingreifen seitens zionistisch-amerikanischer Kräfte. Das Wissen um diese Operationen ist zu einer bitteren Gewissheit geworden, die sich im kollektiven Gedächtnis der Iraner für lange Zeit festsetzen wird.

Das Mantra Onkel Napoleons war also doch wahr: »England trägt die Schuld.«

 

 

 

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/ismail-salami/im-dienste-ihrer-majestaet-mi6-chef-bestaetigt-verdeckte-operationen-im-iran.html

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