Die noch bürgernähere GEZ

Die bisher als GEZ bekannte Behörde heißt nun Beitragsservice.
Ein GEZ-Mann stand dem Wahnsinn! an einem ungewöhnlichen Treffpunkt Rede
und Antwort – eine Begegnung wie eine Zeitreise.

Ein Ortstermin.

Seit Neujahr heißt die Rundfunkgebühr für ARD und ZDF Haushaltsabgabe – die bisherige Gebühreneinzugszentrale (GEZ)
will diese Chance für einen Neuanfang nutzen. Die GEZ möchte mindestens so transparent wie Glasnost und so beliebt
wie Karl-Theodor zu Guttenberg vor der Erfindung des Internets werden.

Kontrollen sollen wegfallen, jedoch 250 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt werden. Warum?

Das wollte auch der Wahnsinn! wissen.

Das Gespräch mit dem Presseattaché zur Klärung der neuen GEZ-Identität findet auf
dessen Wunsch nicht in der Zentrale in Köln statt.

„Dort hängen Überwachungskameras, das Gelände ist mit Stacheldraht und Kampfhunden gesichert.
Das ist nicht die Umgebung, in der wir uns als kundennaher Beitragsservice künftig präsentieren möchten“,
hatte der Attaché eine Anfrage schriftlich geantwortet. Und noch ein putziges Detail angefügt:

„Unsere Mitarbeiter lieben Abkürzungen. Sie nennen den Beitragsservice neuerdings gerne ´Beisser`.“

Da die „Offensive für totale Offenheit“ ein gut gehütetes Staatsgeheimnis ist, wird der Wahnsinn!-Reporter per
mitgeschicktem Handy und mit verbundenen Augen zum Treffpunkt auf der Glienicker Brücke gelotst.
Aus Potsdam kommend schreitet der GEZ-Presseattaché durch schwerem Morgennebel zur Brückenmitte.
Sein Händedruck ist fest, sein Mantel lang, sein Hut schlapp.

Er raucht, sein Gesicht ist wegen kubanischer Rauchschwaden kaum zu erkennen. Bevor er auch nur ein Wort sagt,
übergibt der Mann eine schwere Mappe mit der Aufschrift „Top Secret“. „Die Unterlagen darin werden sich in zwei
Stunden selbst zerstören“, sagt er leise und entschuldigt sich dafür, dass der Wahnsinn!-Reporter gleich
von „unseren kleinen Beissern“ gefilzt wird.

Während sich der Attaché einen Schluck aus seinem Flachmann gönnt, machen sich zahlreiche wie aus dem
Nebel herbeigeschwebte Hände am Reporter zu schaffen.

Der Attaché sagt nachdenklich: „Es waren schwierige Jahrzehnte für die GEZ. Für ganz Deutschland.
Viele gute Männer sind von uns gegangen. Wir haben Fehler gemacht.“ Schweigen.

Unweit stürzt eine Krähe ins Wasser, eine Hyäne jault verzweifelt, noch ist die Sonne nicht aufgegangen.
Der Attaché sagt, noch viel nachdenklicher: „Wir haben zu sehr auf externe Dienstleister gesetzt.
Fuß in die Tür, sich mit falschem Namen vorstellen – diese Tricks sind von gestern.

Wir werden künftig auf drahtlose Überwachung und die behutsame Kontrolle von Postfächern und Email-Konten setzen.“
Eine Nachfrage des Reporters, warum dies nötig sei, wenn künftig doch ohnehin jeder Haushalt die Abgabe bezahlt,
beantwortet der Attaché nicht direkt. Stattdessen sagt er: „Sie sind sehr neugierig.“

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : tagesspiegel.de

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