Gemachte Armut

Lange Zeit galt Armut in Westeuropa als überwunden; etwas, das aus den Industrieländern ein
für allemal verbannt schien. Doch nun kehrt sie mit Schärfe zurück, als Folge der Umbrüche
und Umstürze in der Wirtschaftswelt und dem „Umbau“ des Sozialstaates.

Die neoliberalen Reformen, die größere ökonomische Effektivität und größeren Wohlstand bringen sollten,
haben viele Menschen in eine existenzielle Sackgasse geführt. Und das nicht nur in sogenannten Problemländern
wie zum Beispiel Spanien. Dort ist die Lage besonders bedenklich.

Ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos, Millionen Kinder leben in Armut oder drohen dahin abzusteigen.
Aber auch im reichen Deutschland, dem europäischen Wirtschaftswunderland, nimmt die Zahl der Armen zu, ebenso
wie in Frankreich. Und nichts deutet darauf hin, dass diese Situation sich in absehbarer Zukunft zum
Besseren wenden wird. Ganze Bevölkerungsgruppen fühlen sich zunehmend ausgegrenzt. Und die Armut wird „vererbt“.

Das stellt auch die Gesamtgesellschaft vor ernste Herausforderungen: Denn die Kinder sollten eigentlich
die Zukunft sein. Wenn diese aber in den Kreislauf von sozialer Abhängigkeit, Mutlosigkeit und Perspektivlosigkeit
geraten, werden sie nicht in der Lage sein, an der Zukunft mitzuwirken.

Lourdes Picareta beschreibt und analysiert in ihrem Film die Situation in Spanien, Deutschland und Frankreich.
Und lässt darin unter anderem Sozialforscher und Politikwissenschaftler zu Wort kommen, die von der „gemachten Armut“
sprechen, von einer Entwicklung, die keineswegs natürlich entstanden ist und vermeidbar gewesen wäre.

Rentner sollen Asylbewerbern weichen

Bezirksstadtrat Martin Lambert (links) beschwichtigt die Anwohner: „nicht die richtige Position“ Foto: rg

Bezirksstadtrat Martin Lambert (links) beschwichtigt die Anwohner: „nicht die richtige Position“ Foto: rg

 

Die Räumung eines Altenheimes im Berliner Bezirk Reinickendorf empört Betroffene und Anwohner. Das Marie-Schlei-Haus soll in Kürze in ein Heim für Asylbewerber umgewandelt werden. Nach Bürgerprotesten schwenken erste Lokalpolitiker um.

Das Marie-Schlei-Haus wird von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betrieben und beherbergte bis vor kurzem etwa 70 teilweise pflegebedürftige Senioren. Inzwischen sind nur noch etwa zwanzig von ihnen übrig. Ein Großteil der Bewohner wurde in andere Senioren- und Pflegeheime umgesiedelt.

Der Grund für die ungewöhnliche Maßnahme, über die sich auch viele Nutzer sozialer Netzwerke empören: Das Marie-Schlei-Haus soll in Kürze in ein Asylbewerberheim umgewandelt werden. Bis zu 220 Personen könnten in dem siebenstöckigen Wohnhaus untergebracht werden, so der Plan der Awo. Die monatlichen Mieteinnahmen würden der Awo schätzungsweise 90.000 Euro pro Monat einbringen. Das haben Recherchen der JUNGEN FREIHEIT ergeben.

Ebenso unzufrieden wie die Bewohner und deren Angehörige sind die Anwohner des Grundstücks. Das Altenheim steht mitten in einer Einfamilienhaussiedlung. Es gab bereits zwei Demonstrationen gegen die Umwidmung des Marie-Schei-Hauses. Bei der jüngsten Kundgebung am Dienstag verkündete der zuständige Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) mit Blick auf das geplante Asylantenheim: „Aus unserer Sicht ist das Marie-Schlei-Haus nicht die richtige Position.“ Einen entsprechenden Antrag der Awo hatte er kurz zuvor abgelehnt. Im November hatte er sich noch grundsätzlich für die Unterbringungen von Asylbewerbern dort ausgesprochen.

Dennoch geht die Räumung des Marie-Schlei-Hauses weiter. Dieser Prozeß kann kaum noch rückgängig gemacht werden. Den Mitarbeitern wurde bereits gekündigt. Eine Awo-Sprecherin sagte der JF am Donnerstag, es liefen noch Gespräche über die weitere Nutzung des Gebäudes. (rg)

Mehr über die bevorstehende Räumung des Marie-Schlei-Hauses erfahren Sie in einer großen Reportage in der aktuellen JUNGEN FREIHEIT.

Entwertung des Deutschseins

Linke Politiker tun so, als wäre es eine Zumutung, deutscher Staatsbürger zu werden

So kommt keine Freude auf: Eine alleinige deutsche Staatsbürgerschaft wird als Last dargestellt Bild: action press

So kommt keine Freude auf: Eine alleinige deutsche Staatsbürgerschaft wird als Last dargestellt Bild: action press

Sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden zu müssen sei „Willkür“, kritisieren SPD wie Grüne. Sie werben mit Mehrfachstaatsbürgerschaften um türkischstämmige Wähler und stellen diese damit im Vergleich zu den Nur-Deutschen besser.

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland besitzen zwei oder mehr Staatsangehörigkeiten, schätzen Experten. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will nun die doppelte Staatsbürgerschaft speziell für Türken zum Wahlkampfthema machen. Sie sei eine Chance, Türken zum Bleiben zu bewegen, denn es seien qualifizierte Türken, die nun in die Türkei zurückkehrten, so Gabriel. Für die CDU kündigt Fraktionschef Volker Kauder ebenfalls Wahlkampf mit der Doppelpassfrage an, um eine Ausweitung wegen rechtlicher Probleme zu verhindern.
Der Fall Onur U. zeigt Politik wie Bürgern, wohin doppelte Staatsbürgerschaft führen kann. Medienberichten zufolge hat der mutmaßliche Haupttäter der tödlich verlaufenen Schlägerei am Berliner Alexanderplatz seinen deutschen Zweitpass einfach abgegeben und lebt jetzt in der Türkei. Damit scheint für ihn der Fall erledigt. Ob er sich je vor Gericht verantworten muss, ist offen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bemüht sich in der Türkei um die Auslieferung des Boxers, der den Fachabiturienten Jonny K. nach Aussage mutmaßlicher Mittäter totgetreten haben soll. „Und daran können sie auch sehen, dass die doppelte Staatsbürgerschaft – also sich, wie man es braucht, auf die eine oder andere Staatszugehörigkeit zu berufen – nur Schwierigkeiten mit sich bringt“, sagte Friedrich im „Bild“-Interview zu dem Fall. Er sieht derzeit keinen Grund für eine allgemeine Visa-Freiheit mit der Türkei. Auch Berlins Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) denkt angesichts des „Spotts dieses Typen und unserer Ohnmacht“ über den Sinn der doppelten Staatsbürgerschaft nach und stellt sich gegen Gabriel und seine Partei. Buschkowsky steht dem stark von Zuwanderung geprägten Bezirk Neukölln vor. Er bezweifelt, dass einfaches Reisen ohne Visum den Ausschlag gibt, mehrere Pässe besitzen zu wollen. Ob Waffenhändler, Kriegsverbrecher oder Steuerflüchtlinge, die Negativbeispiele seien zahlreich, so der Politiker. Das „Rosinenpicken“ werde dank doppelter Staatsbürgerschaft auch bei der Altersversorgung und dem Sozialsystem möglich. Für Frauen und Kinder könne die zweite Staatsbürgerschaft zudem „bitter“ ausgehen und „ganz legal auch Tyrannei und Leibeigenschaft bedeuten“.
Im Fall eines rot-grünen Wahlsieges kündigte Gabriel ungeachtet solcher Erfahrungswerte an, die doppelte Staatsbürgerschaft dauerhaft einzuführen. Es wäre das Aus für das derzeitige Optionsmodell: In Deutschland müssen alle seit Januar 2000 geborenen Kinder, deren Eltern beide Zuwanderer sind, zwischen ihrem 18. und 23. Lebensjahr entscheiden, welchen Pass sie wollen, sonst verlieren sie das Recht auf den deutschen Pass. Wer aber mindestens einen deutschen Elternteil hat oder nach dem Abstammungsprinzip mit der Geburt mehrere Staatsangehörigkeiten erwirbt, muss sich nicht entscheiden. Und selbst für das Optionsmodell gibt es Ausnahmen. So ist eine Beibehaltungsgenehmigung möglich. Mit Reformen fasste die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 die Ausnahmen noch weiter. Seither tritt das Prinzip der Vermeidung von Mehrstaatigkeit mehr und mehr in den Hintergrund. Nehmen Jugendliche ausländischer Herkunft eine andere EU-Staatbürgerschaft an, ist die Beibehaltungsgenehmigung seit 2007 auch nicht mehr nötig. Der Weg zum deutschen Pass als Zweitpapier ist so von der Politik allgemein vereinfacht worden. Seit Jahren versuchen SPD und Grüne die letzten Hindernisse zu Fall zu bringen. Rot-Grün begründet den Schritt mit Gewissenskonflikten der Jugendlichen. Auch solle der Zwang zur Entscheidung entfallen. Laut einer Umfrage des Bundesamtes für Migration wählen die meisten Betroffenen die deutsche Staatsangehörigkeit. Zudem verneinten 70 Prozent der Befragten einen Gewissenskonflikt bei Aufgabe einer Staatszugehörigkeit. Nur jeder Dritte wollte den Doppelpass, wenn möglich. Dass vom Optionsmodell weiter „integrationspolitisch verheerende Signale“ ausgehen, so der Lobby-Verband Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), ist so kaum zu befürchten. Der türkische Vize-Präsident und Minister für Auslandstürken Bekir Bozdag stellte zudem klar, dass eine neue „Blaue Karte“ (Mavi Kart) allen, die den türkischen für den deutschen Pass aufgaben, ihre Rechte in der Türkei wiedergebe. Das betreffe auch das Wahlrecht. Die blaue Karte habe alle Funktionen eines Personalausweises, so Bozdag. Die Türkei schaltet so deutsche Integrationsbemühungen im Nachhinein aus. Gabriels Ruf eifert Forderungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan vom Herbst nach. Anerkennung sei eben nicht mit dem Pass verbunden, entgegnet der FDP-Bundestagsabgeordnete Hartfrid Wolff, Gabriels Forderung „greift daher zu kurz und ist leicht durchschaubar“. Türkischstämmige, von der Türkei stets als ihre Bürger angesehen, nutzen somit die Freiheit, sich im Gegensatz zu Deutschstämmigen ihre Staatsangehörigkeit aussuchen zu können, als Sicherheit. Im Fall des Integrationsscheiterns in Deutschland ist ihnen eine Rück-kehr ins Land ihrer Ahnen jederzeit formlos möglich. Dass Rück-wanderung auf diese Sicht zurück-gehen könnte, blendet Gabriel aus. Sverre Gutschmidt

 

 

http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/entwertung-des-deutschseins.html

Ungarn erlaubt Hakenkreuz und Sowjetstern

In Ungarn ist sowohl das Tragen des Sowjetsternes als auch des Hakenkreuzes wieder erlaubt. Das Verfassungsgericht hob ein seit 1994 bestehendes Verbot auf, welches „Symbole der Willkürherrschaft“ nur im Zusammenhang mit Bildung, Kunst und Information gestattete. Darunter fielen neben dem Hakenkreuz auch der Sowjetstern und das Pfeilkreuz, Symbol der ungarischen Faschisten.

Grund ist laut österreichischem Standard die Klage eines ungarischen Kommunistenführers, der für das Recht, den Sowjetstern für seine Bewegung verwenden zu dürfen, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ging. Attila Vajnai, Vorsitzender der kommunistischen Munkaspart, war wegen Zeigen des Sowjetsterns mehrfach zu Geldstrafen verurteilt worden.

Anstoß nur am Sowjetstern-Verbot

In einer Stellungnahme erachtete daraufhin der Gerichtshof das ungarische Verbot als „willkürlich“ und gegen die Meinungsfreiheit gerichtet. Der Rote Stern werde auch von der internationalen Arbeiterbewegung und anderen rechtmäßigen Organisationen verwendet, argumentierte der Gerichtshof. Diese Mehrfachbedeutung unterscheide ihn von Symbolen des Nationalsozialismus. Dem Kläger ginge es auch nicht um eine „nazi-ähnliche“ Politik oder die Verachtung von Opfern totalitärer Regime.

Als überraschende Reaktion kippte das ungarische Verfassungsgericht das Verbot nun komplett. Es wird erwartet, daß die Regierung nun ein neues Verbotsgesetz beschließen wird, welches weniger allgemein gehalten ist.

 

http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5c8d313ad26.0.html