Verstehen Sie das noch? Das Statistische Bundesamt meldete gestern, dass nach einer ersten Schätzung das reale Umsatzplus im deutschen Einzelhandel im gesamten Jahr 2013 nur bei 0,5 Prozent gelegen hat.
Dazu bringt das Bundesamt folgendes Schaubild:
Aus diesem Bild kann jeder ablesen, dass beim real gerechneten Einzelhandelsumsatz in Deutschland seit mindestens 2006 kein Wachstum zu verzeichnen ist – was für eine Volkswirtschaft, von der die Wirtschaftspolitik und die Medien behaupten, sie wachse auch wegen der Binnendynamik, also auch wegen deren wichtigster Komponente, dem privaten Konsum, ein Offenbarungseid ist.
Daraus macht aber die Nachrichtenagentur Reuters folgende Meldung: „Trotz eines Schlussspurts im Weihnachtsgeschäft haben die deutschen Einzelhändler 2013 das schwächste Umsatzplus seit vier Jahren erzielt. Die Erlöse kletterten wohl zwischen 1,6 und 1,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Nach Abzug von Preissteigerungen ging es (real) nur um bis zu 0,5 Prozent nach oben. In den Jahren 2010 bis 2012 gab es jeweils ein Umsatzwachstum von mehr als zwei Prozent.“
Diese Meldung kann man entweder so verstehen, dass es in den Jahren 2010 bis 2012 ein reales Wachstum gegeben habe, das mehr als zwei Prozent betrug, was einen deutlichen Gegensatz zu 2013 darstellen würde. Das ist – wie an der gezeigten Grafik mit den realen Werten abzulesen – falsch. Die zwei Prozent beziehen sich nämlich auf die nominale Entwicklung – eine Information, die dem Leser vorenthalten wird. Oder man kann den Satz so zu verstehen versuchen, dass auch 2010 bis 2012 im deutschen Einzelhandel in realer Rechnung absolut nichts los war, was vollkommen richtig ist. Aber daraus lässt sich dann kein Gegensatz zu 2013 konstruieren, so wie es das Zitat suggeriert. Früher wäre es für jeden Wirtschaftsjournalisten selbstverständlich gewesen, hier mit einem Satz für Klarheit zu sorgen, etwa so: “Damit setzte sich die Flaute, die im deutschen Einzelhandel schon seit vielen Jahren herrscht, auch 2013 fort.”
Noch viel schlimmer ging die FAZ schon vor Weihnachten mit solchen Fakten um, wie bereits am Titel ihrer Story “Ein Land im Kaufrausch” abzulesen war. Hier ist der Wille, die Fakten bzw. den Leser massiv zu manipulieren, nur noch schwach verdeckt. Johannes Pennekamp schreibt dort einen ganzen langen Artikel nur mit dem Ziel vor Augen, die deutsche Position gegenüber dem Ausland zu verteidigen. Was sind schon ein paar läppische Fakten gegen ein so großes ideologisches Ziel? Er entblödet sich sogar nicht, den heutigen Umsatz an Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,53 Billionen Euro mit den 1,2 Billionen Euro zu vergleichen, die es noch zur Jahrtausendwende waren. Da sind zwei Prozent nominaler jährlicher Zuwachs, was real fast eine Null ergeben hätte, wenn die Preise entsprechend der Zielvorgabe der Europäischen Zentralbank gestiegen wären, nämlich um jährlich 1,9 Prozent. Nur weil die Preissteigerungen in Deutschland darunter blieben, ist real überhaupt ein Plus herausgekommen. Wenn Herr Pennekamp aber lapidar zu seinem nominalen Vergleich hinzusetzt „Auch wenn man die Inflation herausrechnet, bleiben nennenswerte Zuwächse“, ist das eine glatte Lüge. Übrig geblieben sind nämlich in realer Rechnung magere 0,7 Prozent jährlich, also weniger als etwa die durchschnittliche Produktivitätssteigerung, die Deutschland Jahr für Jahr auf die Beine gestellt hat.
Dass auch die Frankfurter Rundschau vor Weihnachten von einer „boomenden Wirtschaft“ und “bester Konsumlaune in Deutschland” sprach und dabei auf alle möglichen Umfragen und Prognosen verwies, zeigt uns in aller Klarheit, wie wichtig doch die Eigentümer einer Zeitung für die Wahrheitsfindung sind.
Wir legen Ihnen hier noch einmal die relevanten Zahlen seit der Jahrtausendwende in realer Rechnung vor (vgl. Abbildung 1). Der reale private Konsum, wie er für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ermittelt wird, stieg von 2000 bis 2013 um 0,7 Prozent jährlich. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes betrug in dieser Zeit etwas mehr als ein Prozent jährlich. Der stärkste Anstieg des privaten Verbrauchs in jüngerer Zeit wurde 2011 mit 2,3 Prozent verzeichnet. Davor gab es die letzte stärkere Zunahme 1999/2000 mit 2,4 und 2,0 Prozent (übrigens im Zuge der letzten vernünftigen Einkommenssteigerungen für die Masse der Arbeitnehmer aufgrund guter Lohnabschlüsse). Noch früher gab es einen Höhepunkt mit einer Zunahme von 3,2 Prozent und zwar im Jahr 1992, also zur Zeit des Wiedervereinigungsbooms.
Abbildung 1
Der Einzelhandelsumsatz, der in die Berechnung des Konsums mit etwa 30 Prozent eingeht, war real sogar rückläufig, wenn man die heutigen Werte mit denen um die Jahrtausendwende vergleicht. Das widerlegt vollkommen eindeutig jedes Gerede von Konsumrausch und sich verbesserndem Konsumklima. Entscheidend für die leichte Zunahme des privaten Verbrauchs waren andere Bereiche, die in den vergangenen Jahren erheblich an Gewicht gewonnen haben, während der Einzelhandel an Gewicht verloren hat. Vor allem die Ausgaben für Mieten und private sowie öffentliche Dienstleistungen haben erheblich zugenommen.
Dabei muss man bedenken, dass auch diejenigen Haushalte zum privaten Verbrauch beitragen, die in den letzten Jahren auf der Sonnenseite der Verteilung standen. Die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen sind im Gegensatz zu den Arbeitnehmereinkommen und Renten (den Masseneinkommen) massiv gestiegen und dürften, obwohl hier die Sparquote hoch ist, erheblich zu dem leichten Anstieg des privaten Verbrauchs beigetragen haben. Auch deswegen kann man es nur perfide nennen, wenn in den Medien den Menschen vorgegaukelt wird, die große Masse der Bürger befinde sich in einem Konsumrausch, während alles dafür spricht, dass der durchschnittliche Arbeitnehmerhaushalt seine Konsumausgaben über die ersten zehn Jahre des Jahrhunderts sogar zurückgefahren hat, weil seine Einkommenssituation einfach nichts anderes zuließ.
Abbildung 2
Insbesondere zur Mitte des ersten Jahrzehnts in diesem Jahrhundert haben die Unternehmereinkommen unglaublich zugelegt, während die Masseneinkommen (in nominaler Betrachtung!) kaum noch stiegen oder sogar stagnierten. Kumuliert man die Zuwachsraten über diese Jahre auf (vgl. Abbildung 2), wird klar, in welchem einmaligen Ausmaß es eine Umverteilung von Arbeit zu Kapital gegeben hat.
Diese enormen Einkommenszuwächse auf der Kapitalseite waren aber nur möglich, weil es einen funktionierenden Kanal für den Absatz deutscher Produkte gab, den Export (und die Verdrängung von Importen durch heimische Produkte). Während der private Verbrauch bei stagnierenden Löhnen und Masseneinkommen nicht mehr als wachsender Absatzweg zur Verfügung stand, wurden durch das deutsche Lohndumping (also die reale Abwertung gegenüber Europa und dem Rest der Welt) Marktanteile anderswo gewonnen (vgl. Abbildung 3). Das ging direkt zu Lasten der Konkurrenzunternehmen bei den Handelspartnern, vor allem zu Lasten derjenigen in der Europäischen Währungsunion, denen diese Marktanteile weggenommen wurden.
Abbildung 3
Ohne diesen Effekt wäre die Lohnmoderation auch im Sinne einer Umverteilung von Arbeit zu Kapital gar nicht bzw. bei weitem nicht in diesem Ausmaß „gelungen“. Auch deswegen ist es von vornherein Unsinn, dem Kapitalexport, der notwendigerweise das Korrelat der Leistungsbilanzüberschüsse ist, eine führende Rolle bei der Entstehung der Ungleichgewichte anzudichten. Ohne die reale Abwertung und den deutschen Exportüberschuss wäre „das Kapital“ auf der Kapitalseite gar nicht in diesem Umfang entstanden, das exportiert werden musste, um die Defizite des Auslands zu finanzieren. Noch genauer: Die Defizite der anderen Länder wurden von den Banken hier und dort finanziert und die Erlöse kamen den deutschen Unternehmen zu gute, die freilich wieder über ihre eigenen Bankeinlagen und sonstige Sparformen eine reibungslose Finanzierung der Exportdefizite der anderen Länder erleichterten.
Wer wie die Frankfurter Rundschau meint, dass sich “die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel vor einem starken Aufschwung [sieht]“, der hat entweder vor lauter Horrormeldungen aus anderen Teilen Europas den Maßstab verloren, was unter einem starken Aufschwung eigentlich zu verstehen ist, oder er hilft kräftig mit beim berühmten Pfeifen im Walde.

Der Bürger von heute möchte halt belogen werden. So siehts aus. Ansonsten würde er diese Medien hart bestrafen, in dem er sie nicht mehr bezieht bzw. kauft. Daher ist es lediglich der Spiegel unserer Gesellschaft, denn so lange diese Medien-Zaren noch existieren, hat auch diese Strategie Erfolg. (Doch sobald das passiert bekommen wir Horrormeldung über gefährdete Arbeitsplätze in der Medienwirtschaft)
Dank GEZ wird sogar ein besonderer Bereich davor „gesetzlich (Ursprung im 3. Reich)“ geschützt, qualitativ hochwertiges produzieren zu müssen.
Und wie sieht es mit den Einschaltquoten in Fernsehen aus? Gezeigt wird, was beliebt ist, frei nach den Gesetzen des Markts. Und für die Wahrheit hat sich im Fernsehen noch keiner begeistert. Beliebt ist, was Spaß macht und sensationsgeil ist oder Action verspricht.
Es bleibt auch hier nur zu bemängeln, dass es eine deutliche Kennzeichnung zwischen Wahrheit und Fake geben muß. Und solange das nicht zwingend vorgeschrieben ist, wird sich daran auch nichts ändern.
All das muß vom Volk eingefordert bzw. an die Leute wieder herangetragen werden. Die Welt ist nicht schön, sondern man macht sie sich schön.
Wer überwacht heute die Verpflichtung der Medien zur Verkündung von Wahrheit in den Nachrichten?
Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.
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