Ein Kommentar zum Konflikt um die Ukraine

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Auf der Krim erleben wir zur Zeit die wohl größte Gefahr für den Frieden in Europa seit Jahrzehnten.

Das Eingreifen Russlands auf der Krim ist zweifellos völkerrechtswidrig aber wenig
überraschend. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt hatten
die NATO-Staaten und die EU den Russen zugesichert, dass der Westen keine Ausweitung
von NATO und EU in die ehemalige Machtsphäre der Russen anstreben werde.

Der Westen hat dies gleichwohl, ermuntert durch die Schwäche Russlands, in großem Maße getan.

Die USA und die EU sind aus Moskauer Sicht inzwischen bedrohlich nahe an Russland
herangerückt und beherrschen damit große Teile der ehemals russischen Machtsphäre.

Die USA haben durch gleichfalls völkerrechtswidrige Einsätze in Afghanistan und dem Irak,
die Maschen des Netzes auch auf dem asiatischen Kontinent enger um Russland gezogen.

Die Unterstützung der syrischen Rebellen durch US-Amerikaner und Europäer bedroht
bereits unmittelbar die einzige russische Marinebasis am Mittelmeer, in Tartus.

Im Fall des Wegfalls dieses Standortes wäre die Operationsfähigkeit der russischen Marine
zukünftig erheblich eingeschränkt. Operationen im Nahen Osten würden quasi unmöglich.
Besonders betroffen wäre die Aufklärungsfähigkeit der Russen. Moskau wäre weitgehend blind.

Die USA wären die einzige Militärmacht, die fähig wäre in diesem Umfeld zu agieren.

Nun der Umsturz in der Ukraine. Nachdem gerade die Laufzeit des Truppenstationierungsabkommens
auf der Krim bis 2042 verlängert worden war, sieht Russland auch diesen Stützpunkt bedroht.

Hinzu käme, dass wesentliche Teile des Gasexportnetzes der Russen in die Hand des
Westens fiele; ein Faustpfand, das bislang für Putin zumindest gegenüber den Europäern
eine gewisse Verhandlungsmacht für Notfälle sicherte.

Wer erwartet hatte, dass die Russen sich unmittelbar vor ihrer Haustür, noch dazu in
einem Staat, welcher großenteils mit ethnischen Russen bevölkert ist, so einfach die
Butter vom Brot nehmen lassen, muss grenzenlos naiv sein. In dieser Frage untätig zu
bleiben, wäre nicht nur geostrategisch für Putin gefährlich sondern auch innenpolitisch.

Die Krim berührt die russische Seele.

Mit dem russischen Eingreifen auf der Krim entsteht nun eine gefährliche Situation,
die kühler Köpfe auf allen Seiten bedarf. Mit dem Einsatz russischer Truppen auf der
Krim hat Putin das Budapester Memorandum verletzt. Dieses sicherte der Ukraine sowie
Weißrussland und Kasachstan territoriale Integrität, im Gegenzug für den Beitritt
Kiews zum Atomwaffensperrvertrag sowie der Aushändigung aller Atomwaffen aus Beständen
der Sowjetarmee an Russland zu.

Garantiemächte dieses Memorandums sind die USA und Groß-
Britannien. Genau das macht die Lage nun so gefährlich.

Russland hat ziemlich unverblümt eine Quasi-Besetzung der Krim bereits abgeschlossen.

Die ukrainische Armee ist ihrem Zustand nach nicht annähernd in der Lage, die
Halbinsel wieder unter ihre Kontrolle zu bringen, zumal ein Waffengang wohl
unmittelbar auch eine Spaltung der ukrainischen Armee zur Folge hätte.

Das Überlaufen des ukrainischen Flaggschiffs zu den Russen ist ein Beleg dafür.

Gleichzeitig wissen wir aus der Vergangenheit, dass die USA wenig zimperlich bei
der Durchsetzung eigener Interessen sind. So kurz vor dem Ziel, die Russen nahezu
vollständigihrer Einflussmöglichkeiten im Mittelmeer und dem Nahen Osten zu berauben,
könnte mancher in Washington die Nerven verlieren.

Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht geschieht und Europa durch Hitzköpfe in Washington
und Moskau nicht in einen Krieg hineingezogen wird, der keine Gewinner kennen würde.

Wer wie die US-Amerikaner in den vergangenen Jahren völkerrechtswidrig Interessenpolitik
verfolgt hat, ist sicher gut beraten, nicht allzu laut selbiges bei den Russen anzuprangern.

Von der Bundesregierung erwarte ich, dass sie sich klar zu einer
Verhandlungslösung bekennt. Sinnvolle militärische Optionen existieren nicht.

Quelle : Eurokritiker

6 Kommentare zu “Ein Kommentar zum Konflikt um die Ukraine

  1. Was die USA immer offener (jetzt sogar mit Hilfe der EU) seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion u. des Warschauer Paktes gegenüber Russland betreiben zeigt deutliche Parallelen mit der Isolationspolitik gegenüber des Deutschen Reiches am Anfang des 20. Jahrhunderts.

    Man kann nur hoffen, daß es bei diesen Parallelen bleibt u. keine weiteren dazukommen!

  2. Ich sehe das, ehrlich gesagt, viel „menschlicher“ als ewig diese militärstrategischen Überlegungen, sind wir noch im WKII, oder schon vor dem WKIII?,
    So ein Anachronismus.
    Russland hat schon längst begonnen einen Ausweichstützpunkt am schwarzen Meer auf rein russischem Gebiet zu errichten. Auch Sotschi in Russland liegt am schwarzen Meer!
    „Menschlich“ weil ich dort Verwandte habe, in der Ost-Ukraine, da wird wohl jeder wissen welche Muttersprache die sprechen.
    In Teilen der nationalistischen Westukraine wird man tatsächlich böse angeblickt, wenn man russisch spricht. Putin musste die russische Flotte dort lassen (Sevastopol) um seine russischen Bürger vor den Ukrainern zu schützen.
    Man sieht, dass er recht hatte.

  3. „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt hatten
    die NATO-Staaten und die EU den Russen zugesichert, dass der Westen keine Ausweitung
    von NATO und EU in die ehemalige Machtsphäre der Russen anstreben werde.“

    Ich bitte um die Veröffentlichung von Quellen, für einen Vetrag zwischen den genannten Parteien, der diese oft zitierte Behauptung untermauert. Danke.

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