Schwergeschädigte Soldaten, mißgebildete Neugeborene, sterbende Kinder – Was sagen unsere Politiker?

Geschrieben von Maria Lourdes – 07/03/2014

Bundestag, Bildquelle: WikipediaDie sechs im Bundestag vertretenen Parteien (CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne, Linke) haben, vor ziemlich genau einem Jahr, nachfolgendes Schreiben erhalten.

Auch Parteien in Österreich und sogar Großbritanniens Prinz Charles haben Post bekommen.

Mal sehen, was die angefragten Parteien, bzw. Personen geantwortet haben. Eine Aktion vom 9. Feb. 2013, von Leser ‘helmut-1′ bei gegenfrage.com

Betrifft: Kurzfilm in der ARD – Irak: Uranmunition, das strahlende Vermächtnis – In den Kriegen gegen Irak 1991, Jugoslawien 1999, Afghanistan 2001 und gegen den Irak ab 2003 setzten die NATO bzw. die USA nachweislich solche Munition ein. Auch aus Libyen gab es bereits wiederholt Berichte über den Einsatz abgereicherten Urans durch die Invasoren. hier zur Doku

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte Sie um Antwort in einer bestimmten Angelegenheit.

Seit langem bin ich in Foren aktiv, von wo ich an viele Informationen herankomme, die man – gerade in der Weltpolitik und den sonstigen Vorgängen hinter den Kulissen — sonst nicht bekommt. Deshalb ist mir der im Kurzfilm geschilderte Vorgang nicht neu. Neu ist allerdings, daß sich die offiziellen Sender wie die ARD damit befassen. Es liegt an uns allen, ob wir solche Dinge zulassen, — beginnend mit dem Mut des Redakteurs bis zu den Verbrechen an den Kindern. Gerade letzteres hat uns dazu bewogen, hier eine Intiative zu starten.

Worum geht es:

Es sind drei Forderungen, die wir an die Adresse der britischen Regierung und des britischen Königshauses als Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte herantragen: 

  • Untersagung und Ächtung sämtlicher nuklearen Waffen, gemäß dem Atomwaffensperrvertrag, auch als Munition zur Panzerbekämpfung
  • Bergung sämtlicher kontaminierter Materialien, die aus der Verwendung dieser Atom-Munition (DU) durch eigenes Militär in den betroffenen Ländern herstammen sowie Entsorgung derselben durch britische Spezialisten
  • Schnellstmöglichste Einrichtung von Spezialkrankenhäusern in den entsprechenden Gebieten, die sich den dadurch verursachten Krankheiten der Kinder und der Erwachsenen widmen können.

Wir haben vor, hier eine weltweite Kampagne zu starten, die zum Ziel hat, einer breiten Öffentlichkeit diese Vorgänge nahe zu bringen und dadurch eine Verwirklichung der vorstehenden Forderungen zu erreichen. Es bleibt die Frage offen, ob Sie als demokratische Partei mit humanitären Grundsätzen sich genauso dafür verwenden, oder ob Sie dazu schweigen. Sollte ersteres zutreffen, dann würde uns interessieren, was Sie zu tun gedenken.

Die Begründung für diese Entscheidung muß jeder für sich selbst finden. Ich bin alles andere als ein Wehrdienst-Ablehner. Eine vernünftige Landesverteidigung, abgestimmt auf die Bedürfnisse des betreffenden Landes, entspricht einer Selbstverständlichkeit. Aber Grausamkeiten in dieser Dimension können nicht Bestandteil eines militärischen Programms eines europäischen Staates sein. Nicht heute und nicht morgen.

Deswegen beschränkt sich die Aktion auf Großbritannien. Wenn auch jenseits der Meere die Zivilisation abhanden gekommen ist, dann sollten wenigstens die Europäer mit gutem Beispiel und entsprechenden Prinzipien vorangehen. Das sind wir uns selbst genauso schuldig wie unseren Nachkommen.

Es sollte niemand denken, daß der Irak weit von uns ist. Es hat auch nichts damit zu tun, ob die Leidtragenden Moslems sind oder nicht. Denn diese Uran-Munition wurde auch in Europa eingesetzt. Im Bosnienkrieg genauso wie im Kosovo.

Jeder Staat, der diese Unmenschlichkeiten nicht ablehnt, hat das moralische Recht verwirkt, andere Staaten für Vorgänge während des 2. Weltkrieges anzuprangern. Wir finden, wir sollten handeln. Bevor es zu spät ist. Schon im Namen der Menschlichkeit.
Ich bin es gewohnt, daß man auf Schreiben, die einen unbequemen Inhalt haben, zumeist keine Antwort erhält. Vielleicht machen sie dieses Mal eine Ausnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von den Grünen, 11.02.2013

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für die Anfrage.

Wir bekommen zunehmend Links zu Filmen, Webseiten oder umfangreichen Ausführungen Dritter zugesandt, auf die Bürgerinnen und Bürger im Internet gestoßen sind. Wir werden dann gebeten das zu bewerten und Stellung dazu zu beziehen. Lassen Sie mich dazu sagen: Es gibt im Internet zahllose Veröffentlichungen unterschiedlicher Relevanz. Das Netz hat große Vorteile aber auch einige Tücken. Jeder kann dort anonym irgendetwas auf bestimmte Plattformen hochladen — das muss keinerlei Hand und Fuß haben. Beliebige Zeitungsartikel, Blogs, Forenbeiträge oder Webseiten zu rezensieren und auf Substanz zu überprüfen übersteigt unsere Arbeitskapazitäten ebenso, wie Erklärungen aller erdenklichen Phänomen und Gedankengänge. Das ist auch nicht Aufgabe einer Partei.

Wir investieren unsere Arbeitskraft in die Suche nach Lösungen für drängende gesellschaftliche Probleme. Wir informieren gern darüber, diskutieren unsere Vorstellungen, werben um Zustimmung und versuchen Mehrheiten zu überzeugen. Sie können sicher sein, dass alle unsere Vorschläge selbstverständlich auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und aktuellen gesellschaftlichen Erkenntnissen basieren.

In jedem Fachbereich sind bei uns Expertinnen und Experten tätig, die national und international Kontakte zu Universitäten, zu Forschungseinrichtungen, zu gesellschaftlichen Gruppierungen, zu Verbänden, zu NGOs uvm. pflegen, um sich über aktuelle Entwicklungen auf ihrem Themengebiet auf dem Laufenden halten und diese in die politische Debatte einzubringen. Wenn Sie konkrete Fragen zu unserer Politik haben, beantworten wir die jederzeit gern.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Christian Mrowietz

Antwort von den Grünen (Österreich), 14.02.2013

Sehr geehrter Herr …!

Vielen Dank für Ihr E-Mail und die Übermittlung des Links zu dem erschütternden Artikel.

Die Problematik der Uran-Munition ist uns seit dem Bosnien Krieg bewusst. So haben Grüne Abgeordnete etwa bereits im Jahr 2001 mit parlamentarischen Anfragen darauf aufmerksam gemacht (siehe zB hier:http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXI/J/J_01725/index.shtml). Zuletzt wurde im Zusammenhang mit den NATO-Einsätzen in Libyen auf die Gefahren von Uranmunition hingewiesen.

Auch auf europäischer Ebene haben sich Grüne Abgeordnete bereits intensiv gegen den Einsatz von Uran-Munition ausgesprochen (siehe zB hier oder hier). Wir setzen uns auch in vielen anderen Bereichen gegen den menschenverachtenden Einsatz von Waffen ein, wie zuletzt etwa auch mit diesem Antrag im Nationalrat.)

Grundsätzlich wird sich die Problematik voraussichtlich nur über ein internationales Übereinkommen, das den Einsatz von DU-Munition (“depleted uranium” = “abgereichertes Uran”) ächtet, lösen lassen. Österreich hat hier bereits bei den Übereinkommen gegen Landminen und Streumunition eine führende Rolle übernommen, und es wäre aus unserer Sicht dringend erforderlich, dass dieser Einsatz auch im Kampf gegen Uranmunition gezeigt wird. Das werden wir auch weiterhin in den entsprechenden politischen Gremien einfordern.

Falls es Ihnen noch nicht bekannt ist, dürfen wir Sie auch darauf hinweisen, dass es bereits eine internationale Bewegung (ICBUW) gibt, die sich für ein derartiges Übereinkommen einsetzt. Nähere Informationen und Kontaktmöglichkeiten dazu finden Sie hier: http://www.bandepleteduranium.org/en/index.html)

Wir danken Ihnen für Ihren persönlichen Einsatz für dieses wichtige Thema, wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Initiative und verbleiben

mit freundlichen Grüßen,
Ihr Dialogbüro der Grünen

Antwort von der FPÖ (Österreich), 17.02.2013

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre Anfrage!

Sie haben völlig recht, auch die FPÖ steht – wie schon in der Vergangenheit – uranhaltigen Waffen äußerst kritisch gegenüber. Die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Uranmunition für die Zivilbevölkerung, wie Krebserkrankungen, schwere Missbildungen ihrer Kinder und genetische Schäden, stehen für die FPÖ in keiner Relation zu deren militärischer Notwendigkeit.

Mit freundlichen Grüßen,

Mag Thomas Tayenthal

Bürgerbüro HC Strache

Schreiben an Prinz Charles, 20.02.2013

An Eure Majestät, Prinz Charles!

Sehr geehrter Prinz, mir sind Ihre Leistungen, aber auch Ihre Aufgaben und Interessen bekannt. Deshalb wende ich mich mit meinem Anliegen an Sie persönlich, weil ich mir von Ihnen den Weitblick für die notwendigen Entscheidungen erhoffe, die der Sache angemessen sind.

Im Jahre 2003 engagierten sich die Britischen Streitkräfte im Verband mit der “Koalition der Willigen” im Irakkrieg. Das primäre Einsatzgebiet der britischen Truppen war in der Gegend um Basra. Bei dieser Gelegenheit wurde nach dem Golfkrieg 1991 abermals DU-Munition (depleted uranium) eingesetzt, auch von der Royal Air-Force.

Es gibt mehrere Filme, die im Internet darüber berichten, insbesondere auch über die Folgen für die Bevölkerung. Das Erste Deutsche Fernsehen strahlte einen derartigen Bericht kürzlich am 3.Februar 2013 aus. Er ist auch heute noch unter dem Link: “Irak: Uranmunition, das strahlende Vermächtnis“ zu sehen.

Nachdem dieser Filmbeitrag in deutscher Sprache gezeigt wurde, verweise ich auf einen Link in englischer Sprache, der diese Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung noch deutlicher dokumentiert:

http://www.youtube.com/watch?v=4B8DvRgUOAQ SaveFrom.net

Es gilt heute als wissenschaftlich erwiesen, daß die Gesundheitsschäden an Ungeborenen und Neugeborenen, sowie an den Kindern und Erwachsenen auf die Verstrahlung durch diese Munition zurückzuführen sind. Davon ist nicht nur die irakische Zivilbevölkerung betroffen, sondern auch die Soldaten der “Koalition der Willigen”.

Noch befinden sich viele Zeugnisse der Kämpfe auf den Schlachtfeldern um Basra, die durch den Einsatz dieser DU-Waffen verstrahlt wurden. Immer noch geht eine latente Gefahr davon aus, zumal die einfachen Leute dieses Landes keine Ahnung von dieser Bedrohung haben.

Eure Majestät, es ist mir zwar bekannt, daß diese Waffen nicht nur von der Britischen Armee, sondern auch von den US-Streitkräften verwendet wurden. Bei der Royal Air Force handelt es sich um Streitkräfte eines europäischen Landes, das hinsichtlich der Prinzipien der Kriegsführung einschließlich der Auswahl der Waffen in Bezug auf die humanitäre Komponente sowie der Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung nach einem europäischen Standard zu beurteilen ist.

Dieser Standard erlaubt einem Kontinent, der nicht nur einen Shakespeare, sondern auch einen Erasmus von Rotterdam, einen Michelangelo, einen Voltaire, einen Luther und viele andere Geistesgrößen hervorgebracht hat, in keinster Weise diese Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung, welche verheerendere Auswirkungen verursachen als die Spätfolgen von Hiroshima und Nagasaki. Großbritannien hat nicht nur den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, sondern diesen sogar initiiert. Es ist vollkommen sinnwidrig, wenn dann von der Royal Air Force uranhaltige Waffensysteme verwendet werden.

Die Begründung, daß nur mit diesen Waffen der Stahl der Panzer aufgebrochen werden könne, ist zu billig. Es ist eine Frage der Wissenschaft und des Engagements der Waffentechnik, hier Systeme zu entwickeln, die der Bevölkerung keine Strahlenschäden zufügen können.

Eure Majestät, in Anbetracht der Vorgänge im Irak und Afghanistan sowie im Geiste eines zivilisierten Europa, das in der Welt eine Vorbildrolle zu beweisen hat, bitte ich Sie dringend, den nachstehenden drei Forderungen zur Umsetzung zu verhelfen. Sicher ist mir bekannt, daß die Königin von England der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte ist, aber Sie sind schließlich Ehrenoberst in verschiedenen Waffengattungen der Armee Ihres Landes.

Die Forderungen lauten:

  • Untersagung und Ächtung sämtlicher nuklearen Waffen, gemäß dem Atomwaffensperrvertrag, auch als Munition zur Panzerbekämpfung
  • Bergung sämtlicher kontaminierter Materialien, die aus der Verwendung dieser Atom-Munition (DU) durch eigenes Militär in den betroffenen Ländern herstammen sowie
  • Entsorgung derselben durch britische Spezialisten
  • Schnellstmöglichste Einrichtung von Spezialkrankenhäusern in den entsprechenden Gebieten, die sich den dadurch verursachten Krankheiten der Kinder und der Erwachsenen widmen können.

Sie sind in der Lage, diesen Forderungen den nötigen Nachdruck zu geben, der zum Ziel führt. Es wäre nicht nur im Interesse eines humanitären Selbstverständnisses, sondern auch im Geiste Ihrer verstorbenen Frau Diana, die sich genauso für die Abwendung von Unmenschlichkeiten bei Kriegen eingesetzt hat, insbesondere für das Verbot von Landminen.

Ihre Leistungen sowie Ihre Begeisterung für Siebenbürgen ist allen hier geläufig, aber wie verträgt sich das mit der Tatsache, daß die rumänischen Soldaten, die an der “Koalition der Willigen” beteiligt waren, nicht sehr weit von Basra stationiert waren, genauer gesagt in Tallil, und genauso vom “Deadly Dust” erreicht werden konnten. Wie wollen Sie denn diesen und auch den britischen Soldaten, die später aus “unerklärlichen” Gründen verunstaltete Kinder in die Welt setzen, noch in die Augen sehen?

Eure Majestät, setzen Sie ein Zeichen, damit ein humanitärer Standard für alle europäischen Nationen Gültigkeit erlangt. Es wäre schade, daß wegen dieser Vorfälle Ihre Nation an den Pranger gestellt würde und überall auf der Welt in Zukunft die britischen Staatsangehörigen mit diesen Vorwürfen konfrontiert würden. Wir alle sind Europäer, und keine Barbaren.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Helmut …

Mediasch – Siebenbürgen

Antwort von der CSU, 20.02.2013

Sehr geehrter Herr N…,

danke für Ihre E-Mail, wir werden uns mit Ihren Gedanken auseinandersetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Cora-Antonia Binder

CSU-Landesleitung

Franz Josef Strauß-Haus
Nymphenburger Straße 64
80335 München
Telefon 089 / 1243-350
Telefax 089 / 1243-299

service1@csu-bayern.de

Antwort von der CDU, 25.02.2013

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für ihr Schreiben zum Thema Außenpolitik. Ein engagiertes Mitwirken unserer Mitglieder liegt uns sehr am Herzen. Die CDU profitiert von den Erfahrungen der Menschen und kann so viele verschiedene Einflüsse in ihrer Politik vereinen.

Ich finde es sehr positiv, dass Sie sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen und an uns diesbezüglich schreiben. Gerne werden wir Ihre Hinweise in unserem Hause zur Diskussion stellen.

Bitte nutzen Sie bei künftigen Anfragen unser Kontaktformular: http://www.cdu.de/portal2009/26468.htm

Mit freundlichen Grüßen
Christina Hansen
CRM-Team
Bürgerservice der CDU-Bundesgeschäftsstelle

Antwort von der SPÖ, 07.03.2013

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre Email vom 09. Februar 2013 zum Thema Uranmunition. Die SPÖ lehnt den Einsatz von Uranmunition ab. Die unvorstellbar grausamen Folgen für die Menschen, die in einem von Uranmunition kontaminierten Gebiet leben, sprechen eindeutig gegen die Nutzung. Die SPÖ-geführte Bundesregierung befürwortet daher die von NGOs geforderte Multilateralisierung und Kontrolle der Verbreitung von Uranmunition. Entsprechende Gespräche innerhalb der UN werden jedoch von Staaten wie den USA, Frankreich, Großbritannien, etc. regelmäßig mit der Begründung verweigert, es berühre ihre nationale Sicherheit. Um das Argument der nationalen Sicherheit zu umgehen, versucht die Bundesregierung daher zurzeit das Thema Uranmunition unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes in den UN-Gremien zu diskutieren, mit dem Ziel ein Bewusstsein für die grausamen Folgen zu schaffen und entsprechenden Verhandlungsdruck aufzubauen.

Mit freundlichen Grüßen

Christine Muttonen

Mag. Christine Muttonen
Abgeordnete zum Nationalrat, SPÖ
Sprecherin für Außen- und EU Politik
A-1017 Wien, Österreich
Tel.: +43 1 40110/ 3660 oder 3444

Weiteres Schreiben an alle Parteien, betr. Brief an Prinz Charles, 10. März

Betr.: Uranmunition – Offener Brief an Prinz Charles

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einiger Zeit habe ich an Sie eine Anfrage gerichtet, wie Sie resp. Ihre Partei über diese DU-Munition sowie deren Folgen für die Bevölkerung denken. Diese Anfrage ging nicht nur an Ihre Partei, sondern an alle demokratischen Parteien im Lande (mein Mail vom 8/9.2.2013). Manche haben darauf geantwortet, sogar dezidiert, manche mit einem Allerweltsschreiben, manche gar nicht.

Die einzelnen Antworten wurden im Net veröffentlicht, auch die Parteien, die nicht geantwortet haben. Letztere werden ihre Gründe dafür haben, warum sie es vorziehen, keine Stimme gegen diese menschenverachtenden Waffen zu erheben.

Nun erfolgt eine europaweite Aktion mit einem Offenen Brief an Prinz Charles. Es werden zu Beginn alle politischen Parteien in den wichtigsten europäischen Ländern angeschrieben und um Unterstützung in dieser Sache gebeten. Anschließend wird ein Unterschriftenaufruf im Internet veröffentlicht, wonach dann alles zusammen Prinz Charles übergeben wird.

Unsere konkrete Frage, für die wir Sie um Antwort bitten, lautet:

Steht Ihre Partei hinter diesen drei Forderungen im Schreiben an Prinz Charles und unterstützt Ihre Partei vom Grundgedanken her diese Aktion ?

Im Interesse einer breiten Veröffentlichung wird selbstverständlich jede eingehende Antwort der Parteien im Net zu lesen sein. Sollte Ihre Partei hier anderer Auffassung sein und nicht hinter dieser Aktion stehen, brauchen Sie sich natürlich nicht die Mühe machen, zu antworten. Die ausbleibende Antwort spricht dann für sich selbst. Es soll ja auch heute noch Personenkreise geben, die positiv zu den Atomwaffen stehen.

Die letzte aktuelle Meldung in dieser Angelegenheit kommt vom IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. ), des Nobelpreisträgers 1985, nachzulesen unter dem link:

http://www.ippnw.de/startseite/artikel/7f662ac162/uranmunition-verseucht-den-irak-noch.html

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Zweite Antwort der CDU, 03.04.2013

Sehr geehrter Herr N…,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 10. März 2013 zum Thema „Uranmunition“ (Depleted Uranium – DU). Ich bedauere, dass Ihnen keine Antwort auf Ihr Schreiben vom Februar zugegangen ist, doch scheint es so, als sei dies Schreiben nicht bei der CDU eingegangen.

DU ist abgereichertes Uran und entsteht zum Beispiel als Abfallprodukt der Atomindustrie. Durch seine hohe Dichte ist es anderthalb mal so schwer wie Blei. Aufgrund dieser Eigenschaft wird es in den Streitkräften verschiedener Länder einerseits zur Panzerung von Gefechtsfahrzeugen, andererseits zur Erhöhung der Durchschlagskraft von panzerbrechenden Waffen eingesetzt. Als Teil von panzerbrechenden Geschossen beruht der Wirkungsschwerpunkt von DU auf der Bewegungsenergie. Anders als zuweilen unterstellt, leistet die Radioaktivität von DU keinen Beitrag zur Wirksamkeit der eingesetzten Munition.

Von dieser militärischen Munition gehen zwei potentielle zusätzliche Arten von Gefährdung aus. Erstens die Strahlung und zweitens die Giftigkeit. Nach der in der Fachwelt vorherrschenden Meinung ist die Gefährlichkeit der Strahlung von DU-Munition jedoch zu vernachlässigen. Eine Person müsste sich ein ganzes Jahr lang in einem Meter Entfernung von einem Kilogramm DU aufhalten, um eine Strahlendosis von 1-2 Millisievert aufzunehmen. Ein Kilogramm DU entspricht ca. drei bis vier kompletten Geschoßkernen eines amerikanischen A-10 Kampfflugzeuges. Die genannte Dosis liegt zwar über dem für den Normalbürger festgelegten Grenzwert von einem Millisievert pro Jahr, aber noch unterhalb der durch die natürliche Hintergrundstrahlung entstehenden Belastung von etwa 2,4 Millisievert.

Experten stimmen darin überein, dass die chemische Gefährlichkeit von DU höher einzuschätzen ist als die radiologische. Diese Gefahr bezieht sich jedoch eher auf die möglichen, von Schwermetallen wie Uran üblicherweise ausgehenden Auswirkungen auf die Nierenfunktion als auf die bisweilen mit DU-Munition in Verbindungen gebrachten Leukämie-Erkrankungen. Doch aufgrund der Erfahrungen nach dem Einsatz von DU Munition ist von einer flächigen Verunreinigung nicht auszugehen.

Die Bundeswehr verfügt übrigens nicht über DU Munition und wird diese auch in Zukunft nicht beschaffen. Deutsche Unternehmen sind nicht an der Produktion von DU Munition beteiligt. Vielmehr greift die Bundeswehr auf Munition zurück, die auf dem Metall Wolfram basiert. Diese Munition verfügt bei besserer Leistungsentfaltung nicht über die Nachteile der DU Munition. Der Panzerschutz der deutschen Fahrzeuge basiert ebenfalls nicht auf DU Material. Vielmehr ist es der deutschen Industrie gelungen, durch die Kombination von verschiedenen Verbundstoffen ein Schutzniveau zu erreichen, wie es selbst mit DU nicht möglich ist. Allerdings sind die genannten Alternativprodukte in der Herstellung kostenintensiver als die DU-Verfahren.

Für einen tieferen Einstieg in Thematik empfehle ich Ihnen folgende, öffentlich zugängliche Studien:

  • World Health Organization (2003), „Depleted Uranium“, in: WHO Fact Sheet No 257.
  • Bericht des Arbeitsstabes von Dr. Theo Sommer (vorgelegt 21. Juni 2001), Die Bundeswehr und ihr Umgang mit Gefährdungen und Gefahrstoffen. Uranmunition, Radar, Asbest. Berlin.
  • Naomi H. Harley (1999), „Depleted Uranium“, in: A Review of the Scientific Literature as it Pertains to Gulf War Illness ( Rand Hrg.) Vol. 7, S. 1 – 146.

In Bezug auf Atomwaffen unterstützt die CDU die Ziele des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrages. Dieser sieht unter anderem die vollständige Abrüstung dieser Waffengattung vor. Allerdings ist dieses nicht schnell erreichbar. Daher setzen wir auf weitere konkrete Abrüstungsschritte. Hier müssen die USA und Russland vorangehen und zukünftig auch die anderen Atomwaffenstaaten eingebunden werden.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Lackamp

CDU-Bundesgeschäftsstelle
Bereich Politische Programme und Analysen
Klingelhöferstr. 8
10785 Berlin

Telefon +49 30 22070 341
Telefax +49 30 22070 345
Mail: markus.lackamp@cdu.de

Linkverweise: Lesen Sie dazu auch bei gegenfrage.com

Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, mißgebildete Neugeborene, sterbende Kinder – Professor Siegwart-Horst Günther hat als Präsident des Gelben Kreuzes International zahlreiche Hilfslieferungen für die hungernde und kranke irakische Bevölkerung organisiert und selbst durchgeführt. Es ist indes nicht nur sein selbstloser, der Humanität verpflichteter Einsatz, der den Arzt und Wissenschaftler auszeichnet, sondern vor allem die – in Deutschland weitgehend unbekannte – Tatsache, daß er einem bis dahin geheimgehaltenen amerikanischen Kriegsverbrechen auf die Spur kam und es der internationalen Öffentlichkeit mitteilte. hier weiter

Uranbelastung von Kriegsgebieten – Einsatz von DU-Munition – Die Nutzung von abgereichertem Uran als panzerbrechender Munition hat insbesondere seit dem Golfkrieg 1991 für einiges an Aufmerksamkeit gesorgt. Seit bekannt werden der militärischen Nutzung von Uran, rückte das Thema durch zahlreiche Publikationen in Medien ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Streitpunkt der Forschung ist nunmehr seit über 20 Jahren, inwiefern Uran den menschlichen Organismus schädigt und in welchem Ausmaß die Umwelt durch Uranmunition in Kriegsgebieten kontaminiert wird. hier weiter

Ungeklärt unheimlich unfassbar 2014 – Verbrechen, die die Welt schockieren. Serienmord, Terroranschlag, Amoklauf: Auch im vergangenen Jahr gab es wieder spektakuläre Verbrechen, die uns erschaudern ließen. hier weiter

http://lupocattivoblog.com/2014/03/07/schwergeschadigte-soldaten-misgebildete-neugeborene-sterbende-kinder-was-sagen-unsere-politiker/

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