Gedanken zu PEGIDA ..

PEGEIDAWas hältst Du von den PEGIDA-Demonstrationen?“ So fragte mich heute ein
guter Freund bei einer Tasse Glühwein auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt.

Es ist nicht so, dass ich mir erst in diesem Moment meine Gedanken zu diesem
Thema gemacht hätte. Im Gegenteil! Wie so viele Bürger verfolge ich das
Geschehen mit großem Interesse und noch größerer Spannung. Und wie sicher
auch viele andere Beobachter komme ich nicht umhin, angesichts der Vorgänge
in Dresden und anderen Städten, an den Herbst 1989 zurückzudenken.

Historische Vergleiche, so heißt es, sind eine heikle Sache. Vielleicht ist das so.
Doch wenn man in geschichtlichen Zusammenhängen denkend die derzeitigen Entwicklungen
bedenkt und bewertet, kommt man kaum umhin, festzustellen, dass gewisse Parallelen
nicht zu leugnen sind. Geschichte mag sich nicht wiederholen, doch sie wird von den
immer gleichen Mechanismen geprägt und gesteuert, welche stark vereinfacht darin
bestehen, dass einige wenige Menschen ihre politische oder ökonomische Macht bewahren
wollen und sehr viele andere Menschen nach einem Maximum an Freiheit streben, welche
durch erstere immer nur Einschränkung erfährt.

Dieser Antagonismus kann lediglich dadurch gemildert werden, dass die Führenden weise
und besonnen und im steten Dialog mit den Geführten agieren. In Deutschland ist an
dieser Stelle ein gefährliches Ungleichgewicht entstanden, dessen unmittelbare Folge
jeden Montag auf den Straßen der sächsischen Landeshauptstadt besichtigt werden kann.

Als im Sommer 1989 die ersten Bürger der DDR auf die Straße gingen, waren deren Ziel
weder der Sturz des Systems noch die Abschaffung der DDR als solches. Vielmehr ging
es um Veränderungen, um Reformen, welche angesichts der verfahrenen Situation im
Arbeiter- und Bauernstaat notwendig und unumgänglich erschienen. Allerorten bestand
das zumindest diffuse Gefühl, dass es so wie bisher nicht weitergehen könne.

Seitens der Machthaber wurde hingegen das genaue Gegenteil propagiert, nämlich dass
alles in bester Ordnung sei und selbst geringfügige Justierungen am System nicht nötig
sind. Sie wurden recht schnell eines Besseren belehrt. Hätten die Vertreter der SED-
Politbürokratie die Montagsdemonstranten nicht als Staatsfeinde, Kriminelle oder
Faschisten diffamiert, sondern den Dialog gesucht, der Untergang der DDR wäre sicher
nicht aufzuhalten gewesen, doch ihr Abgang hätte ein anderer sein können.

So ist der KP-Chef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow heute für die Nachwelt
ein Held, während sein Ost-Berliner Amtskollege Erich Honecker als unbelehrbarer
Schurke in die Geschichte einging.

25 Jahre später hat eine andere politische Klasse dieses Land erneut in eine
erkennbar schwierige Situation manövriert. Wieder spüren mehr und mehr Bürger,
dass ohne grundlegende Veränderungen eine eher düstere Zukunft droht.

Buchstäblich demonstrativ wird dieses Unbehagen artikuliert. Und erneut fällt den
Machthabern nichts anderes ein, als jede Regung von zunächst nur Sorge und dann
Protest als faschistoid, als illegal und kriminell zu diffamieren.

Von Dialogbereitschaft keine Spur.

Stattdessen werden sogenannte Gegendemonstrationen organisiert, an denen, wie früher
auch, Vertreter von staatlich finanzierten Organisationen teilnehmen, also in diesem
Fall von Kirchen und Gewerkschaften, Migrantenverbänden und Bildungseinrichtungen,
welche dieselbe Botschaft verkünden: alles ist in bester Ordnung.

Und ganz im Duktus eines Erich Mielke versteigt sich Bundesinnenminister Thomas de
Maiziere dazu, die Inanspruchnahme verfassungsmäßig verbriefter Grundrechte durch
die PEGIDA-Demonstranten als „Unverschämtheit“ zu verunglimpfen.

Das heutige Deutschland ist nicht die DDR, doch die Arroganz der Macht ist es, die beide
Systeme miteinander verbindet und letztlich immer der entscheidende Sargnagel sein wird.

Ich selbst war Ende Oktober 1989 auf einer Gegendemonstration der SED im Berliner
Lustgarten vor dem Alten Museum zugegen, wo die DDR von ihren bezahlten Knechten
als letztes Bollwerk wider das heraufziehende Vierte Reich beschworen wurde.

Der Feind war damals und ist heute der mündige Bürger, der nicht nur demonstriert,
wenn es vom Staat gewünscht wird, sondern wenn er selbst es für nötig erachtet.

Von Holger Arppe

Quelle : Journalistenwatch

4 Kommentare zu “Gedanken zu PEGIDA ..

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