Pegida: Wer die Demonstranten sind und was sie bewegt, war nun schon mehrfach zu
lesen, aktuell im Focus. Trotzdem schadet es nicht, sich selbst ein Bild zu machen.
Auch mein Eindruck vom Sonntag: „Abgehängte“ sind es ganz sicher nicht, auch nicht
„Nazis in Nadelstreifen“. Auf der Veranstaltung kein antisemitischer Schwachsinn,
kein übel ausfälliges Plakat.
Die Parolen der frühen GRÜNEN, denen ein SPD-Spitzenpolitiker
einst Schläge mit der “Dachlatte” androhte, waren oft böser.
Anders als erwartet, waren auf dem Theaterplatz erstaunlich viele Frauen.
Springerstiefel sah ich nicht, auch keine Lonsdale-, Thor Steinar oder sonst
zweifelhafte Marken. Ein paar Leute in Bomberjacken, aber ist das schon ein
Ausweis antidemokratischer Gesinnung? Die Reden eher schlicht, aber mit dem
vergleichbar, was DGB-Chef Bsirske oder SPD-Generalsäkretärin Fahimi bei
vergleichbaren Veranstaltungen von sich geben, geht es um Mindestlohn,
Unternehmertum oder Kapitalismus.
Das Thema Islam kam kaum vor. In erster Linie ging es um mehr direkte
Demokratie, eine Forderung, für die viele GRÜNE vehement eintraten,
bevor sie ihre Liebe zum Dreireiher entdeckten.
Auch der Appell, keine weiteren Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen, so
lange es an Mitteln für Pflege, Kitas, Schulen, Sicherheit und ärztlicher
Versorgung fehle, kann man kaum als indiskutabel abtun. Und dann noch
Solidaritätsadressen an Russland. Da bin ich anderer Meinung, aber bitte.
Was die Pegidisten eint, ist das Mißtrauen gegenüber Presse und Abgeordneten.
Ersteres ist, betrachtet man die Diffamierungen, die in den Medien verbreitet
und oft ausdrücklich geteilt wurden („Rattenfänger“, „Muff“, „Ignoranten“,
„Abgehängte“, „Rassisten“, „Mischpoke“, „Schande“, „Hass im Herzen“,
„Verblödete“), durchaus nachvollziehbar. Und auch die Skepsis gegenüber
der etablierten Politik und ihren Seilschaften ist nicht falsch.
Ohne die Proteste der Bürger wäre die absurde ‚Bildungsreform’ in Hamburg
ebenso umgesetzt worden wie Stuttgart 21, auch ACTA und TTIP wären ohne
den Einspruch der Zivilgesellschaft längst durchgewunken.
Der Euro sollte mehr Jobs bringen, den Wohlstand mehren, die Völkerfreundschaft
vertiefen, europaweit eine stabile Währung schaffen. Nichts ist eingetreten.
Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist in vielen Ländern völlig außer
Kontrolle, Deutschland ein Objekt des Hasses, der Euro verliert dramatisch
gegenüber Dollar und Franken, und ganze Bevölkerungsschichten in Südeuropa
sind verarmt. Traut wirklich noch jemand den Versicherungen und Vorhersagen
der Politik- und Wirtschaftselite?…
Von Nicolaus Fest
Quelle : Journalistenwatch
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