Griechisches Gas – Mythos oder Wirklichkeit?

Posted by Maria Lourdes – 11/02/2015

Das Mittelmeer – ein neuer Persischer Golf?

Bei einem privaten Gespräch zwischen F. William Engdahl, Autor des Artikels: “Wird Griechenland zu einem neuen Saudi-Arabien?” mit  Prof. Wladimir Kutscherow, ein Geophysiker der Moskauer Staats-Universität, betonte W. Kutscherow: Geophysikalisch sei das gesamte östliche Mittelmeer dem Persischen Golf ähnlich.

Der Persische Golf ist bisher die größte bekannte Erdöl- und Erdgas-Lagerstätte der Welt. Obwohl sich westliche Ölgesellschaften schon seit 100 Jahren an einer Erkundung der griechischen Kohlenwasserstoffvorkommen interessiert zeigen, und obwohl die großen britischen und amerikanischen Ölkonzerne, darunter BP und Exxon (Esso) seit den 1960er Jahren aussichtsreiche Öl- und Gas-Pachtverträge halten, gab es bisher nur erstaunlich wenige Bohrungen. Griechenland, aus dessen Sprache der Name »Petroleum«, oder brennende Felsen, herrührt, wurde von den Ölgiganten ignoriert.

Dr. Georg Chaziteodorou ist der Meinung, dass die angeblichen Funde von Erdgas im Ostmittelmeer-Raum eher geostrategischen Zwecken dienen und nicht der Wahrheit entsprechen.  Hier die Stellungnahme von Dr. Chaziteodorou, die er sehr glaubhaft dargestellt hat:

Ersetzt das Ostmittelmeer bald den Persischen Golf? – Von Dr. Georg Chaziteodorou – Erstveröffentlicht bei Berlin-Athen.eu – Mein Dank an Dr. Georg Chaziteodorou und Emmanuel, sagt Maria Lourdes!

Der Artikel Im «Ausplündern» sind Rothschild’s IWF, Weltbank und Co. Profis wurde fast gleichzeitig auf den Internetseiten «lupocattivoblog» und «berlin-athen.eu» am 06.02.2015 veröffentlicht. 

ChaziteodorouDer Verfasser dieser Stellungnahme ist Bergbau-Ingenieur und hat von 1977 bis 1998 bei der Erdölfirma Wintershall AG (Tochter der BASF), als Lagerstätten- Produktions- und Projektingenieur im In- und Ausland, neben seiner Hochschultätigkeit, gearbeitet. Er stellt folgende Fragen:

Warum wurden eigentlich die handfesten Beweise für solch gigantische Kohlenwasserstoff-Lagerstätten im Ostmittelmeer erst in den Jahren 2009/10, d.h. mitten in der Weltwirtschaftskrise, durch das US- Geological Survey bekannt gegeben?

Sind die angegebenen riesigen Kohlenwasserstoff-Reserven sichere, wahrscheinliche, mögliche oder aus geopolitischen bzw. geostrategischen Gründen, spekulative Reserven? 

Die erste Reise des US-Forschungsschiffes «Glomar Challenge» im Mittelmeer erfolgte in den Monaten September/Oktober 1970. Man nahm damals, im westlichen Mittelmeer, aus 7 Untersuchungsbohrungen, 745 m Kernmaterial und im östlichen Mittelmeer ebenfalls aus 7 Bohrungen, 651 m Kernmaterial auf. Die Wassertiefen im westlichen Mittelmeer betrugen 1100 bis 2800 m und im östlichen Mittelmeer 2700 bis 4600 m. Die Bohrungstiefen im  Meeresuntergrund (112 bis 563 m) waren allerdings viel zu kurz um mögliche Vorkommen von Kohlenwasserstoffen entdecken zu können.

Die zweite Reise des US-Forschungsschiffes «Glomar Challenge» im Mittelmeer, erfolgte in den Jahren 1979/81. Ziel der Untersuchungen war dieses Mal unter anderem auch, die Entdeckung von Kohlenwasserstoff-Lagerstätten in dem ‘Ostmediterranen Rücken’. Die Tatsache, dass solche Lagerstätten sowohl in der eurasischen- als auch in der afrikanischen lithosphärischen Platte d.h. um das Mittelmeer herum solche Lagerstätten gibt, gab Hoffnung auch solche im Meeresuntergrund des Mittelmeeres zu entdecken.

Jedoch vergeblich! Spuren von Kohlenwasserstoffen sind nur bei der Bohrung 134 entdeckt worden. Es handelte sich aber hierbei um «gasoline range hydrocarbons and gaseans ones» d.h. Gashydrate mitten in jung miozänen Evaporiten unbekannter Herkunft. Sie wurden als «mina, but significant from below» bezeichnet.

Spuren von Kohlenwasserstoff wurden auch im östlichen Mittelmeer festgestellt ohne jedoch klären zu können, ob diese aus tiefer liegenden Sedimentgesteinen kommen. Generell der bogenartige ‘Mediterrane Graben’ bis in die südlichen Abgrenzungen der Helleniden. Das Becken «Messina abysial plain», der «Nildeltakegel» und das Becken von «Herodotus-abysial» zeigen einige Merkmale für das Vorhandensein von Kohlenwasserstoff-Lagerstätten.

Griechisches Gas

Am Ende des ‘Ostmediterranen Rückens’ befindet sich die Insel Zypern, die mit sehr neuen tektonischen Gegebenheiten, die noch auf ihre Morphologie wirken, bezeichnet wird. Die wesentlichen Züge der Oberflächengestaltung sind eng an den tektonischen geknüpft (1).

Der Vergleich zwischen Erhebungen und Absenkungen im Meeresuntergrund, im Westen, Norden und Osten der Insel zeigt, dass in diesen Gebieten ähnlich tektonische Aktivitäten wie in der Ägäis herrschten. Die Tiefe des Meeres vor der Südwest-Küste Zyperns ist betont unregelmäßig. Inmitten eines ausgedehnten, ziemlich ausgeglichenen Feldes, mit Tiefen zwischen 2000 und 2200 m ragen oval umgrenzte Erhebungen auf. Auffälliger ist jedoch, das Absinken in tiefe Löcher mit maximal 2825 m Tiefe. Dieser Raum zeigt die Merkmale junger und jüngster Einbruchstektonik. Ähnlich, doch weniger intensiv erscheint die Unruhe des Meeresbodens zwischen Zypern und Libanon.

Die jüngsten Entdeckungen etwa 135 km westlich vom israelischen Hafen Haifa und in 5000 m Wassertiefe, im Levantinischen Becken, in Zusammenarbeit mit der israelischen Regierung mit der in Texas ansässigen Firma Noble Energy, werden angeblich mit GIP (Gas ‘in place’) von 450 Μrd. Kubikmeter geschätzt.

Die Größe einer Gaslagerstätte kann durch die Testergebnisse einer Explorationsbohrung nicht geschätzt werden. Man kann durch verschiede Testdüsen und einer anschließenden Druckaufbaumessung nur die Produktionskapazität einer Untersuchungsbohrung ermitteln. Der Kern einer Untersuchungsbohrung vom Trägerbereich (Speichersteinbereich) und die verschiedenen Bohrlochsmessungen im Trägerbereich (Spannungs- und Widerstandsmessungen) liefern Informationen über die gesteinsphysikalischen Parameter des Trägers (Porosität, Permeabilität, Sättigung des Porenraums), die Abmessungen des Trägers (Mächtigkeit) u.a.

Für eine Erfassung des GIP sind mehrere Explorationsbohrungen notwendig. Die vorhandenen Gasmengen (Produktionsprognose für mindestens 30 Jahren) zusammen mit den Parametern Wassertiefe, Meeresbodenbeschaffenheit, Produktionsanlage (Plattform mit Aufbereitungseinrichtungen), Anzahl der notwendigen Produktionsbohrungen, Weiterleitung der Produktion mit Pipelines oder verflüssigt mit LNG – Schiffen, Betriebskosten, Transportkosten usw. sind einige von den notwendigen Informationen für die Durchführung einer dynamischen Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Wenn die Abschreibungen in relativ kurzer Zeit zurückfließen und die Marge groß genug ist, kann entschieden werden, ob die entdeckten Vorräte auch abgebaut oder gar nicht angetastet werden. Vor der dynamischen Wirtschaftlichkeitsrechnung ist eine «FINDING COST» Rechnung durchzuführen. Diese zeigt Trends in der allgemeinen Kostenentwicklung über Jahre für ein definiertes Umfeld, wenn jeweils eine möglichst große statistische Menge erfasst wird. Die Betrachtung eines einzelnen Jahres hat wenig Aussagekraft. Es gilt: Fund- und Entwicklungskosten + Akquisitionskosten (Einkauf von Reserven im Boden) + Revision (positive oder negative Neubewertung früher gefundener Reserven) = Fund-, Entwicklungs- und Akquisitionskosten unter Berücksichtigung der Revision.

Über den zypriotischen Fund einer Gaslagerstätte im Block 12, 185 km vor der Südküste der Insel, liegen keine Testergebnisse vor. Für die angegebenen Mengen von 280 Mrd. Kubikmeter GIP (Lagerstätteninhalt) kann nichts gesagt werden. Es handelt sich wahrscheinlich um grobe Propaganda-Angaben.

Eine Studie der kretischen Unternehmensberatung «Pytheas» unterstellt auf Grund geologischer und geochemischer Untersuchungen, ohne Tests bei Untersuchungsbohrungen d.h. ganz willkürlich, die Existenz großer Erdgasvorkommen vor der Südküste Kretas dar. Solche Angaben ohne konkrete Testergebnisse von Explorationsbohrungen sind wertlos. Wenn man aufsteigende Blasen chemisch untersucht, erhält man keinen Hinweis auf die Existenz von Erdgaslagerstätten. Diese Gasblasen könnten auch Gashydratblasen sein. An den Subduktionszonen wird das subduzierte Sediment in größeren Tiefen ausgepresst und Porenwasser mit hohem Methangehalt (CH45,75H2O) nach oben transportiert. Meist lagert sich dieses Methanhydrat an den Sedimentoberfläche ab. Methanhydrat ist thermodynamisch nur unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen stabil. Versuche, Methanhydrat-Lagerstätten von Japanern und Kanadiern abzubauen, haben bisher keine positive Ergebnisse gebracht.

Ich versuche hier, einen groben Überblick über die sedimentäre Evolution des Mittelmeerraumes zu geben, die Kohlenwasserstoff-Lagerstätten beinhalten könnten. Mit seinen messozoischen Ablagerungen, wird auch das Mittelmeer von den Vertretern der Drift-Theorie als mögliche Kohlenwasserstoff-Provinz gedeutet (2, 3).

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass im Untergrund des östlichen Mittelmeeres, jene geologisch und erdgeologisch entscheidende Grenzfuge durchzieht, mit welcher die südliche, starre, afrikanische Platte gegen die nördlich anschließenden Faltungsbereiche grenzt. Diese Zone erstreckt sich vom Atlantik, Agadir bis zur Syrte. Von der Bibliszone im östlichen Anatolien bis zum Ausklingen der Zagrosketten entlang dem Euphrat-Tal und weiter entlang der Nordstufe des persischen Golfes grenzt hier ebenfalls die afrikanische Tafel mit ihrem arabischen Plattformteil gegen die weiterhin sichtbaren mobilen Faltenstränge der Thethys. Dieses Meer ist in der früheren Trias (245-208 Mio. Jahre) vor ca. 225 Mio. Jahren entstanden und existierte bis in Paläozän/Eozän des Altterziärs d.h. bis vor ca. 40 Mio. Jahre.

Aus dem oben Gesagten erhärtet sich der Verdacht, dass der Mythos der gigantischen Kohlenwasserstoff-Lagerstätten des Ostmittelmeeres, inklusiv diejenigen südlich von Kreta, wahrscheinlich mit der Problematik der Nabucco-Pipeline zu tun hat.

Es fehlen nämlich die notwendigen Gasmengen für diese Pipeline.

Literatur

1. Chaziteodorou G. «Der Bergbau auf Zypern», Glückauf, Jahrgang 110 (1974) Nr. 20, S. 836-840
2. Chaziteodorou G. «Bodenschätze und Bergbau Griechenlands», Glückauf, Jahrgang 110 (1974), Nr. 3
3. Chaziteodou G. «Große Vorratsquellen für Kohlenwasserstoff  Mittelmeer?» Mining Metallurgical Chronicles, 5th Year, Nr. 21 November-Dezember 1975, Athen
4. Dr. Georg Chaziteodorou “Mythos oder Wirklichkeit? Sollen riesige Kohlenwasserstoff-Reserven im östlichen Mittelmeerraum lagern?” bei berlin-athen.eu/

http://lupocattivoblog.com/2015/02/11/griechisches-gas-mythos-oder-wirklichkeit/

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