Schloss Triebsch – Begegnungsstätte für Völkerverständigung durch kulturellen Austausch

by Maria Lourdes

Kurz zur Vorgeschichte: Drei Millionen Sudetendeutsche werden am Ende des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben.
Hass und Rachegefühle der Tschechen gegenüber den Deutschen entladen sich – egal, ob sie mit den Natinalsozialisten kooperiert hatten oder nicht. 20.000 bis 30.000 Menschen werden bestialisch ermordet. Manche Historiker sprechen sogar von über 200.000.
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Tschechen erschossen damals, in den Tagen nach der Kapitulation, gezielt deutsche Zivilisten auf offener Straße, nachdem sie sie wie Vieh zusammengetrieben hatten. Als die deutschen Zivilisten von tschechischen Revolutionsgardisten und Soldaten der Roten Armee mit Peitschen und Gewehrkolben durch den sechsten Prager Gemeindebezirk getrieben wurden, herrschte dort eine Stimmung wie auf einem Volksfest. Frauen und Kinder sahen zu, es wurde getrunken und gelacht.

Eine gerichtliche Aufarbeitung der Massaker hat es bis heute nicht gegeben. Das verhindern die umstrittenen Dekrete des 1945 bis 1948 amtierenden tschechischen Präsidenten Edvard Beneš – mehr dazu hier. Das Grauen der »wilden Vertreibungen« soll demnach straffrei bleiben.

Schon vor längerer Zeit erreichte mich folgender Brief, mit der Bitte um Veröffentlichung…

Begegnungsstätte für Völkerverständigung durch kulturellen Austausch

…Liebe Interessenten, wer mich noch nicht kennt, ich bin Claudia de Almeida. 

Zusammen mit Pavel Vurma, der mir seit 10 Jahren treu in Tschechien zur Seite steht, haben wir die Vision, in meinem Schloss aus dem 12. Jahrhundert, welches sich im wunderschönen Böhmischen Mittelgebirge (ehemaliges Sudetenland) befindet, eine Begegnungsstätte für Völkerverständigung durch kulturellen Austausch ins Leben zu rufen.

Nach einem sehr langen Testamentsverfahren (obwohl wir uns in der Familie einig waren!), in dem mir rechtlich die Hände gebunden waren, darf ich jetzt endlich meine Vorstellung umsetzten, wie das Schlösschen weiter genutzt werden soll und ich wünsche mir, das Schloss mit allen Menschen zu teilen, die sich für das Wohlergehen der Menschheit einsetzten möchten.

Jeder Besucher, ob als Gast oder Anbieter eines Kurses (Vorträge, Workshops, Konzerte, Ausstellungen, etc.), unterstützt mit seinem Besuch unser Projekt sowie den Denkmalschutz und -pflege.

Dies Kleinod soll Euch eine Möglichkeit bieten, Euch mit anderen Interessenten austauschen zu können. Nur indem wir miteinander reden und unser Wissen austauschen, können wir lernen zu verstehen und haben die Möglichkeit, uns zu verbinden, um gemeinsam Lösungen zu finden und diese um zu setzten. Wer sich gerne aktiv miteinbringen möchte ist natürlich auch sehr willkommen! Hier gibt es noch so viel zu machen.

Ob es der Selbstversorger-Garten ist, der angelegt und gepflegt werden darf; Verschönerungsarbeiten oder Renovierungsarbeiten im und am Schloss; oder einfach mal nur mal mit anpacken möchte (z.B. den kleinen See wieder zum Naturbadeteich umzuwandeln sowie er es noch bis 1945 war); Texte auf unserer Webseite übersetzten oder über eure Erfahrung bei uns schreiben möchte; oder Ihr eure eigenen Ideen für unser Projekt mit einbringen möchtet, an die wir noch nicht gedacht haben und gut finden; oder Ihr uns mit einer Spende unterstützen möchtet, z.B. in Form von Geschirr, Musikinstrumenten, Pflanzen, oder auch mit einer Geldspende (falls Ihr ein paar Groschen übrig habt) – alle sind uns immer herzlichst willkommen!

Hier unser Angebot für alle, die bei uns einen Kurs anbieten möchten:

  • Wer einen Kurs bei uns geben möchte, bekommt von uns sein Zimmer im Schloss kostenlos
    gestellt und darf auch eine Begleitperson mitbringen.
  • Der Kursgeber darf seine Kursgebühren zu 100% für sich behalten!
  • Wir verlangen weder Prozente von den Kursgebühren noch für die weitere Nutzung von den Räumlichkeiten im Schloss oder vom Gelände! Wir haben dafür die Einnahmen der Übernachtungskosten der Teilnehmer.
  • Wer keine Kursgebühren erhebt. bekommt natürlich von uns trotzdem sein Zimmer gestellt.
  • Ihr habt die Möglichkeit, Euch bei uns selbst zu versorgen oder wir helfen Euch mit der Verköstigung Eurer Kursteilnehmer.
  • Wer die Kosten niedrig halten möchte, sollte das Angebot der Selbstversorgung wählen. Dazu steht Euch eine große Küche im Erdgeschoss zur Verfügung.

Alle 14 Schlafzimmer befinden sich im ersten Obergeschoss, sowie das Foyer mit einer Sitzgruppe und einem Flügel. Momentan haben wir Zweibettzimmer und Dreibettzimmer. Bei Bedarf können wir die Zimmer auch für größere Gruppen zusätzlich nutzen, indem die Gäste auf ihren Isomatten und in ihren Schlafsäcken sich gemeinsam mit anderen ein Zimmer oder die kleine Festhalle teilen.

Reicht der Platz im Schloss nicht mehr aus, darf auch im Schlosspark (2,8ha) gezeltet werden, dafür stehen im romanischen Teil des Kellers öffentliche Toiletten und Duschen zur Verfügung. Jedes Zimmer im Obergeschoss hat einen kleinen Vorraum und ein eigenes Badezimmer mit WC.

Im Erdgeschoss befindet sich die große Küche und ein kleiner Kühlraum, ein großes Esszimmer, eine kleine Festhalle, eine Bar sowie die Weinstube. Hinter dem Schloss Richtung Park befindet sich eine windgeschützte Sonnenterrasse und der große Park mit Wiesen, altem Baumbestand, einem kleinen See und einem Bach, der durch das Geländer plätschert.

Seitlich vom Schloss befindet sich ein großer Parkplatz der auch für Busse geeignet ist. Eine Bushaltestelle befindet sich schräg gegenüber vom Haupteingang des Schlosses, und direkt gegenüber vom Marktplatz befindet sich ein gut sortierter kleiner Supermarkt, der auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat.

Wenn Ihr keinen Kurs bei uns geben möchtet oder an keinem teilnehmen könnt, dürft Ihr natürlich auch ganz einfach bei uns einen schönen Urlaub verbringen oder Eure Feiern hier im Schlösschen zelebrieren (Geburtstage, Hochzeiten, das Leben, etc.). Dazu laden wir alle Individualtouristen, Kulturreisende und Aktivurlauber ein. Um uns herum gibt es 15 Burgen und Schlösser zu besichtigen, historische Städte wie Theresienstadt und Leitmeritz (Litoměřice) die alte Königsstadt, ein Museumsdorf, Kunstmuseen, Stadtmuseum, das Macha Museum, Weinmuseum und viele weitere Museen gibt es hier noch zu besichtigen.

Wer nach seinen Wurzeln sucht, könnte hier im Staatsarchiv Litoměřice fündig werden! Das Archiv ist für die Bezirke Liberec (Reichenberg) und Usti n. L. (Aussig) zuständig.

Wir liegen genau zwischen Prag und Dresden. Beide Städte liegen ca. 75 km von uns entfernt. Das Elbsandsteingebirge sowie die Sächsische Schweiz sind von uns gut zu erreichen. Die Wanderwege und Radwege wurden in den letzten Jahren gut ausgebaut und wer einfach nur kommen möchte, um sich mal so richtig zu entspannen, wird bei uns genauso gut auf seine Kosten kommen.

Das Schloss befindet sich inmitten eines herrlichen Naturschutzgebietes im Böhmischen Mittelgebirge und grenzt an den sogenannten Garten Böhmens! Unser vulkanischer Hausberg ist der Kelchberg, ihm werden positive Energien zugeschrieben. Also wundert Euch nicht, wenn Ihr hier Euer Zeitgefühl verliert!

Im Ort gibt es dazu noch eine Gaststätte mit Biergarten, einen kleinen Imbissladen mit Biergarten und eine große Pferdefarm, die bis zum Macha-Badesee reicht. Dort könnt Ihr Reitstunden oder Hippotherapie buchen, an geführten Ausritten teilnehmen oder auch mit Eurem eigenen Pferd Urlaub machen.

Wir (bzw. ich) hoffen Euer Interesse ein wenig geweckt zu haben und freuen uns schon auf Eure Resonanz! Ein kleines böhmisches Dorf grüßt die Welt und wünscht Euch nur das Beste vom Besten!

Eure Claudia

Kurze Zusammenfassung zur Geschichte vom Schloss Triebsch und meiner Familie.

Die Geschichte des Schlosses in Trebusin (zu deutsch Triebsch bis 1945) geht weit zurück. Der Ort Trebusici wurde wahrscheinlich vor 1050 gegründet. Aus einer Urkunde aus dem Jahr 1257, die eine Abschrift eines Originals von 1050 darstellt, geht hervor, dass zu jener Zeit bereits ein Kloster der Johanniter und eine Klosterkirche bestanden. Unter dem heutigen Schloss, genauer genommen unter dem kleinen Festsaal, vermutet man die älteste romanische Kapelle unserer Region. Diese wurde zufällig bei Umbauarbeiten 1950 gefunden. Leider wurde diese Kapelle nie freigelegt, da hierfür bisher keine finanziellen Mittel vorhanden waren. Seitdem gab es verschiedene Schloss-Besitzer, bis meine Familie „Männel de Garrigues“ es 1912 erwarb.

1913 kamen noch große Wälder dazu. Der Verkäufer war Baron Karl von Skal. Er war der Cousin meiner Urgroßmutter Helene Männel. (Karl von Skal war der Vater von Sophie, spätere Gräfin von Hohenberg. Sie war die Frau von Prinz Franz Ferdinand. Beide wurden 1914 in Sarajewo erschossen). Damals gehörten die Ländereien noch zum österreichischen Böhmen.

Nach dem ersten Weltkrieg entstand 1918 durch Thomas Masaryk ein neuer Staat, die Tschechische Slowakische Republik. Thomas Masaryk heiratete meine Urgroßtante Charlotte de Garrigues. Seitdem nannte er sich Thomas Garrigues Masaryk, kurz TGM. Er wurde 3 Mal wiedergewählt und ist daher mit 18 Dienstjahren der am längsten im Amt bestätigte Präsident eines demokratischen europäischen Landes.

Meine Urgroßeltern verdienten ihr Geld mit der Forstwirtschaft, bis der zweite Weltkrieg ausbrach und meine Familie 1945 vertrieben wurde.

Anmerkung ML: Masaryk war übrigens schon 1919 davon überzeugt: „…daß eine sehr rasche ENTGERMANISIERUNG dieser Gebiete vor sich gehen wird
(Le Matin, Paris, 10. Januar 1919). Interessant in diesem Zusammenhang ist dieser Artikel hier

Meine Mutter H.C. Meraldi, geb. Männel de Garrigues, wurde 1938 geboren. Sie war das älteste Enkelkind und wurde noch in Triebsch eingeschult. In der sozialistischen Zeit fungierte das Schloss als Schule. Viele bauliche Untaten musste das Schloss in dieser Zeit über sich ergehen lassen, nachdem man es 1945 völlig verwüstet hatte!

Die Schule im Schloss musste 1988 geschlossen werden, da auch hier die Geburtenrate rückläufig war. Dies ermöglichte meiner Mutter 1989 das Schloss zuerst per Erbpacht zu pachten. Erst als die Gesetze einen Rückkauf ermöglichten, konnte meine Mutter das Schloss 1991 zurückkaufen. Meine Mutter „Frau Corinna“, wie sie von allen genannt wurde, renovierte das Schloss und machte ein romantisches Schlosshotel*** daraus.

Weiter gründete meine Mutter einen Fremdenverkehrsverein und den Böhmischen Kulturklub. Frau Corinna hatte nicht vor, ein gewöhnliches Hotel 1991 zu eröffnen, vielmehr wollte sie eine Begegnungsstätte aufbauen zur Verbesserung der Völkerverständigung. Sie leistete Versöhnungsarbeit, förderte den kulturellen Austausch und half auch vor Ort wo sie nur konnte (z.B. Spendenaufruf zur Renovierung der alten barocken Kirche im Ort usw.).
Für ihre Bemühungen wurde sie mit der Masaryk-Medaille ausgezeichnet. Sie gehörte zur ersten Generation, die wieder ins ehemalige „Sudetenland“ zurückkamen. Sie hatte nichts geschenkt bekommen! Alles musste sie aus eigenen Mitteln erwirtschaften. Meine Mutter „Frau Corinna“ verstarb im Februar 2005.

Ich, Claudia de Almeida, bin ihre jüngste Tochter, und ich stellte mich der Herausforderung und nahm das schwierige Erbe an. 2005 wurde ich zum Nachlassverwalter bestimmt und so begann meine Geschichte mit dem Schloss in Trebusin (Triebsch, Trebusici). Seitdem kümmere ich mich um das Anwesen.

Die Menschen hier begannen, mich „Frau Claudia“ zu nennen. In der Phase des 8-jährigen Testamentsverfahrens war ich rechtlich handlungsunfähig bei der Umsetzung meiner eigenen Ideen. Jetzt erst bin ich Schlosseigentümerin und würde gerne mit der wunderbaren Idee einer kulturellen Begegnungsstätte von mir und meiner Mutter weitermachen.

Daher habe ich mich jetzt entschlossen, private Hilfe in Anspruch zu nehmen, um das “Dornröschen-Schloss” wieder zum Leben zu erwecken denn die Banken wollen von meinem Projekt nichts wissen, das habe ich jetzt drei Jahre lang versucht! Ich wünsche mir von Herzen, dass das Schloss wieder für alle nutzbar gemacht wird, und die Menschen hier einen Ort vorfinden, in dem sie Mensch sein dürfen.

Um es zu einer Begegnungsstätte zur besseren Völkerverständigung, zum Kulturerhalt und zur Kulturförderung zu machen, benötige ich nun viele liebe Besucher und Spender, die zusammen mit mir diese Idee realisieren möchten!

Das Schloss ist denkmalgeschützt und befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Bestimmt könnten weitere Finanzmittel benötigt werden für die Freilegungen der wertvollen Wandfresken und der romanischen Kapelle unter dem kleinen Festsaal. Aber eins nach dem anderen.

Bitte helft mir, ein wertvolles Kulturerbe zu schützen und die Völkerverständigung zu unterstützen.

Seid Ihr schon neugierig, wie es bei uns hier aussieht? Dann schaut doch einfach auf diesen Seiten nach – Ihr seid bei uns immer herzlichst willkommen!

Endlich konnten wir einen Webmaster finden, der von unserem Projekt begeistert und überzeugt ist! Er kommt aus Deutschland und ist gerade dabei unsere Seiten in drei Sprachen anzulegen. Sobald wir online sind werden wir Euch das wissen lassen!
(www.castlekalich.eu , http://www.zamek-trebusin.cz , http://www.castle-hostel.eu und vielleicht gibt es noch bald eine mit http://www.castle-kalich.org ).

Im Austausch für seine Dienste wird er bei uns von Zeit zu Zeit seinen Urlaub verbringen und geschäftliches mit privatem verbinden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Gerd Wyhing und möchten ihm nochmals auf diesem Weg ein herzliches Dankeschön zukommen lassen!

Auch möchte ich mich von ganzem Herzen bei Maria Lourdes für Ihre großzügige Unterstützung bedanken, meinen Artikel auf der Seite von Lupo Cattivo online stellen zu dürfen und hoffe sehr, dass ich auch ihr etwas anbieten kann, was ihr gefallen könnte!
Wenn Euch unser Projekt gefällt, bitte ich Euch, unsere Information mit Euren Lieben, Freunden und Bekannten zu teilen, damit auch viele Menschen von unserem Projekt erfahren und sich bei uns miteinbringen können!
Danke für Euer Interesse und für Eure Mithilfe – nur gemeinsam kommen wir ans Ziel!
Eure Claudia de Almeida

http://lupocattivoblog.com/2015/07/26/schloss-triebsch-begegnungsstaette-fuer-voelkerverstaendigung-durch-kulturellen-austausch/

2 Kommentare zu “Schloss Triebsch – Begegnungsstätte für Völkerverständigung durch kulturellen Austausch

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