Denunzieren leicht gemacht

20160209_Karneval_Satire_Volksverhetzung_Justiz_MeinungsfreiheitEin Leitfaden für die neue Gedanken-Stasi im Netz.

Immer wenn man denkt, die Debattenkultur in Deutschland könnte nicht noch
tiefer sinken, meldet sich mit traumwandlerischer Sicherheit eine Institution,
ein Amt oder ein Minister zu Wort, der das locker unterbietet.

Heute ist es – wieder einmal – die Antonio Amadeu Stiftung. Für Unkundige in
der Kurzbeschreibung, eine Institution, die es sich auf die Fahnen geschrieben
hat unter dem Deckmantel des Kampfes “gegen rechts” alles an die Wand zu stellen,
was nicht ins linke Weltbild passt.

Geleitet wird dieses Haus, das mit staatlichem Geld arbeiten darf, von Anetta Kahane,
diesem sympathischen, wuscheliger Rotschopf, der schon früher bei der Stasi als
“IM Victoria” offenbar entscheidende Skills sammeln konnte, die ihr jetzt zu Nutzen
gereichen. Ich nehme an als Dank und durch die große Übung im bisherigen Denunzieren
von Menschen auf ihrem Portal, hat unser Bundesjustizminister Heiko Maas die Stiftung
in seine sogenannte “Task Force” gegen verbale Hetze im Netz aufgenommen.

Was nicht nur Geld, sondern auch ganz neue Möglichkeiten für die Stiftung geschaffen
hat. Endlich kann man sogar mit ministerialem Segen nicht nur anprangern, sondern auch
löschen und blocken, wenn die Meinung des blöden Pöbels nicht genehm ist. An dieser Stelle
noch ein Einschub in eigener Sache: Bis gestern dachte ich noch, die größte Fehlbesetzung
im Bundeskabinett sei Manuela Schwesig. Ich muss mich korrigieren, es ist doch Heiko Maas.

Nun können wir die ersten Ergebnisse von Kahane und Konsorten nachlesen, man hat einen
Leitfaden entwickelt, wie der aufmerksame Kleindenunziant von nebenan jetzt auch im Netz
aktiv werden kann, und wie er “Hetze gegen Flüchtlinge” am besten erkennt, bekämpft und
meldet. Nicht zu Land zu Wasser und in der Luft, sondern mit Stift, Fake-Account und
Screenshot. Nicht nur das Bundesinnenministerium, auch die Bundeskriminalpolizei
empfehlen das Schriftstück via Twitter.

Ein Blick hinein lohnte also allemal und einem freiheitsliebenden
Menschen könnte fast schlecht werden, was dort gelistet wird.

Machen wir es vorweg kurz: Erich Honecker wäre stolz. Der Weg ist frei für selbsternannte
Hilfssheriffs im Netz, Blockwarte und Gedankenpolizisten. Hetze im Netz erkenne ich also
laut Leitfaden zum Beispiel daran, dass Menschen mit “Wir” gegen die “Die” argumentieren
oder dass sie Worte wie “Wirtschaftsflüchtlinge” benutzen, schließlich ist es ja reine
Hetze und völlig abwegig, dass hier Menschen ankommen, die einfach nur unser Geld wollen,
und gar nicht auf der Flucht sind.

Otto Schily kann von Glück reden, dass er nicht mehr Innenminister ist, immerhin gab
er schon 1999 zu Protokoll, dass laut Zahlen nur 3 Prozent der damaligen Asylsuchenden
tatsächlich solche waren, während hingehen 97 Prozent „Wirtschaftsflüchtlinge“ seien.

Heute wäre er nach dem Leitfaden, den sein eigenes Ministerium dem eifrigen Bürger
zur Lektüre empfiehlt, zumindest ein latenter Alltagsrassist. Aber auch der Hinweis
auf eigene Problemgruppen wie Obdachlose, oder der Verweis darauf, dass die Presse
nicht die ganze Wahrheit berichtet, entlarvt einen schnell als verkappten Fremdenfeind.

Ha! Erwischt!

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : Wirtschaftswunder

3 Kommentare zu “Denunzieren leicht gemacht

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