An den Deutschen Michel

deutscher_michel

In Angst und bürgerlichem Leben wurde nie eine Kette gesprengt.

Hier muß man schon mehr geben, die Freiheit wird nicht geschenkt.

Es sind die glücklichen Sklaven der Freiheit größter Feind,
drum sollt Ihr Unglück haben und spüren jedes Leid.

Nicht Mord, nicht Brand, nicht Kerker, nicht Standrecht obendrein;
es muß noch kommen stärker, wenn’s soll von Wirkung sein!

Ihr müßt zu Bettlern werden, müßt hungern allesamt,
zu Mühen und Beschwerden verflucht sein und verdammt.

Euch muß das bißchen Leben so gründlich sein verhaßt,
daß Ihr es fort wollt geben wie eine Qual und Last.

Erst dann vielleicht erwacht noch in Euch ein bess’rer Geist,
der Geist, der über Nacht noch Euch hin zur Freiheit reißt!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

5 Kommentare zu “An den Deutschen Michel

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