Der „dritte Weg“ in der Bio-Landwirtschaft

 

Die Gen-Technik ist von Übel? Da sät die Kartoffel jetzt Zweifel unter den Biobauern. Wieder hat nämlich in diesem feuchten Sommer der Pilz Phytophtera infestans viele Blätter angegriffen und kostbare Kartoffelknollen verfaulen lassen. Dieser Schädling ist der größte Feind der nährenden Pflanze. Konventionelle Landwirte bekämpfen ihn mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. Biobauern setzen stattdessen Kupfer ein. Doch das Schwermetall ist nur in engen Grenzen erlaubt und soll demnächst von der EU als giftig verboten werden.

Was tun? Nun gibt es seit kurzem eine neue Methode in der Gentechnik. Sie heißt „Crispr/Cas 9“ und erlaubt ein schnelles und präzises Ausschneiden bestimmter Genabschnitte, um sie im anderen Genom wieder einzusetzen. Mit dieser Methode könnte man Resistenz-Gene von wilden Kartoffelsorten abtrennen und in die landwirtschaftlich genutzten Sorten einpflanzen. Dann wären Pflanzenschutzmittel jeder Art überflüssig.

Urs Niggli, Chef des Forschungsinstituts für den biologischen Landbau im Aargau, Schweiz, macht sich für diese Lösung stark. Viele Biobauern sind jedoch dagegen, weil sie sich von der bösen Gentechnik grundsätzlich distanzieren. Wahrscheinlich fürchten sie auch, ihre Produkte nun nicht mehr mit dem Etikett „ohne Gentechnik“ versehen zu können.

Niggli spricht hingegen von einem „dritten Weg“ in der Landwirtschaft. Gemeint ist ein Bio-Bauerntum, das die modernsten – also auch gentechnische – Methoden nutzt, um möglichst naturnahe Produkte zu erzielen. Der Weg von der industriellen zur biologischen Landwirtschaft führte dann über die Technik. Man müßte umdenken und die Schablonen – auch liebgewordene Feindbilder – verlassen.

Wie gefährlich solche Pflanzen-Schädlinge waren, als es noch keine chemischen Schutzmittel gab, zeigt die Hungersnot in Irland Mitte des 19. Jahrhunerts mit einer Million Toten. Auch in diesem Fall war der Pilz Phytophtera infestans verantwortlich. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln folgt nicht nur der Gewinnsucht von Konzernen, sondern ist zunächst eine Maßnahme gegen die Übel der Natur. Man hat es fast vergessen: für den Menschen ist die Natur nicht nur segensreich, sondern wirkt auch schnell mal tödlich. Es tobt ein ewiger Kampf zwischen Mensch und Natur, und in diesem Kampf könnte die Gentechnik eine wirksame Waffe sein, die jedoch nicht so massiv auf uns zurückschlägt, wie es bei den chemischen Mitteln der Fall ist. Allerdings: unberechenbar bleibt das neue Mittel wie jede Gen-Technik. Wir gelangen im Umgang mit der Natur niemals auf die „sichere Seite“.

http://www.der-dritte-weg.info/index.php/menue/1/thema/69/id/6649/Politik_Gesellschaft_und_Wirtschaft.html

 

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