Kulturförderung: Volle Taschen in Toten Hosen

Merkel-Fan Campino live – und mit den Taschen voller Staatsknete (Foto: Foto: Nico Bae/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

 

Wer sich die aktuellen Lobhudeleien des Tote-Hosen-Frontmanns Campino auf die Kanzlerin nicht recht erklären kann (etwa hier), der entsinne sich einfach eines altbekannten Spruchs: „Wess´Brot ich ess´, dess´Lied ich sing´.“

Von Max Erdinger

O-Ton Campino: „Dass die Bundesrepublik in wirren Zeiten wie diesen in vielen Ländern der Welt als letzte stabile Säule Europas wahrgenommen wird, das ist auch Merkels Verdienst.“

Herr Campino, genialer Reimeschmied, hatte früher herausgefunden, daß „Union“ reimtechnisch gut hinter „Korruption“ passt. Vereinnahmen lassen würde er sich von keiner Partei, sagt er, aber die Kanzlerin findet er gut. Wie´s wohl kommt?

Bands wie „Die Toten Hosen“ profitieren bisweilen von der staatlichen Kulturförderung. Für zwei Gigs der Toten Hosen in Taschkent (Usbekistan) und Almaty (Kasachstan) wurden vor Jahren bereits insgesamt 68.793 Euro bewilligt. Auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Bundestag damals antwortete die Bundesregierung, das Auswärtige Amt fördere „in Einzelfällen auch Kunstprojekte direkt, wenn außenpolitische Erwägungen und auch das Projektvolumen dafür sprechen“. Auch der Auftritt der deutschen Band „Tokyo Hotel“ in Tokio selbst wurde im Dezember 2010 mit 25.738 Euro aus Steuermitteln bezuschusst.

Daß selbst Großverdiener wie die Toten Hosen und Campino, sozusagen als Sahnehäubchen auf dem kommerziellen Erfolg, noch Förderung aus Steuermitteln einstecken, erklärt wohl einiges von dem, was wir inzwischen auch von anderen Staatskünstlern zu politischen Fragen zu hören bekommen haben. „Wess´Brot ich ess´, dess´Lied ich sing´…“

Grundsätzlich sind die Länder zuständig für die staatliche Unterstützung von Musik. Dass die Opernhäuser genug Geiger einstellen können und Laienchöre irgendwo proben können, ist Sache von Ländern und Kommunen. Der Bund wird nur bei Projekten und Institutionen tätig, die „gesamtstaatliche Relevanz“ haben. Wie die allerdings definiert wird, darüber gibt es von der Bundesregierung keine Auskunft. Wenn das Europäische Kirchenmusikfestival Schwäbisch-Gmünd oder der Verein Mitteldeutsche Barockmusik Geld vom Bund erhalten und demnach wohl als „gesamtstaatlich relevant“ zu gelten haben, dann hat meinereiner wenig dagegen einzuwenden. Staatliche Kulturförderung hat schon eine positive Seite. Wahrgenommen wird dadurch nicht nur, was kommerziell erfolgreich ist – und das halte ich durchaus für wünschenswert.

Wo allerdings erfolgreichen Künstlern wie Campino eine förderungswürdige „gesamtstaatliche Relevanz“ attestiert wird, hört es mit meiner Sympathie für die Kulturförderung auf. Und regelrecht auf die Palme bringt es mich, wenn sich die so Bedachten dann auch noch öffentlich zu politischen Fragen äußern. Das stinkt nach gekaufter Meinung. Und was so stinkt, wie das, erinnert schwer an die Förderung von Kunst und Kultur in der DDR.

Es würde sich überhaupt einmal lohnen, genau nachzuforschen, wer wofür aus den diversen Kulturfonds bedient wird, respektive sich selbst bedient. Merkwürdigkeiten im öffentlichen Raum gibt es zur Genüge. Alle diese „Skulpturen“, die häufig vor Rathäusern, Landratsämtern und auf öffentlichen Plätzen zu sehen sind, und von denen lediglich sicher ist, daß ihre Erschaffer im Besitz eines amtlichen Schweißerscheins gewesen sein müssen: Wer war da in welcher Weise mit der Verwaltung so verdrahtet, daß er dafür einen Haufen Geld einstreichen konnte? Ein schräg im Boden verankerter, rostiger Stahlträger, der auf den Bürokratenhimmel im Hintergrund zeigt und von einem plätschernden Wässerchen umgeben ist, kostet den Steuerzahler schließlich gerne einmal 100.000 Euro oder mehr.

Den Vogel schoß einst Friedensreich Hundertwasser in Österreich ab. Als herauskam, daß er für die Fassadengestaltung der Wiener Müllverbrennungsanlage mehr Honorar erhalten hatte, als das ganze Ding ohne ihn gekostet hat, war der Rücktritt des Stadtrats fällig.

Von Campino und den Herren Ex-Punkern der Toten Hosen läßt sich jedenfalls behaupten, daß sie wohl zu staatlichen Mietmäulern mutiert sind. Da fällt mir gerade ein: Dieser Krummbiegel von den „Die Prinzen“ hat doch allerweil auch immer so eine merkelkonforme Meinung, oder? Und daß Udo Lindenberg schon länger gekauft ist, muß man schwer annehmen, wenn man ihn reden hört. Til Schweiger profitiert wahrscheinlich von der Filmförderung. Daß ihn sein dicker Freund Sigi, offiziell der Herr Bundesaußenminister, aus seiner Privatschatulle bedenkt, darf man wohl ausschließen. Schweigers Äußerungen der letzten Zeit wirkten auf alle Fälle schwer regierungskonform. Brotlose Kunst muß jedenfalls nicht sein. Ich glaube, ich schweiße jetzt mal eine rostige Mutter auf den Kopf einer rostigen Schraube, lege das Ganze in eine aquamarinblaue Tupperware-Schüssel mit Salzwasser und gehe zum Landratsamt. Dort stelle ich mein 1:500 Modell vor und erkläre mit teilnahmsvoller Miene, daß es sich um den Entwurf einer Skulptur für den öffentlichen Raum handelt, die den weckrufenden Titel „Tragödie im Mittelmeer“ hat. Eigentlich sollte ich dafür stante pede mit einer fürstlichen Anschubfinanzierung bedacht werden. Gerne in bar.

http://www.journalistenwatch.com/2017/06/15/kulturfoerderung-volle-taschen-in-toten-hosen/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+Jouwatch+%28Jouwatch%29

2 Kommentare zu “Kulturförderung: Volle Taschen in Toten Hosen

  1. Kunstförderung bekommen Behinderte in Atelier Werkstätten _ Meist Geistig behinderte malen und reiche Fuzzis kaufen das um es als deutsche Kunst in alle Welt zu bringen. All die Tausende sind aber nicht für den Künstler, sondern für die Institution, wo er drin lebt . So zahlt er seinen Heimplatz selbst, bekommt mal das Köpfen gestreichelt, die Gruppe bekommt mal Kuchen und Eis und das Geschäft ääähm, dieBehindertenhilfe ist perfekt .
    Immer mehr kreative landeten seit Harz und Gesetzesänderung zugunsten von seelisch kranken in solchen Ateliers 😦 Ich kann Roman darüber schreiben ..

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