Dringend: Blinde Leser gesucht…

 

von Andreas Hoose

Realitätsleugnung und nackte Existenzangst geistern durch die Medienlandschaft. Die Jubiläumsausgabe von BILD zeigt das sehr eindrucksvoll…

Ist in Ihrem Briefkasten in dieser Woche auch die Jubiläums-Ausgabe der BILD-Zeitung gelandet? Zum 65jährigen konnten es sich die Macher offenbar nicht verkneifen, wieder einmal festzustellen, wie toll es doch in Deutschland läuft. Die Sonderausgabe hatte der Axel Springer Verlag zum Jubiläum deshalb an 41 Millionen deutsche Haushalte verschenkt.

Schon das Titelblatt ist so vielsagend, dass man auf den Rest eigentlich verzichten kann: Deutschland ist so supertoll, dass die ganze Welt neidisch wird. Das findet auch die Kanzlerin, die gleich auf Seite zwei mit einem lustigen Alphabet für Kleinkinder „unser Land“ buchstabieren darf. Unter dem Buchstaben „R“ beispielsweise verortet die Regierungschefin beim Blick auf Deutschland „Recht und Gesetz“. Ah ja…

Ich hatte das Pamphlet zunächst ungelesen ins Altpapier befördert, wo es meiner Ansicht nach am besten aufgehoben ist, dann aber doch ein wenig darin geblättert und mich dann entschieden, die Jubiläumsschrift zu archivieren.

Vielleicht, so die Überlegung, könnten spätere Generationen einmal etwas lernen, wenn sie rückblickend nachlesen, wie es um den Geisteszustand der Deutschen und insbesondere um das bedeutendste Presseorgan des Landes in Zeiten weltweit sich zuspitzender Krisenherde bestellt war – damals, im Sommer 2017…

Dabei sind die Krisenherde längst nicht nur anderswo in der Welt zu finden. Sie klopfen mit geradezu ohrenbetäubender Hartnäckigkeit auch an die Türen von Axel Springers wichtigster Publikation. Die seit Jahren konstant einbrechenden Auflagenzahlen machen das deutlich:

Quelle: www.statista.com

Eines muss man den Kollegen allerdings lassen: Das Interview mit fünf ehemaligen Fußball-Bundestrainern auf Seite 22 ist wirklich eine seltene Meisterleistung: Denn wer bringt schon Franz Beckenbauer, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Berti Vogts und Joachim Löw zu einem Spitzentreffen in der Frankfurter Commerzbank-Arena zusammen?

Ob dies und die neue „Fußball-BILD“ (Seite 10) das Blatt noch einmal retten werden, darf allerdings bezweifelt werden. Neben den üblichen leicht bekleideten Titelmädchen, bleibt sich BILD nämlich auch in seiner Geburtstagsausgabe treu und huldigt einem „wunderbaren Deutschland“, das es längst nicht mehr gibt. Womöglich in der Hoffnung, die immer kleiner werdende Leserschaft möge nicht bemerken, dass die Realität längst vollkommen anders aussieht…?!

Dass die Kassen bei Springer immer knapper werden, zeigen auch die auffallend vielen ganzseitigen Werbeanzeigen in der „Geburtstags-BILD“. Man möchte gar nicht wissen, was sich die Firmen Samsung, Deutsche Telekom, Toyota, Kaufland oder Media Markt den Spaß haben kosten lassen, beim 65. Geburtstag der Springer-Postille ordentlich mitzumischen.

Und natürlich Volkswagen. In einer Kooperation mit BILD werben die Wolfsburger für ihre Elektrofahrzeuge.

Elektrofahrzeuge? Offenbar hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass es sich auch bei der gefeierten E-Mobilität um eine Art Massenverdummung handelt, mit der die Menschen von den wirklich bedeutenden Dingen abgelenkt werden sollen.

Auf dem Bundesparteitag der Grünen (!) waren dazu kürzlich interessante Statements zu hören. Freilich waren das „inoffizielle“ Einlassungen, die genau aus diesem Grund natürlich besonders interessant sind. Beispielsweise das folgende Tischgespräch mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann…

 

 

Was sagt der Mann da? „Ihr habt keine Ahnung!“ Womit der grüne Vorzeigepolitiker die Pläne der Ökopartei meint, E-Mobilität flächendeckend auszubauen. Vermutlich ist Kretschmann mit dieser Einschätzung sehr viel näher an der Realität als die bedauernswerten Anleger, die sich in diesen Tagen in blinder Gier auf Tesla-Aktien stürzen.

Denen, und nur denen, kann man die aktuelle Geburtstagsausgabe von BILD nur wärmstens empfehlen, denn wer solche Aktien kauft, der ist sicherlich auch anderen Luftschlössern nicht abgeneigt…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

Quelle und Kommentare hier:

https://brd-schwindel.org/dringend-blinde-leser-gesucht/

3 Kommentare zu “Dringend: Blinde Leser gesucht…

  1. Vielen Dank! Ich wollte eh am WE meine Fensterputzen, war erst ganz erbost, dass mein Briefkasten mit der Bildzeitung gefüttert wurde. Naja, zum nachpolieren taugt das Papier, Scheibe glänzt.

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