Ausflug nach Maaloula

Nach unserem Märchen aus 1001 Nacht am letzten Montag hatzten wir uns für den darauffolgenden Dienstag unseren ersten Ausflug nach außerhalb von Damaskus ausgesucht, und zwar nach Maaloula.

Nachdem Frühstück warteten unser Reiseleiter Nabil Rezk und unser Fahrer Abul Ez bereits auf uns.

Beim Hinausfahren aus Damaskus Richtung Homs haben wir das erste Mal den Krieg gesehen, denn da ging es über die Stadtautobahn an den Vorstädten Jobar, Harasta und Duma vorbei, also den erst im April dieses Jahres befreiten Orten von Ost-Ghouta, wo die von der saudisch-westlichen „Wertegemeinschaft“ unterstützten „moderaten“ Terroristen ganz besonders schlimm gewütet haben. Die Zerstörungen dort sind auch von der Autobahn aus nicht zu übersehen und stehen im starken Kontrast zu den Teilen von Damaskus, die wir bisher gesehen hatten. Überall sind dort Ruinen von Gebäuden zu sehen. Wir mögen uns kaum ausmalen, dass Damaskus mit all seinen Kulturschätzen unserer Zivilisation nun vermutlich auch so oder so ähnlich aussehen würde, wenn es der syrischen Armee nicht gelungen wäre, die vom zionistisch dominierten Westen unterstützten Barbaren vor den Toren von Damaskus zu stoppen. Nabil bemerkte unser Interesse an Ost-Ghouta und meinte dazu, dass Ost-Ghouta inzwischen wirklich sicher und auch von Sprengfallen so gut es geht befreit ist. Wenn wir möchten, können wir uns da alles ansehen, was wir wollen, es sei jedoch ratsam, so einen Besuch einen Tag vorher anzukündigen, damit den Kontrollposten dort vorab Bescheid gegeben werden kann und es vor Ort nicht zu bürokratischen Problemen mit den Sicherheitskräften kommt. Wir würden schon gern mal nach Ost-Ghouta, um uns das, was wir bisher nur aus Videos kennen, da mal selbst aus der Nähe zu betrachten, aber uns wird dazu vermutlich die Zeit fehlen.

Zehn Minuten später war die Ruinenlandschaft vom Autofenster verschwunden und die Landschaft hinter dem Autofenster verwandelte sich in eine typisch syrische natürliche Wüste. Irgendwie hatte ich da das Gefühl, jetzt erst richtig in Syrien zu sein, und dank lockerer syrischer Musik im Radio kam nun im Auto auch eine entsprechend gelöste Stimmung auf.

An einem Berg unterwegs gab es übrigens eine Botschaft. Wenn man das Foto zur Vergrößerung anklickt, genau hinschaut und des arabischen mächtig ist, kann man da sowas wie eine Erinnerung an den Tag der Armee lesen. Nötig ist das aber wohl kaum, denn die syrische Armee ist nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Köpfen und Herzen der Menschen, die ihr dankbar für die aufopferungsvolle Verteidigigung Syriens gegen den Terrorismus sind, sehr präsent.

Kaum eine Viertelstunde später waren wir auch schon in Maaloula. Unserem Fahrer Abul Ez, der für das Foto unseren Reiseführer Nabil halb verdeckend beide Hände zum Siegeszeichen erhebt, steht die Freude geradezu ins Gesicht geschrieben. An dieser Stelle seien mal ein paar Worte zu Nabil und Abul Ez gesagt. Die Worte „Fahrer“ und „Reiseführer“ mögen zwar offiziell zutreffend sein, beschreiben aber das, was diese beiden Menschen, mit denen wir unsere Tage in Syrien verbringen, tatsächlich sind und leisten, nur sehr unzureichend. Natürlich ist Nabil ein nahezu perfekt deutsch sprechender Reiseführer, der anscheinend praktisch jede Sehenswüdigkeit in Syrien erklären und mit einer interessanten Geschichte schmücken kann, und natürlich ist Abul Ez ein exzellenter Chauffeur mit einem luxuriösen Auto, aber da ist noch mehr. Zunächst mal sind beide richtige Typen, mit denen man Pferde stehlen kann. Nabil wirkt auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar und wie ein Abteilungsleiter einer deutschen Behörde. Auf den zweiten Blick ist Nabil herzlich, jederzeit total hilfsbereit bei allem und 100% korrekt und zuverlässig. Neben der deutschen Sprache und profunden Kenntnissen über die syrischen Sehenswürdigkeiten scheint seine Spezialität das Spiel auf der syrischen Behördenklaviatur zu sein. Was man auch immer vorhat, Nabil weiß offenbar stets genau, welche Genehmigung man braucht und wie man sie zügig bekommt. Abul Ez ist demgegenüber ein Riesentyp mit trockenem Humor, vernarrt in deutsche Autos und geht mit Vorschriften wie Verkehrsregeln eher locker um. Wir fühlten uns sofort so als ob wir Teil einer Familie sind. Und im Grunde ist es auch so. Zu unserem Ausflug nach Maaloula zum Beipiel waren wir nicht nur mit Nabil und Abul Ez unterwegs, sondern auch die Frau und Tochter von Nabil sind kurzerhand mit dem TV-Bus mitgefahren, der uns begleitet hat, und waren somit auch dabei.

In dem kleinen Örtchen Maaloula gibt es nichts militärisch oder wirtschaftlich bedeutendes. Sehr bedeutend ist Maaloula hingegen, weil dort noch ein Teil der Wiege der christlichen Zivilisation erhalten und lebendig geblieben ist. Maaloula ist mit dem antiken Kloster Mar Sarkis und der zugehörigen Kirche der Heiligen Sergius und Bacchus, deren Altar auf den Beginn des 4. Jahrhunderts zurückgeht, schließlich ein christlicher Wallfahrtsort. Und außerdem wird in Maaloula noch heute aramäisch, die Sprache Jesu Christi, gesprochen.

In Maaloula war auf Wunsch der örtlichen Würdenträger keinerlei Militär stationiert, in der Hoffnung, Maaloula würde damit vom Krieg verschont bleiben. Aber die von den Führern der vorgeblich christlich orientierten „westlichen Wertegemeinschaft“ unterstützten „Rebellen“ nutzten das prompt aus, um Maaloula zu überfallen, Einwohner, deren sie habhaft wurden, zu massakrieren und die Kirchen und Häuser des Ortes niederzubrennen. Das war nicht nur ein Versuch, die Christen des Ortes auszulöschen, sondern mit ihnen auch eine Wiege der christlichen Kultur zu zerstören. Doch ganz hat die Zerstörung dieser Wiege der christlichen Kultur nicht geklappt, der syrischen Armee gelang nach einigen Monaten die Befreiung von Maaloula und Überlebende des Massakers haben schon sehr viel repariert. Wir sind der weitgehend islamisch geprägte syrische Armee dankbar, dass sie damit eine Wiege der christlichen Kultur vor der vollständigen Vernichtung durch die von den kriminellen Herrschern der christlichen westlichen Welt unterstützten Barbaren gerettet hat und haben in der bereits restaurierten Kirche der Heiligen Sergius und Bacchus Kerzen für die Märtyrer der syrischen Armee und alle anderen Opfer der kriminellen Herrscher der westlichen Welt angezündelt. Eine junge Frau betete alsdann ein Vaterunser auf aramäisch in der Kirche des Heiligen Sergius für uns:

 

 

Es waren Momente, die uns so tief bewegt haben, dass uns die Tränen kamen. Wie das Beten des Vaterunser auf aramäisch in dieser für die christliche Zivilisation sehr bedeutsamen steinalten Kirche demonstriert, ist dieser Versuch der westlichen Herrscher, die Wurzeln der christlichen Kultur zu vernichten, dank des aufopferungsvollen Kampfes der syrisch-arabischen Armee letztlich gescheitert.

Anschließend unterhielten wir uns noch im Anbau der Kirche mit drei sympathischen und humorvollen überlebenden Frauen der Massaker in Maaloula, machten ein paar Fotos auf dem Balkon und kauften einige Souveniere. Das alte Kloster des Ortes betrachteten wir abschließend nur von außen, da die lange Treppe hinein für Ulla vermutlich zu anstrengend geworden wäre.

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2018/10/08/ausflug-nach-maaloula/

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