Deutschlands Zukunft: Keine Angst vor der Ent-Industrialisierung

Wenn das letzte Kraftwerk abgeschaltet ist, hat Deutschland eine große Zukunft als Exportweltmeister bei CO2-Zertifikaten.
Die Deutsche Bank ist nur noch Kreisklasse, eine große Ölfirma hat Deutschland nie gehabt, ebenso kein großes Biotech-Unternehmen. Die Atomkonzerne werden abgewickelt, die großen Chemiefirmen schrumpfen sich gesund oder suchen ihr Heil in Auslandsübernahmen. Angst geht um, was aus dem früheren Industrieland Deutschland werden soll, wenn die Industrie erst ganz verschwunden ist. Aber keine Angst, eine neue Studie zeigt, warum Deutschland auch ohne Industriekonzerne klarkommt.

Es gibt immer noch viele Menschen, die können sich eine deutsche Wirtschaft ohne Volkswagen, Bayer, Eon, Kuka, Krauss-Maffay, Siemens und Daimler oder BMW und neue Energienetze gar nicht vorstellen. Tatsächlich sind die Großkonzerne viel Jahre lang die Aushängeschilder der Industrienation Deutschland in der ganzen Welt gewesen. Und bis heute gelten sie Älteren als Garanten für technischen Fortschritt, Arbeitsplätze und Wohlstand, denn auf ihnen ruht selbst jetzt noch der Ruf der Exportnation Deutschland.

Nicht auszudenken also, was passierte, wenn sie das Schicksal der Deutschen Bank, von Quimonda, Qcells oder Air Berlin ereilte, die nach jahrelangem Siechtum Insolvenz anmelden mussten. Doch beim An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung (AIAE) haben sie es trotzdem gewagt, das Schlimmste zu denken. Der aktuelle Deutschland-Report des renommierten ostdeutschen Forschungsinstituts beschäftigt sich mit den zentralen Faktoren, die postökonomische Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland behindern könnten. Dazu gehören die Verwerfungen im globalen Handel ebenso wie die Folgen der Erderwärmung – oder eben eine Verlangsamung des Niedergang der Industrie in Deutschland.

Kein Grund für Panik

Um Panikattacken und Schnappatmung vorzubeugen, betont Studienleiter Hans Achtelbuscher, dass es sich nur um klar berechnete Gedankenspiele handelt: „Das Szenario analysiert die Konsequenzen, die entstehen, wenn Verantwortliche in der Politik beim Druckaufbau nachlassen und die Industrie dadurch die notwendigen Strukturveränderungen verschleppt“, erklärt er. Im Prinzip sei die neue Studie aus seinem Haus vergleichbar mit einem Stresstest, in dem Banken und Versicherungen immer mal wieder durchrechnen, wie schlecht sie für den schlimmsten Fall gerüstet sind.

Gar nicht so übel, so das Fazit. Denn auch im schlimmsten Szenario der AIAE-Ökonomen für die deutsche Industrie bleibt am Ende des laufenden Rückbaus Leben in Deutschland. Demnach würden die Industriefirmen bis 2045 rund 40 Prozent ihrer Umsätze verlieren. Ungefähr 260.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Gleichzeitig würden aber in den Verwaltungen, im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich, aber auch in der Bildung etwa 3,9 Millionen neue Stellen geschaffen.

In der Folge würde die Wirtschaft also leiden – aber nur die Großkonzerne und bei Weitem nicht so stark, wie man es zunächst erwartet hätte. Die Wertschöpfung außerhalb der Industrie würde auch um 15 Milliarden Euro sinken, aber das sind gerade einmal 12,2 Prozent im Vergleich zum normalen Szenario ohne große Firmenschließungen im industriellen Bereich.

Entwarnung auch bei den Jobs: Die Zahl der Arbeitsplätze würde sich in diesen Bereichen um 1,7 Millionen verringern (-17,3 Prozent). Doch schon den Industriekonzernen verbundene Bereiche wie Transport und Werkstätten wären weniger stark betroffen wie der Rest der Industrie, der die Arbeit völlig einstellt. Weil auch Importe transportiert und repariert werden müssen, wären in der Summe, so rechnen die Forscher vor, durch die komplette Abschaltung der Industrie kaum rund 24,6 Prozent ihrer Wertschöpfung und rund 3,7 Millionen Arbeitsplätze verloren.

Neue CO2-Zertifikate-Exportindustrie

Und eine große Chance gewonnen: Durch das eingesparte CO2 hätte Deutschland so viele CO2-Zertifikate übrig, dass der Erlös aus deren Verkauf ausreichen würde, das Rentenalter auf 69 Jahre zu senken. Ein zukunftsfestes Geschäft, denn in China wird durch die Nutzung fossiler Brennstoffe innerhalb von drei Wochen mehr CO2 in die Luft geblasen als durch den gesamten PKW-Verkehr in der EU innerhalb eines Jahres. Entfallen auf Deutschland derzeit 798 Millionen Tonnen CO2, erzeugt  China im gleichen Zeitraum jeweils etwa 10.000 Millionen Tonnen. Ein gewaltiger Markt für die deutsche CO2-Zertifikate-Exportindustrie, die umso schneller wachsen kann, als Deutschlands traditionelle Industrie ihre Produktion herunterfährt.

Hans Achtelbuscher geht jedoch nicht davon aus, dass das Geschäft von null auf hundert durchstartet. „Wir gehen in der Realität natürlich davon aus, dass die Wirtschaft erst auf Null kommen muss, damit die Rahmenbedingungen stimmen“, erklärt er. Sei der Anpassungsprozess aber überstanden, wüchsen die Steuereinnahmen und die Bundesregierung sei in der Lage, mehr neue Arbeitsplätze in der Verwaltung zu schaffen, um die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch größer werden zu lassen.

Regierung hat alles im Griff

So beruhigend das Szenario auch klingt, dass die Regierung am Ende stets alles im Griff haben wird – es braucht konzentrierte Anstrengungen, um das postindustrielle Deutschland nach dem Niedergang der einst weltstärksten Industrie zu einem stabilen Lieferanten für CO2-Zertifikate zu machen. Nach den Planungen der AIAE-Experten ist die EU mit Deutschland als De-Industrialisierungslokomotive an der Spitze auf dem richtigen Weg, die Abschaltung der Industrie durch veränderte Rahmenbedingungen frühzeitig sicherzustellen und damit eine Basis für strategische Planungen zu schaffen, die ganz auf Sonne, Wind, Versicherungen und Verwaltungen zielt.

Dazu gehöre, so der führende Zukunftsprognostiker, in vorderster Linie die konsequente Umstellung auf den Verzicht auf unnötige Mobilität und damit auch auf alternative Antriebstechnologien, die Deutschland nur in Abhängigkeit von US-Konzernen wie Tesla aus den USA oder Nio und Byton aus China bringen würde. Ein erster Schritt sei damit gegangen worden, dass Deutschland darauf verzichtet hat, ins Wettrennen um die Batterietechnologie der Zukunft einzusteigen. Damit ist das Land von Otto und Diesel und Benz nach Achtelbuschers Ansicht „frei von der Bürde, Ersatz für eine auslaufende Technologie finden zu müssen“. Stattdessen wird Platz für neue Ideen, Fördermittelkarussells und eine Beantragungsnomenklatura, die wertschöpfend, aber CO2-frei arbeitet.

6 Kommentare zu “Deutschlands Zukunft: Keine Angst vor der Ent-Industrialisierung

  1. Deutschland schafft sich ab oder wird abgeschafft( abgewirtschaftet)!
    nach dem diesel ist der benziner dran, dann laufen wir alle nur noch( meinen die).
    bin mal gespannt wann der gutmüdige biodeutsche auf die strasse geht?
    die können mich am arsche lecken!
    AFD!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Nun ja, Herr Achtelbuscher denkt auch, dass sich nur jeder zehnte Deutsche von Medien belogen fühlt. Von wem solche Zahlen, Prognosen, Phantasien wohl vorgegeben werden?

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