Das widerliche Geschäft mit dem illegalen Organhandel (Video)

November 2008 im Flughafen von Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Der Türke Yilmaz Altun bricht im Flughafengebäude zusammen und liegt auf dem Boden. Der 23-Jährige wartete auf seinen Rückflug.

Bei der Untersuchung des angeschlagen wirkenden, jungen Mannes entdeckten die Behörden eine große frische Wunde, die sich auf der Haut seines Unterleibs schlängelte. Seine linke Niere war verschwunden.

Altun sagte der Polizei, er habe das Organ in einer Klinik namens Medicus am Stadtrand gespendet. Ein Makler in Istanbul hatte Altun eine großzügige Summe für die Niere angeboten. Später erzählte er, dass er im selben Raum lag, wie der Empfänger seiner Niere – ein 74-jähriger Israeli -, der ungefähr 145.000 Dollar  für das Organ bezahlt hatte. Das berichtete der Guardian im Jahr 2010.

Der Zusammenbruch des jungen Mannes war der erste Dominostein, der zu weiteren, aber schwierigen Ermittlungen in einem internationalen Markt für Organe aus dem Balkan führte. Verzweifelte Spender, hauptsächlich aus der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion, stellten ihre Organe zur Verfügung.

Die Käufer, viele aus Israel, zahlten zwischen 80.000 und 100.000 Euro (96.000 bis 120.000 US-Dollar) für die Nieren. Internationale Staatsanwälte sollten später feststellen, dass während acht Monaten im Jahr 2008 mindestens 23 Personen bei Medicus ihre Nieren entnehmen ließen.

Nierenspender aus Israel, Russland, Weißrussland, Weißrussland, Kasachstan, Rumänien und der Türkei erhielten die bescheidene Summe von rund 10.000 Euro. Die Operationen wurden nicht gut durchgeführt, bei allen Spendern war eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verzeichnen, berichtet die Times of Israel.

„Das einzige Motiv für diese Ausbeutung von Armen und Bedürftigen waren unverschämt hohe Profite und menschliche Gier“, sagte Jonathan Ratel, ein Staatsanwalt der Europäischen Union im Kosovo, 2013 gegenüber der Irish Times. „Das ist eine grausame Abernten der Armen.“

Trotz der Ermittlungen konnten die Hauptakteure der Medicus-Operation der Justiz lange entkommen. Doch endlich wurden sie gefasst und so verlautbarten die Behörden in Pristina, dass Moshe Harel, ein israelischer Staatsbürger, auf Zypern festgenommen worden sei, berichtete Reuters.

Moshe Harel wird beschuldigt, der Agent zu sein, der die Spender rekrutiert. Er wird seit 2010 von Interpol wegen Menschenhandels und vorsätzlicher Beibringung schwerer Verletzungen gesucht. Auch in Russland wird er mit Haftbefehl wegen der gleichen Verbrechen gesucht (Das Leben des Organempfängers).

Der Organraub ist in der Region aufgrund der Geschichte des Kosovokrieges ein besonders heikles Thema. Nachdem ein Bericht des Europarates aus dem Jahr 2010 Guerillakämpfer des Organraubs an Serben im Kosovo-Krieg 1998-1999 beschuldigte, wurde ein internationales Gericht eingesetzt, berichtete Reuters. Die Anklagen sind noch nicht konkretisiert worden, und doch sind diese Gerüchte immer noch Teil des  quälenden Erbes dieses Krieges.

 In dem Bericht des Europarates wurde behauptet, dass die Anführer der Kämpfer für die Unabhängigkeit des Kosovo für den Tod von Hunderten von Serben, Roma und ethnischen Albanern verantwortlich waren, die im Verdacht standen, mit den Serben zusammenzuarbeiten. Deren Organgane sollen geraubt und verkauft worden sein im Zeitraum des Kosovo-Krieges 1998-1999, in dem etwa 10.000 Menschen starben und 1.700 vermisst blieben.

Nur Stunden nach dem Zusammenbruchdes des jungen Türken auf dem Flughafen in 2008, stürmten die örtlichen Behörden die Medicus-Klinik. Dort entdeckten die Ermittler Aufzeichnungen über zahlreiche Nierenverpflanzungen. Viele Klienten reisten aus der ganzen Welt für die illegal entnommenen Organe an, darunter Kanada, Deutschland und Polen, .

Dem Guardian zufolge soll die Medicus-Klinik von dem prominenten, kosovarischen Urologe Lutfi Dervishi und seinem Sohn Arban geleitet worden sein. Die Eingriffe in der Klinik wurden angeblich von Yusuf Ercin Sonmez durchgeführt, einem türkischen Chirurgen, der in seiner Heimat unter dem wenig vertrauenerweckenden Namen „Doktor Geier“ bekannt wurde, nachdem ihm wegen seiner Rolle im illegalen Organhandel die Zulassung als Arzt entzogen worden war. Moshe Harel sei in diesen Fällen „eine Schlüsselfigur für den Bereich Menschenhandel und organisierte Kriminalität“ als prominenter Vermittler oder Agent gewesen, stellten die Richter später festgestellt, berichtete die Irish Times.

„Die Medicus-Klinik war nur eine in einem Netzwerk von Kliniken, die von Sonmez, Harel und anderen betrieben wurden“, erklärte Staatsanwalt Ratel gegenüber der Times im Jahr 2013. „Wir haben Kliniken in Aserbaidschan und anderen Orten gefunden, und wir glauben, dass es in Südafrika eine gibt.“ Moshe Harel wurde 2008 im Laufe der Ermittlungen gegen Medicus festgenommen. Er wurde später freigelassen und verschwand daraufhin. Sonmez konnte nicht gefunden werden. Im Jahr 2010 wurden beide Männer von Staatsanwälten der Europäischen Union angeklagt, schrieb die israelische Zeitung Haaretz.

Dervishi und sein Sohn wurden ebenfalls angeklagt und plädierten auf „nicht schuldig“. Im Jahr 2013 befanden die Richter beide Dervishis sowohl der organisierten Kriminalität als auch des Menschenhandels für schuldig. In ihrem Urteil stellten die Richter fest, dass die Männer hinter Medicus absichtlich arme Menschen in diese Organentnahme-Operationen gelockt hatten.

„Ihnen wurden bescheidene Geldsummen versprochen, normalerweise im Bereich von 10.000 Dollar … als Gegenleistung für ihre Niere. Die meisten wurden getäuscht, eine Nierentransplantation im Kosovo sei legal, obwohl dies nicht der Fall ist“, stellten die Richter der Irish Times zufolge in ihrem Urteil fest. „Mehreren Spendern wurden aber nicht so viel ausgezahlt, wie versprochen wurde, und mindestens zwei wurden um die gesamte Summe betrogen und gingen ohne Geld und nur mit einer Niere nach Hause. Einige Spender leiden unter anhaltende Gesundheitsproblemen.“

Lutfi Dervishi und sein Sohn Arban wurden zu acht bzw. sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Sie flohen. Im Jahr 2016 wurde Lutfi Dervishi erneut festgenommen. Sein Sohn bleibt verschwunden, ebenso wie der türkische Chirurg Sonmez. 2017 hob der Oberste Gerichtshof des Kosovo die Verurteilungen von 2013 wegen „Unregelmäßigkeiten bei den Verfahren“  auf.

Die Staatsanwaltschaft nahm Lutfi Dervishi erneut in Haft, und der angebliche Agent Moshe Harel könnte ihm bald Gesellschaft leisten. Die Behörden des Kosovo bestätigten gegenüber Reuters, dass Zypern einen offiziellen Antrag auf Auslieferung von Moshe Harel gestellt habe. (Quelle: https://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2018/01/08/a-cruel-harvest-of-the-poor-israeli-allegedly-behind-human-organ-black-market-arrested-in-cyprus)

Aber auch Israel spielt anscheinend eine Rolle im internationalen Organraub und Organhandel. Robrecht Vanderbeeken ist Universitätsdozent und leitender Angestellter einer der wichtigsten belgischen Gewerkschaften. Ihm zufolge soll Israel Palästinenser vergiftet haben und palästinensische Kinder getötet haben, um Organe zu entnehmen und zu verkaufen. Robrecht Vanderbeeken ist der Kultursekretär der ACOD-Gewerkschaft und ein Wissenschaftsphilosoph, der der „Vrije Universiteit Brussel“ angehört.

Sein von Israel vehement bestrittener Beitrag wurde im August auf der linken Nachrichtenseite De Wereld Morgen veröffentlicht. Daraufhin erhielt erhielt das „Interfederal Center for Equal Opportunities“ (UNIA), eine staatliche Einrichtung zur Beobachtung und Verhinderung von Rassismus, eine Beschwerde über Vanderbeeken. Ein Leser namens Wilfried van Hoof befand seinen Text für antisemitisch.

Vanderbeeken hatte geschrieben: „Die Bevölkerung von Gaza, die eine Grenze zu Israel und Ägypten hat, wird „ausgehungert, vergiftet und die Kinder wegen ihrer Organe entführt und ermordet“. Die Zeitung „De Wereld Morgen“ strich daraufhin den Teil mit dem Organraub aus dem Beitrag.

Dennoch beschuldigte die Seite Israel weiterhin, „palästinensische Kinder“ zu ermorden und zu „entführen“. Es wurde auch weiterhin behauptet, dass Israel Organe von Palästinensern benutzt, die von Israels Streitkräfte getötet wurden. Der Herausgeberdes Mediums beschloss allerdings, „keine Kausalität zwischen Entführung und Ermordung von Kindern durch die israelische Besatzungsarmee und der Entfernung von Organen für Transplantationen anzudeuten“.

Im Jahr 2009 löste die schwedische Tageszeitung Aftonbladet Proteste israelischer Regierungsvertreter und jüdischen Führer aus. Aftonbladet veröffentlichte eine unbestätigte Meldung, wonach israelische Soldaten Organe von inhaftierten Palästinensern entnommen haben. Israel bestritt die Anschuldigung entschieden.

“Die Welt schaut bei Organraub zu!”

Jährlich zehntausende Transplantationen in China mit unklarer Organherkunft – chinesische Regierung verweigert Transparenz.

„Der Mangel an legalen Spenderorganen kostet in China wahrscheinlich zehntausende Menschen jährlich das Leben. Nach allem was heute bekannt ist, muss angenommen werden, dass in der Volksrepublik neben zum Tode verurteilten Straftätern insbesondere Gefangene aus Gewissensgründen in großer Anzahl getötet werden, nur um ihre Organe verkaufen zu können.

Die Opfer sind vermutlich in Arbeitslagern und Gefängnissen gefangen gehaltene Uiguren, Tibeter, Mitglieder von christlichen Hauskirchen, aber in erster Linie Anhänger der Meditationsschule Falun Gong”, erklärt Hubert Körper, Vorstandsmitglied und China-Experte der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die IGFM fordert daher zum sofortigen Handeln auf – diese ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssten sofort gestoppt werden.

Hubert Körper erläutert, dass dieser staatlich sanktionierte Organraub in China zum einen durch Machtgier und Profitdenken, zum anderen aber nur durch den eklatanten Mangel an Organspendern möglich sei. Die Nachfrage verzweifelter und kaufkräftiger Patienten habe in China die dortigen „Abgründe der Transplantationsmedizin“ erst möglich gemacht.

Deshalb kann jeder, der heute Organspender wird, dadurch nicht nur das Leben kranker Menschen retten – sondern womöglich auch das Leben von Gewissensgefangenen, die wegen ihrer Organe in der Volksrepublik China getötet werden“, so die IGFM weiter.

Die chinesische Regierung habe nach Angaben der IGFM über Jahre lediglich Versprechen und Absichtserklärungen geliefert. Sehr viele Indizien sprächen aber nach wie vor für schwerste Missstände. Gleichzeitig verweigern die chinesischen Behörden jede Transparenz, so dass befürchtet werden müsse, dass politische Gefangene weiterhin in großem Ausmaß „auf Bestellung“ getötet würden.

Die Volksrepublik China ist nach den USA weltweit das Land mit den meisten Organtransplantationen pro Jahr. Die „Wartezeiten auf Spenderorgane sind grotesk kurz“, erklärt Körper weiter. Die bisherigen Erklärungsversuche chinesischer Stellen über die Herkunft der Organe seien völlig unplausibel.

Es gebe in China kulturell bedingt eine Aversion gegen Organspenden und kaum freiwillige Spender. Zudem fehle ein effektives Datenbank- und Verteilsystem wie es z. B. in Europa existiere. Bei behaupteten Reformen verweigerten die chinesischen Stellen nach wie vor Informationen und jede Überprüfung, so die IGFM  (Organspenden: Wenn mit dem Herz auch die Seele weitergegeben wird).

Hintergrund: Organraub und „Tötung auf Bestellung“

Die Volksrepublik China unterhält das größte Zwangsarbeitslagersystem der Welt. Aussagen von überlebenden ehemaligen Gefangenen machen deutlich, woher mit großer Wahrscheinlichkeit jedes Jahr tausende „Spender“-Organe stammen:

Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass insbesondere willkürlich in Zwangsarbeitslagern inhaftierte Anhänger der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong, Angehörige von Minderheiten und andere politische Gefangene gezielt getötet werden. Nicht weil diese Gefangenen ein Verbrechen begangen hätten, sondern ausschließlich, weil sich ihre Organe gewinnbringend verkaufen lassen.

2019: Organmafia beutet Flüchtlinge in der Türkei aus

Eine Dokumentation zeigt, wie Flüchtlinge in offiziellen Gesundheitseinrichtungen in Ankara von der internationalen Organmafia ausgebeutet werden. Sie nutzt die Notlage der Schutzsuchenden aus und nötigt sie dazu, ihre Organe zu verkaufen.

Der deutsch-französische Fernsehsender Arte veröffentlichte eine Dokumentation, in der die Ausbeutung von Schutzsuchenden in der Türkei durch die Organmafia dargestellt wird. Die Flüchtlinge werden, um nach Europa gelangen zu können, dazu genötigt, ihre Nieren zu verkaufen (Sklaven oder als Organspender ausgeschlachtet: Tausende Flüchtlingskinder werden in Europa zum Phantom).

In der Dokumentation wird von einer Frau aus Syrien berichtet, die gezwungen war, ihre Niere zu verkaufen. Um nach Deutschland zu kommen und wieder mit ihrer Familie vereint zu sein, habe die geflüchtete Frau ihre Niere an eine Person aus Saudi-Arabien verkauft. Die Blutuntersuchungen und die Operation fanden demnach in einer offiziellen Gesundheitseinrichtung in Ankara statt.

Die Organmafia nimmt mit den Schutzsuchenden vor allem über die sozialen Medien Kontakt auf. Ein in Istanbul lebender junger Flüchtling berichtet, er habe einen Käufer für seine Niere gefunden, der ihm 15.000 Dollar zahlen wolle. Er erklärt in der Dokumentation: „Als ich nach Istanbul kam, habe ich gesehen, wie unsere Arbeitskraft ausgebeutet wird. In den ersten Tagen arbeitete ich für zwei bis drei Dollar täglich. Ich habe bisher mehrfach den Arbeitsplatz gewechselt. Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als unsere Nieren zu verkaufen.“

Die Journalist*innen recherchierten, wie die Organmafia in Istanbul Flüchtlinge findet und in welchen Hotels sie vor ihrem Abtransport untergebracht werden. Der Organhandel komme in der türkischen Kriminalstatistik direkt nach dem Drogenhandel. Der Organhandel in der Türkei sei zwar verboten, aber es würden keine Maßnahmen gegen diesen Handel getroffen. Oft würden die Schutzsuchenden nach Ägypten gebracht, um die Organe zu entnehmen.

Literatur:

Impfen: Ja oder nein?

Der betrogene Patient: Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen

Das Geschäft mit den Impfungen

Video:

 

 

Quellen: PublicDomain/connectiv.events/igfm.de/anfdeutsch.com am 24.03.2019

https://www.pravda-tv.com/2019/03/das-widerliche-geschaeft-mit-dem-illegalen-organhandel-video/

Ein Kommentar zu “Das widerliche Geschäft mit dem illegalen Organhandel (Video)

  1. Der eingangs erwähnte junge Türke hatte unverschämtes Glück, daß er am Leben bleiben durfte! Die Organspende ist generell für den Spender tödlich. Er wird ermordet, damit ein anderer leben kann! WER entscheidet hier über Leben und Tod?! Ein Gremium von Ärzten, die sehr gut dafür bezahlt werden, daß sie Organe organisieren. Was sind das für widerwärtige Typen, die über den Tod eines Menschen entscheiden und sich daran noch bereichern?!
    Für ein Organ werden die Spender für „Tot“ erklärt und ermordet!
    Es ist ein äußerst lukratives Geschäft für die Pharmamafia, denn sie ist der Profiteur dieser Machenschaften! Die Menschen sind viel zu wenig über den Organhandel aufgeklärt!

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