Das vom französischen Kolonialismus geplante Kurdistan

 

Entgegen einer landläufigen Meinung ist Rojava kein Staat für das kurdische Volk, sondern eine französische Fantasievorstellung der Zwischenkriegszeit. Ziel war es, einen Pseudo-Staat mit Kurden zu schaffen, der dem Großisrael entspricht, der mit Juden ins Auge gefasst wurde. Dieses koloniale Ziel wurde von den Präsidenten Sarkozy, Hollande und Macron wiederbelebt, bis zur ethnischen Säuberung der Region, um dort das kurdische Volk zu beherbergen.

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Präsident Francois Hollande und sein damaliger Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian empfingen im Elysée-Palast eine kurdische Delegation, in Anwesenheit von Bernard-Henri Lévy, der die Katastrophen in Tunesien, Ägypten und Libyen anordnete.
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Der französische Hochkommissar für die Levante, General Henri Gouraud, rekrutiert mit Hilfe der Türken 900 Mann aus dem kurdischen Millis-Clan, um die arabisch-nationalistische Rebellion in Aleppo und Raqqa niederzuschlagen. Diese Söldner kämpften als französische Gendarmen unter der Flagge der heutigen Freien Syrischen Armee (Telegramm vom 5. Januar 1921).
Quelle: Archives de l’armée de Terre française.

Das kurdische Volk hatte nie einen Traum von seiner Vereinigung, mit Ausnahme des Projekts des Fürsten von Rewanduz. Im 19. Jahrhundert wurde dieser von der deutschen Nationalauffassung inspiriert und wollte daher die Sprache vereinheitlichen. Noch heute gibt es mehrere (kurdische) Sprachen, die eine sehr ausgeprägte Trennung zwischen den Kurmandschi-, Sorani-, Zazaki- und Gurani-Clans verursachen.

Nach bisher unerschlossenen Dokumenten, über die der libanesische Intellektuelle Hassan Hamade derzeit ein verblüffendes Buch schreibt, verhandelte der Präsident des französischen Ministerrats, Léon Blum, 1936 mit dem Leiter der Jewish Agency, Chaim Weizmann und den Briten, über die Schaffung eines Großstaates Israel, von Palästina bis zum Euphrat, der daher die damals unter französischem Mandat stehenden Gebiete des Libanon und Syriens einbinden sollte. Dieses Projekt scheiterte aufgrund des wütenden Widerstands des französischen Hochkommissars in der Levante, Graf Damien de Martel. Frankreich – und wahrscheinlich das Vereinigte Königreich – erwogen damals, östlich des Euphrat einen Staat Kurdistan zu schaffen.

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Am 4. Februar 1994 empfing Präsident Mitterrand eine kurdische Delegation von Mitgliedern der türkischen PKK.

Die Kurdenfrage wurde erneut zu einer Priorität bei Präsident Francois Mitterrand. Mitten im Kalten Krieg wurde seine Frau Danielle zur „Mutter der Kurden [des Barzani-Clans]“. Am 14. und 15. Oktober 1989 organisierte sie in Paris ein Symposium mit dem Thema: „Die Kurden: Kulturelle Identität, Achtung der Menschenrechte“. Sie spielte eine verlogene Rolle, indem sie den Tod der Kurden des Dorfes Halabscha während des Irak-Iran-Krieges der Grausamkeit von Präsident Saddam Hussein anlastete, während die Berichte der US-Armee bezeugen, dass tatsächlich der Wind während einer schrecklichen Schlacht iranisches Gas verlagert hat [1]. 1992 half sie bei der Bildung einer kurdischen Marionettenregierung in der irakischen, von Angelsachsen besetzten Zone.

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Am 31. Oktober 2014 begleitete François Hollande Recep Tayyip Erdogan auf den Stufen des Elysée-Palastes. Ein anderer Gast hat sich gerade heimlich durch die Hintertür entfernt, der pro-türkische Kurde Salih Muslim.

Während der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy im Jahr 2011 schloss Alain Juppé mit der Türkei ein geheimes Protokoll zur Schaffung eines Pseudo-Kurdistans ab. Syrien reagierte nicht. Am 31. Oktober 2014 empfing Präsident François Hollande offiziell den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Elysée-Palast, angeblich mit dem Ko-Vorsitzenden der YPG, Salih Muslim, um die Zerstückelung Syriens vorzubereiten. Die kurdischen Kämpfer hörten auf, sich als Syrer zu betrachten und begannen ihren Kampf für ihre eigene Heimat. Syrien hörte sofort auf, ihre Gehälter zu zahlen.

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Am Ende der Schlacht von Kobane wechselte François Hollande die Seiten und bekundete seine Unterstützung für die Kurden, indem er am 8. Februar 2015 eine pro-US-Delegation der YPG im Elysée-Palast empfing.

Einige Monate später rief Präsident Barack Obama jedoch Frankreich zur Ordnung auf. Es stehe Paris nicht zu, ein Pseudo-Kurdistan gemäß seinen alten kolonialen Träumen auszuhandeln, sondern nur dem Pentagon, entsprechend dem ethnischen Plan Rumsfeld/Cebrowski. François Hollande beugt sich und empfängt eine pro-US-kurdische Delegation von Ain al-Arab („Kobane“ in kurdischer Sprache). Die Türkei aber weigert sich, sich Washington zu unterwerfen. Dies ist der Beginn einer langen Meinungsverschiedenheit zwischen den Mitgliedern der Atlantischen Allianz. In Anbetracht der Tatsache, dass die französische Kehrtwende gegen das Abkommen vom 31. Oktober 2014 verstößt, organisieren die türkischen Geheimdienste mit Daesch die Anschläge vom 13. November 2015 gegen Frankreich und vom 22. März 2016 gegen Belgien, das sich gerade auch auf Washington ausgerichtet hat. [2]. Präsident Erdogan wird die Attentate auf Belgien unmissverständlich verkünden, und seine Presse wird sie für sich beanspruchen. Schließlich organisierte Salih Muslim die Wehrpflicht für junge Kurden und baute seine Diktatur auf, während Ankara einen Haftbefehl gegen ihn erließ.

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Dekret zur Zwangskurdisierung Nordsyriens. Dieses Dokument, das von den assyrischen christlichen Opfern veröffentlicht wurde, zeugt von der ethnischen Säuberung durch die SDF unter US-Militäraufsicht.

Im Oktober 2015 gründete das Pentagon die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), eine Einheit türkischer und syrisch-kurdischer Söldner, darunter einige Araber und Christen, um ethnische Säuberungen durchzuführen, ohne öffentlich die Verantwortung dafür zu übernehmen. Die SDF vertreiben assyrische arabische und christliche Familien. Kämpfer aus dem Irak und der Türkei ließen sich in ihren Häusern nieder und nahmen ihr Land in Besitz. Der syrisch-katholische Erzbischof von Hassake-Nisibi, Erzbischof Jacques Behnan Hindo, wird mehrmals bezeugen, dass kurdische Führer vor ihm über einen Plan zur Ausrottung der Christen der „Rojava“ gesprochen haben. Französische Spezialeinheiten werden Zeuge dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit, ohne sich zu rühren. Am 17. März 2016 wurde die Autonomie von «Rojava“ (Pseudo-Kurdistan in Syrien) erklärt. [3]. Aus Angst vor der Verbindung zwischen der türkischen PKK und dem irakischen Barzani-Clan, die den Weg für die Schaffung eines Großkurdistans ebnen würde, schickte die irakische Regierung Waffen an die PKK, um die Barzanis zu stürzen. Das Ergebnis war eine Serie von Morden an kurdischen Führern durch gegnerische Clans.

Ende 2016 markierte der teilweise Rückzug der russischen Armee, gefolgt von der Befreiung Aleppos durch die syrische arabische Armee, die endgültige Umkehr des Krieges. Sie fallen im Januar 2017 mit der Ankunft von Präsident Donald Trump im Weißen Haus zusammen, dessen Wahlplattform ein Ende der Rumsfeld/Cebrowski-Strategie, ein Ende der massiven Unterstützung für Dschihadisten und den Abzug der NATO- und US-Truppen aus Syrien fordert. Frankreich erleichtert die Reise junger anarchistischer Kämpfer nach Rojava, welche, überzeugt die kurdische Sache zu verteidigen, aber für das Atlantische Bündnis kämpfen [4]. Nach Frankreich zurückgekehrt, werden sie sich als ebenso unkontrollierbar erweisen wie die jungen französischen Dschihadisten. So wird nach Angaben der DGSI (Innerer Abwehrdienst) einer dieser Kämpfer versuchen, während der Evakuierung des Flughafens Notre-Dame-des-Landes einen Gendarmerie-Hubschrauber abzuschießen [5].

Im Juni 2017 genehmigte Präsident Trump eine gemeinsame Operation der syrischen arabischen Armee (unter der Leitung von Präsident Baschar al-Assad) und der SDF (d. h. pro-amerikanischer kurdischer Söldner) zur Befreiung von Raqqa, der Hauptstadt von Daesch. [6]. Der Krieg ist vorbei, aber weder Frankreich noch Deutschland sehen das so.

Allmählich entglitt den Vereinigten Staaten die Kontrolle über die YPG, und sie interessierten sich nicht mehr dafür. Die Terrororganisation wird dann zu einem französischen Spielzeug, wie die Muslimbruderschaft eine britische Marionette ist.

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Diese wurde Karte von der Agentur Anadolu im Januar 2019 veröffentlicht. Sie lässt 9 französiche Militärbasen in Rojava erkennen, von denen 8 von Präsident Emmanuelle Macron eingerichtet wurden.

Die Türkei ließ daraufhin ihre offizielle Agentur Anadolu eine Karte der französischen Militärstützpunkte in Rojava veröffentlichen, deren Zahl unter der Präsidentschaft von Emmanuel Macron auf neun erweitert wird. Bis dahin war nur das Zementwerk Lafarge bekannt. Ankara will betonen, dass Frankreich entgegen seinen offiziellen Erklärungen und im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten weiterhin für die Teilung Syriens ist.

Im Februar 2018 enthüllte der UN-Botschafter der Russischen Föderation, Vassily Nebenzia, dass die syrischen Kurden gerade 120 Daesch-Führern Amnestie gewährt und in die YPG aufgenommen hätten.

Seit September 2018 bereitet Präsident Trump den Abzug der US-Truppen aus ganz Syrien vor [7]. Die Aufgabe von „Rojava“ ist an die Bedingung geknüpft, dass die iranische Route, die dieses Gebiet überqueren könnte, um den Libanon zu erreichen, abgeschnitten wird. Dazu wird sich Präsident Erdogan auch im August bekennen. Die US-Soldaten überwachten dann die Zerstörung der kurdischen Verteidigungsstrukturen. Ein Abkommen wurde am 16. September von Russland, der Türkei und dem Iran gebilligt. Daher steht das Ende dieses Pseudo-Kurdistans bevor. Frankreich versteht überhaupt nicht, was geschieht, und ist fassungslos, wenn dann türkische Truppen brutal in diesen pseudoautonomen Staat eindringen und die Bevölkerung, die ihn illegal besetzt, flieht.

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Von sich selbst sehr eingenommen und von der Realität völlig abgekoppelt, versichert Jean-Yves le Drian am Set von France 2, dass Frankreich seine Ziele in Syrien ohne Risiko verfolgt.

Außenminister Jean-Yves le Drian, der am 10. September zu France2 eingeladen wurde, versucht die Franzosen hinsichtlich der Folgen dieses Fiaskos zu beruhigen. Er versichert, dass Frankreich die Situation kontrolliert: Die in Rojava inhaftierten Dschihadisten werden nicht freigelassen, sondern in diesem Gebiet vor Gericht gestellt, obwohl es vor Ort keine Institutionen mehr gibt. Er fährt fort mit der Behauptung, dass Präsident Erdogan Frankreich unnütz bedrohe. Schließlich weigert er sich, eine Frage zur Mission der französischen Armee vor Ort zu beantworten, mitten in dem Debakel.

Wenn man auch das Schicksal ausblendet, das die inhaftierten Dschihadisten und die Zivilbevölkerung, die dieses Land gestohlen haben, erwartet, hat man keine Nachricht über das Schicksal der Soldaten der neun französischen Militärstützpunkte. Sie sind im Kreuzfeuer, zwischen der türkischen Armee, die Präsident Hollande verraten hat, und der YPG, die Präsident Macron aufgegeben hat und die der Arabischen Republik Syrien erneut die Treue geschworen hat.

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1] “A War Crime Or an Act of War?”, Stephen C. Pelletiere, The New York Times, January 31, 2003.

[2] Nach Ansicht von Anti-Terror-Experten wurden diese Angriffe nicht mit einem Modus operandi durchgeführt, der mit dem der anderen von Daesh behaupteten Anschläge vergleichbar ist, sondern tragen die Spur einer akribischen militärischen Organisation, einem Kriegsakt, der von einem Staat verübt wird. „Der Beweggrund der Attentate von Paris und Brüssel“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Sabine, Voltaire Netzwerk, 28. März 2016.

[3] „Deklaration von Rojava für ein föderales Syrien“, Übersetzung Ralf Hesse, Voltaire Netzwerk, 17. März 2016.

[4] „Die Anarchisten-Brigaden der NATO“, von Thierry Meyssan, Übersetzung Horst Frohlich, Korrekturlesen : Werner Leuthäusser, Voltaire Netzwerk, 12. September 2017.

[5] « Ces revenants du Rojava qui inquiètent les services de renseignement », Matthieu Suc et Jacques Massey, Médiapart, 2 septembre 2019.

[6] “Secret Russian-Kurdish-Syrian military cooperation is happening in Syria’s eastern desert”, Robert Fisk, The Independent, July 24, 2017.

[7] “Trump eyeing Arab ‘boots on the ground’ to counter Iran in Syria”, Travis J. Tritten, Washington Examiner, September 29, 2018.

https://www.voltairenet.org/article207964.html

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