Wie Amazon durch niedrige Löhne bald dreifach kassiert

Während der Konzern mit Milliarden subventioniert wird, sind Amazons US-Angestellte auf Lebensmittelgutscheine angewiesen. 

Amazon bezahlt seine US-Angestellten so schlecht, dass sie staatliche Unterstützung brauchen. Jeder dritte Amazon-Angestellte im Staat Arizona sowie jeder Zehnte in Ohio und Pennsylvania bezog in mindestens einem Monat in 2017 Essensmarken, hat das Onlinemedium «The Intercept» recherchiert.

Der «Intercept» hat in 30 US-Staaten nachgefragt, wie viele Angestellte welcher Unternehmen im Lebensmittelhilfeprogramm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) registriert sind. Fünf Staaten haben geantwortet, ein weiterer stellt diese Zahlen öffentlich zur Verfügung. In allen sechs Staaten ist Amazon unter den 20 Unternehmen, deren Angestellte am häufigsten Lebensmittelhilfe brauchen.

An einer grossen Zahl von Teilzeitangestellten, ausbeuterischen Personalverleihern oder Subunternehmen kann das nicht liegen. Nach eigenen Angaben beschäftigt Amazon zu 90 Prozent Vollzeitkräfte, die direkt angestellt sind.

Weltkonzern mit Hilfe des Steuerzahlers

Amazon wird nach Schätzungen von «Fortune» bis 2021 die Hälfte aller Onlineverkäufe in den USA tätigen. Der Konzern hat einen Börsenwert von 600 Milliarden Dollar und verspricht weiter zu wachsen. Ein Wachstum, das nicht zuletzt durch den Steuerzahler möglich wurde. Laut dem «Intercept» wurde Amazon bisher mit 1,2 Milliarden Dollar an Subventionen, Steuererleichterungen und Infrastrukturmassnahmen unterstützt.

Das «Business Journal» hat für viele US-Bundesstaaten in einer interaktiven Grafik zusammengetragen, wie viele Subventionen Amazon wo erhalten hat (direkt zur Grafik).

Nach einem Pilotprojekt in acht Bundesstaaten will Amazon noch in diesem Jahr anfangen, SNAP-Gutscheine in den ganzen USA anzunehmen. Dann kassiert das Unternehmen gleich dreifach: durch Subventionen, niedrige Löhne und über die staatliche Unterstützung der Angestellten, die es so schlecht bezahlt.

Viele Arbeitsplätze, wenig Lohn

Ausser in Seattle, wo sich die Zentrale befindet, arbeitet der grösste Teil der Angestellten in den Warenhäusern des Konzerns.

Ein Amazon-Warenhaus verspricht tausende neue Arbeitsplätze, steigenden Wohlstand und höhere Steuereinnahmen. Das lassen sich Staaten und Bezirke etwas kosten. Im US-Staat Pennsylvania beispielsweise gibt es 13 Amazon-Lagerhäuser, die mit mindestens 25 Millionen Dollar Subventionen gefördert wurden.

Dennoch haben von den etwa 10’000 Angestellten, die dort arbeiten, 1’000 nicht genügend Geld, um satt zu werden.

Mit Amazon wird niemand reich – ausser Amazon

Oft rechnen sich die Erwartungen der betroffenen Bezirke nicht, weil Amazon eine ungleich grössere Verhandlungsmacht hat. So schätzten die Verantwortlichen im Bezirk Miami-Dade, dass ein 2017 von Amazon geplantes Logistikzentrum etwa 2’300 Arbeitsplätze mit einem durchschnittlichen Lohn von 37’000 Dollar schaffen würde. Amazon sicherte sich aufgrund dieser Prognosen Steuerrückzahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar und eine Anleihe in Höhe von 5 Millionen Dollar für die Verbesserung der Infrastruktur.

Als die Verhandlungen abgeschlossen waren, war die Zahl der vorgesehenen Arbeitsplätze auf 1’000 gekürzt worden, und die Gehaltsvorstellungen sanken auf 24’018 bis 27’500 Dollar. Für eine vierköpfige Familie liegt ersteres an der US-Armutsgrenze. Auch in Dutzenden anderen Fällen seien Verhandlungen mit Amazon eher zum Nachteil der lokalen Bevölkerung ausgegangen, berichtet das «Pudget Sound Business Journal» (Paywall).

30 Prozent mehr Lohn als die Konkurrenz – von wegen!

Wenn Amazon ein neues Logistikzentrum eröffnet, wirbt das Unternehmen oft damit, dass es um die 30 Prozent mehr für eine vergleichbare Position bezahle als die Konkurrenz. Stimmt nicht, fanden verschiedene Studien. Das Medianeinkommen eines Amazon-Angestellten beträgt aktuell 28’446 Dollar im Jahr, etwa halbsoviel wie bei UPS, berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

36’720 Dollar pro Minute

Der Konzern rechtfertigt niedrige Stunden- und Einstiegslöhne mit der Einstufung seiner Angestellten. «Sie vergleichen Arbeitsplätze im Lager nicht mit anderen Jobs in solchen Zentren, sondern mit Stellen im Einzelhandel», erklärt die Wissenschaftlerin Kasia Tarczysnka von «Good Jobs First». Traditionelle Lagerarbeiter verdienten etwas mehr. Dafür, sagte eine Sprecherin des Konzerns, bekämen Amazon-Angestellte Zusatzleistungen wie Krankenversicherung, Elternurlaub und höhere Boni. Sie weigerte sich jedoch anzugeben, um wieviel diese den durchschnittlichen monatlichen Lohn erhöhen.

Den CEO lässt die Diskussion kalt. «Ich bin sehr stolz auf unsere Löhne», sagt Amazon-Chef Jeff Bezos. Laut der «Süddeutschen Zeitung» verdient der Boss 36’720 Dollar pro Minute.

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BMW – Das Schweigen der Quandts

Hinweis: dies ist die knapp 60-minütige Fassung, es existiert daneben auch noch eine längere, knapp 90-minütige Version der Doku, auf YouTube z.B. unter: http://www.youtube.com/watch?v=flqGbGnK8h8

Die Familie Quandt gehört zu den reichsten und einflussreichsten Familie Deutschlands und doch ist ihr Name vielen unbekannt. Ihr Konzernimperium umfasst Unternehmen wie BMW, den Pharmariesen Altana und den Batteriehersteller Varta – dies sind nur die bekanntesten Firmen. Den Grundstein für die mächtige Stellung des Konzerns legte Günther Quandt als Begründer des Familienvermögens zum Teil in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Dokumentation versucht, anhand der Familiengeschichte der Quandts Einblicke in die Mentalität der industriellen Elite Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen.
Die Familie Quandt zählt zu Deutschlands reichsten und einflussreichsten Familien. Trotzdem ist ihr Name dem breiten Publikum nicht bekannt. Zum weltumspannenden Konzernimperium der Quandts zählten in den vergangenen 100 Jahren Unternehmen wie Altana, Milupa, Varta und – bis heute – die Industrie-Ikone BMW.
Doch die Quandts verbargen bislang ihre Familiengeschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens. Die Firmenarchive blieben Journalisten und Historikern verschlossen. Für „Das Schweigen der Quandts“ recherchierten die Filmemacher Eric Friedler und Barbara Siebert über fünf Jahre lang in Archiven im In- und Ausland. Mit Hilfe der zusammengetragenen Dokumente ist es ihnen gelungen, Stück für Stück die Herkunft von Teilen des Familienvermögens offen zu legen. Das Fazit: Die Quandts nutzten seinerzeit offenbar wirtschaftliche Vorteile, die der Nationalsozialismus ihnen bot. KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter ermöglichten Profite und den Konzernausbau. Das belegen unter anderem Aussagen Überlebender des Konzentrationslagers Hannover-Stöcken. Die Vermögenszuwächse, die die Quandts zwischen 1933 und 1945 erzielten, begründeten zum Teil auch den Aufstieg in der deutschen Nachkriegswirtschaft.
Die Filmemacher haben mit dieser ersten Dokumentation über die Geschichte der Familie eine Mauer des Schweigens durchbrochen – mit Erfolg: Wenige Tage nach der Erstsendung des Films, am 30. September 2007 in der ARD – erklärten die Erben der Familie gemeinsam, sie seien sehr bewegt. Nun will die Familie ihre Geschichte im „Dritten Reich“ aufarbeiten.

Die Dokumentation wurde mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus 2008 ausgezeichnet.