Bankrun gegen Euro-Rettung

Bunkenrun gefährdet alle Rettungsversuche. Schicksalswahl in Griechenland am 17. Juni. Facebook-IPO geglückt. JP Morgan verzockt über 2 Mrd. USD. Unsicherheit bei Anlegern hält an.

 

von Andreas Männicke

Griechenland ist faktisch Pleite und kann sich aus eigener Kraft nicht retten. Dies erkennen jetzt auch immer mehr Griechen, die ihr Geld reihenweise von den Banken abziehen und einen Bankenrun auslösen. Die griechischen Banken wurden bisher nur durch die EZB gerettet. Die griechischen Banken wurden jetzt auf „C“ herunterstuft, was so gut heißt wie zahlungsunfähig. Man wird nun sehen, welche Folgewirkungen eine mögliche Pleitewelle bei griechischen Banken haben wird. Zumindest ist ein Chaos im Sommer in Griechenland nicht auszuschließen. Das bedeutet natürlich auch Ungemach für europäische und deutsche Banken – was am Kursverlauf z. B. von Commerzbank in den letzten Tagen deutlich abzulesen war.

 

Auch die Neuwahlen am 17. Juni werden wohl keine Besserung und Klarheit bringen. Der Sparkurs der Griechen wurde schon „abgewählt“. Links -und rechtsextreme Partien bekommen in Griechenland jetzt starken Zulauf und die beiden etablierten Parteien, die für den Sparkurs stehen, werden abgestraft. Die Pleite in Griechenland wird dem deutschen Steuerzahler ca. 80 Mrd € kosten;  das sind über 2.000 € pro Beschäftigter. Darin noch nicht einberechnet sind mögliche Dominoeffekte bei anderen gefährdeten südeuropäischen Ländern. Auch italienische Banken wurden heruntergestuft und die spanische Bank Bankia wurde schon verstaatlicht. Es brodelt also gewaltig in Südeuropa. Das Bild hängt schief.

 

Wenn die EZB nicht mehr die griechischen Banken stützt und die Mittel des ESM nicht ausreichen könnte wie bei Loriot ein Chaos in Europa entstehen. Davor haben auch China und die USA Angst, wobei die USA auch ihre Hausaufgaben erfüllen müssen, was in Anbetracht der schwachen Konjunkturdaten schwer fallen wird. Genau dieses Chaos sollen die EZB und der europäische Rettungsschirm ESM verhindern. Ich bin gespannt, ob es gelingt. Anstelle von das „Bild hängt schief“ wird man dann sagen „das System hängt schief“ und wer kann es durch welche geschickte Maßnahmen dann wieder gerade rücken?

 

In Anbetracht der Unsicherheit an den Aktienmärkten kann man das IPO von Facebook am Freitag auf den ersten Blick als Erfolg bezeichnen. Der erste Börsenkurs lag mit 43 USD in der Spitze sogar über dem IPO-Preis von 38 USD und Facebook hatte damit tatsächlich wie erhofft eine Marktkapitalsierung von über 100 Mrd. USD. Ich halte dies für klar überwertet und rechne im Jahresverlauf mit fallenden Kursen.

 

Für diejenige, die Facebook gleich nach Börseneröffnung an der NASDAQ gekauft haben, war Facebook schon gleich ein Verlustgeschäft. Für die „Goldmänner“ (Goldman Sachs & Co) war es aber ein gutes Geschäft. Ich nehme sogar an, dass Goldman Sachs den Kurs zum Schluss gestützt hat. Auch Kursmanipulation ist nicht ausgeschlossen.

 

Demnächst entstehen aber nach der Konsolidierung wieder gute Einstiegmöglichkeiten für Trader insbesondere im russischen Aktienmarkt. Auch der Kurs von Gazprom stieg erst von unter 8 € auf über 10 €, um jetzt wieder infolge der zunehmenden Risikoaversion der Anleger und schnellen Gewinnmitnahmen bei 6,7 € zu landen. Demnächst beginnt aber wieder die Zeit der „Schnäppchenjäger“.

 

Wie es mit der Euro-Krise weitergehen wird und welche Anlagechancen sich für Sie insbesondere in Osteuropa ergeben, wollen wir besprechen beim nächsten Ostbörsen-Seminar „Go east!“ am 22. Mai 2012 um 17.00 Uhr in Frankfurt/M im Hotel Monopol (Kosten 100 € für EST-Leser, 150 € für andere Teilnehmer, Anmeldung und Seminarprogramm unter www.eaststock.de, dort unter Seminar oder unter Tel: 040/6570883, oder  email: info@eaststock.de)

 

Da der Euro im Mai  unter 1,30 EURUSD fiel gaben auch Rohstoffe wie Öl, Kupfer,  aber auch Gold/Silber im Mai  bis Donnertag stark nach, erholten sich aber leicht am Freitag, da auch der Euro wieder etwas stieg. Gold/Silber ist auch sehr volatil im Moment und nichts für schwache Nerven.  Auch bei Gold/Silber heißt es für viele Anleger in diesem Jahr: wie gewonnen, so zerronnen, wenn sie nicht zuvor Teilgewinne mitgenommen haben.

 

Der einzige „sichere Hafen“ war der Bund-Future mit einem neuen Rekord-Hoch von 143,7. 30-jährige Bundesanleihen haben jetzt nur noch eine Rendite von 1,44. Auch dies ist ein Bubble, der sich im Zeitverlauf noch auflösen wird. Immerhin konnte man mit biederen, niedrigverzinslichen Bundesanleihen eine Rendite von über 50% seit 2009 durch reine Kursgewinne erzielen. Ich rechne noch mit einem Anleihen-Crash, aber zunächst könnte sich der Bubble fortsetzen.

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