Nach dem Urteil von Köln – Schweizer fordern Verbot von ritueller Beschneidung

Die Debatte um die rituelle Beschneidung von Jungen ist von Deutschland in die
Schweiz geschwappt. Das Zürcher Kinderkrankenhaus will den Eingriff vorläufig
nicht mehr durchführen. Einige fordern ein Verbot im ganzen Land.

Als Reaktion auf die Entscheidung des Kölner Landgerichts vom Mai hat das Zürcher Kinderspital vor ein paar Tagen angekündigt, vorerst keine Beschneidungen mehr aus religiösen Gründen durchführen. Nun will auch die Kinderlobby in der Schweiz rituelle Beschneidungen ganz verbieten lassen. «Das Thema steht bei uns bereits seit längerem auf der Tagesordnung», sagt deren Präsident Daniel Goldberg der aktuellen Ausgabe der Schweizer Sonntagszeitung. Kinderrechte seien höher zu bewerten als die Religionsfreiheit. Dem Medium zufolge sucht die Kinderlobby derzeit nach Verbündeten im Schweizer Bundesparlament und will dort im Herbst einen entsprechenden Vorstoß einreichen, um den Eingriff an Kindern zu verbieten.
„Personen, die beschnitten werden, müssen sich über die Reichweite des Eingriffs bewusst sein“, sagte Goldberg gegenüber „20 Minuten Online“. „Deshalb soll die Beschneidung erst ab 16 Jahren erlaubt sein, wenn ein Jugendlicher sich eine eigene Identität gebildet hat.“

Wenig Chancen auf Verbot

Sein Vorhaben habe im Parlament in Bern jedoch kaum Chancen, so „20 Minuten Online“. Denn auch bei den Badener Grünen in der Schweiz, bei denen Goldberg aktiv ist, stoße er bis jetzt auf wenig Rückhalt. Der Grüne Badener Nationalrat Geri Müller sagte dem Medium, dass es nicht an der Politik sei, eine Entscheidung zu treffen. Er meint, dass sich Religionsgemeinschaften selbst reformieren und fragte: „Wieso sollten all die Gebote, die vor Jahrtausenden niedergeschrieben wurden, bis in alle Ewigkeit gültig sein?“
Inzwischen hat das Kinder Universitäts-Krankenhaus in Basel angekündigt, die rituelle Beschneidung von Jungen weiter durchzuführen, solange es in der der Schweiz keine anderslautende Rechtssprechung gibt. „Für die betroffenen Familien wäre eine plötzliche Abschaffung dieses Eingriffs ohne entsprechende Änderung der Rechtsgrundlage nicht nachvollziehbar, werden doch Beschneidungen seit Jahrzehnten in allen Schweizer Kinderspitälern auf Wunsch und mit Kostenübernahme durch die Familien angeboten“, heißt es in einer Pressemitteilung.

 

http://www.focus.de/politik/ausland/nach-dem-urteil-von-koeln-schweizer-fordern-verbot-von-ritueller-beschneidung_aid_786515.html

Genitalbeschneidung bei Jungen

ZITAT :

Warum würde ein Gott einen Menschen nach seinem
Abbild schaffen und dann die Vorhaut doof finden !?

Die Beschneidung der Vorhaut (Zirkumzision) ist der älteste und am häufigsten
durchgeführte operative Eingriff überhaupt. Prof. Dr. Matthias Franz,
stellvertretender Direktor des Klinischen Instituts für Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie, warnt deutlich vor den Gefahren der meist religiös
motivierten Operation:

„Die Entfernung der Vorhaut im Säuglings- oder Kindesalter stellt ein Trauma dar
und kann zu andauernden körperlichen, sexuellen oder psychischen Komplikationen
und Leidenszuständen führen. Diese Problematik wird aus Respekt vor religiösen
oder kulturellen Tabus und aus Angst vor möglichen Konflikten bislang aber
vorwiegend in Fachkreisen diskutiert.“

Die Forschung zeigt, dass die Erfahrung elterlicher Gewalt während der Kindheit
Brüche in der emotionalen Wahrnehmung und Empathiefähigkeit des später erwachsenen
Kindes bewirkt. In der Kindheit erfahrene Traumata werden verinnerlicht und oft
später auch selber wiederholt. Kollektiv rituell vermittelte traumatische kindliche
Erfahrungen führen daher zu Empathiebrüchen. Die Gruppe der Beschnittenen reagiert
mit Abwehr, d.h. sie verleugnet die erlittenen Schmerzen. Dadurch wird die Einfühlung
in das Erleben der nächsten Opfer desselben Rituals beeinträchtigt:

Es kann und darf nicht schlecht gewesen sein, was die Eltern damals mit mir gemacht
haben. Deshalb tue ich es auch.Eine derartige Erfahrung führt bei den betroffenen
Jungen meist zu einer Fortsetzung der rituellen Praxis. Die erwachsenen Eltern leugnen
aus eigenen Abwehrbedürfnissen die erlittene Gewalt, deshalb kann das
emotionale Erleben des zu beschneidenden Kindes von den handelnden Erwachsenen
nicht empathisch erfasst werden. So entsteht eine Täter-Opfer-Kette, die sich
über viele Generationen hinweg etablieren kann.

Franz: „Eine deutsche Variante, noch gar nicht so lange her:
Eine ordentliche Tracht Prügel hat noch niemandem geschadet.“

Unterschieden werden muss zwischen den Auswirkungen der Beschneidung im
Säuglingsalter, wie es das Judentum fordert, und der im Kindesalter, die im
Islam üblich ist.Jüdische Jungen, die laut Bibel am achten Tag zu beschneiden sind,
erleiden bei der Zirkumzision Schmerzen, die noch nach einem Jahr im Körpergedächtnis
nachweisbar sind als überschießende Schmerzreaktionen auf Impfungen.

Franz: „Dass die Beschneidung des Jungen auf dem Höhepunkt der infantilen
Sexualentwicklung besondere Entwicklungsrisiken mit sich bringen kann,
erscheint zumindest plausibel. .

Die Beschneidung kann von Jungen, die sich in dieser Phase zunehmend auf ihre Genitalität
zentriert erleben, wie eine elterlich herbeigeführte, schwere Sanktion oder
Kastrationsdrohung erlebt werden. Der schmerzlich-traumatische Eingriff erfolgt faktisch,
bewusst wahrnehmbar und unter direktem Zugriff auf den libidinös und
narzisstisch hoch besetzten Genitalbereich. Der ängstigende Gewaltaspekt unterliegt
dabei einer bemerkenswerten Verleugnung durch die beteiligten Erwachsenen.

Die Beschneidung kann von Jungen, die sich in dieser Phase zunehmend auf ihre Genitalität
zentriert erleben, wie eine elterlich herbeigeführte, schwere Sanktion oder
Kastrationsdrohung erlebt werden. Der schmerzlich-traumatische Eingriff erfolgt faktisch,
bewusst wahrnehmbar und unter direktem Zugriff auf den libidinös und
narzisstisch hoch besetzten Genitalbereich. Der ängstigende Gewaltaspekt unterliegt
dabei einer bemerkenswerten Verleugnung durch die beteiligten Erwachsenen.

Er wird rationalisiert als festlich und forciert freudig gestalteter Männlichkeitsritus.
Der kleine Junge, der ja in keiner Weise an der Schwelle zum Mannesalter steht,
wird mit hypermaskulinen Attributen und großen Geschenken zum Mann erklärt,
eigentlich aber von Erwachsenen manipuliert.“

Den kompletten Artikle findet Ihr hier : IDW Online