Es geht nicht nur um Facebook-Mitgründer Eduardo Saverin, sondern um eine ganze Reihe von US-Bürgern, die ihre Staatsangehörigkeit zur Vermeidung von Steuerzahlungen abgeben wollen oder dies bereits getan haben. Laut Gesetz sind auch US-Bürger zur Entrichtung von Steuern in der Heimat verpflichtet, wenn Einkommen oder Gewinne im Ausland erzielt worden sind. Dieser Passus bezieht sich in erster Linie auf die vielen Expatriats (im Ausland lebende Amerikaner), die über die gesamte Welt verstreut leben. Kommt die amerikanische Steuerbehörde IRS dahinter, dass Expatriats finanzielle Einkünfte im Ausland nicht zu Hause melden, um sie gesetzesgemäß zu versteuern, drohen empfindliche Strafen. Selbst in US-Pässen gibt es einen Hinweis auf die Pflicht zur heimischen Versteuerung von Auslandseinkünften. Vor allem Doppelstaatler (somit Personen mit einer amerikanischen als auch einer Staatsangehörigkeit eines anderen Landes) hatten in letzter Zeit verstärkt ihre US-Staatsbürgerschaft abgelegt, um diesen Steuergesetzen nicht mehr zu unterliegen.
Nachdem Eduardo Saverin jedoch vor dem Börsengang von Facebook öffentlich hinausposaunte, seine US-Staatsbürgerschaft abgeben zu haben, um sich den Steuerzahlungen zu entziehen, dürfte dies nun ungewollte Konsequenzen nach sich ziehen. Im vergangenen September ließ er sich im asiatischen Stadtstaat Singapur nieder, der keine Kapitalertragssteuer erhebt, und ließ sich in den USA ausbürgern. Der Börsengang von Facebook hat Saverin einen Profit von rund $4 Milliarden beschert, den er jetzt nicht mehr anteilig in den USA versteuern muss. Die beiden demokratischen Senatoren Chuck Schumer und Bob Casey hatten daraufhin einen Plan veröffentlicht, nach dem im Ausland lebende US-Bürger, die ihre Staatsbürgerschaft zur Vermeidung heimischer Steuerzahlungen abgeben wollen, mit einer Sondersteuer belegt werden sollen, wie US-Medien berichten. Im Ausland erzielte Kapitaleinkünfte sollen demnach auch rückwirkend mit 30% besteuert werden. Mit dem Gesetzesplan ist eine weitere deutliche Botschaft verbunden: Amerikaner, die ihrem Heimatland aufgrund der Vermeidung von Steuerzahlungen den Rücken kehren, sollen mit einem lebenslangen Einreiseverbot belegt werden. Heute revidiert Saverin seine Aussage von damals. Bei seinem Handeln sei ihm nicht um eine Steuervermeidung gegangen, sondern allein um die Tatsache, dass er sich als Weltbürger betrachte. Viel Sinn macht diese Erklärung hingegen nicht, denn eine Weltbürgerstaatsangehörigkeit gibt es einfach nicht.
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