Türkei: Am Wochenende droht völlige Eskalation

Statt auf Entspannung stehen die Zeichen in der Türkei derzeit auf noch mehr Eskalation.
Für das Wochenende plant die AKP Großkundgebungen in Istanbul und Ankara.

photo_1370949137747-9-0

In Ankara macht Erdogan unterdessen deutlich, dass er zwar mit den friedlichen
Demonstranten reden, aber die Protestaktionen trotzdem schnell beenden will.

Galgenhumor ist alles, was Yulmiz geblieben ist. Als der 23-jährige Istanbuler am Dienstagmorgen
in seinem Zelt im Gezi-Park im Zentrum der türkischen Metropole aufwacht, hört er den Lärm
anrückender Polizei-Einheiten und die Motoren der schweren Wasserwerfer.

Völlig überraschend haben die Behörden die Sicherheitskräfte auf den Platz geschickt, der seit elf
Tagen in der Hand von Demonstranten wie Yulmiz war. Gerade eben noch habe die Regierung Gespräche
angeboten und jetzt das, sagt er. Aber er fügt hinzu:

„Ich habe keine Angst vor ihren Wasserwerfern. Es wird meine erste Dusche seit drei Tagen sein.“

Fassungslos sehen die Park-Besetzer zu, wie die Polizei über den Taksim immer weiter vorrückt.
Ein paar Demonstranten bewerfen die Polizisten mit Molotow-Cocktails und Steinen und schießen Leuchtmunition.

Sie werden von der Übermacht in die Seitenstraßen vom Taksim abgedrängt. Der Gezi-Park selbst, das Zentrum
des Aufstandes gegen die Politik von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wird von der Polizei nicht gestürmt.

Noch nicht.

Am Mittag tauchen Polizisten in Kampfmontur dann vor dem Eingang zum Park auf, einige dringen kurz
auf das Gelände vor, doch dann ziehen sich die Sicherheitskräfte wieder zurück. Am 31. Mai war die
Polizei hier mit brutaler Härte gegen eine kleine Gruppe friedlicher Aktivisten vorgegangen,
die eine Bebauung des Parks verhindern wollten.

Die Attacke löste eine Solidaritätswelle für die Demonstranten aus, die sich seitdem zur größten Protestwelle
entwickelt hat, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten gesehen hat.

Vier Menschen starben bisher, fast 5000 wurden verletzt.

Die Demonstranten prangern nicht nur die Urbanisierungspläne der Erdogan-Regierung an, sondern auch
den ihrer Meinung nach immer autoritärer werdenden Kurs des Ministerpräsidenten.

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : www.format.at