Die Mondbasis aus dem 3D-Drucker (Video)

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Bereits heute werden mit dem 3D-Drucker ganze Gebäude gedruckt. Dabei wird der Druckkopf an einem Gerüst oder an einem Roboterarm geführt. Schicht für Schicht fügt er einem geeigneten Werkstoff wie beispielsweise Sand ein Bindemittel zu. In einem Projekt der Europäischen Weltraumagentur ESA wird seit 2013 auf der Erde getestet, wie sich dieses Verfahren zum Bau zukünftiger Mondbasen nutzen lässt.

(Bild: Mondbasis mit mehreren Kuppeln. Nach dem Aufblasen der Kuppeln werden diese von mobilen 3D-Druck-Robotern mit Lagen des sandartigen Mondbodens (Regolith) bedruckt)

Dabei herausgekommen ist der Entwurf einer Kuppel, die einen aufblasbaren Wohn- und Arbeitsbereich umgibt. Die Kuppel soll die Astronauten gegen Mikrometeoriten und kosmische Strahlung schützen. Die hohle Zellstruktur der Wände bietet Stabilität bei vermindertem Gewicht. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist, dass das meiste Baumaterial auf dem Mond gewonnen wird und somit nicht von der Erde dorthin transportiert werden muss.

Architektur für den Mond

Zu den industriellen Partner des ESA-Projekts gehört das Architekturbüro Foster + Partners. Die Architekten entwarfen die stabile Kuppel, die mit ihrer zellularen Wandstruktur eine aufblasbare Kuppel umhüllt. In der Kuppel sollen die Astronauten ohne Raumanzug arbeiten und wohnen können.

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(Das Konzept einer Mondbasis aus dem 3D-Drucker entwarf das Architekturbüro Foster+Partners im Auftrag der ESA)

„Üblicherweise entwerfen wir für extreme Klimate auf der Erde und nutzen dabei die örtlich vorhandenen nachhaltigen Materialien“, sagte Xavier De Kestelier von Foster + Partners Specialist Modelling Group. „Unser Mond-Habitat folgt einer ähnlichen Logik.“

Gebäude aus dem 3D-Drucker

Als 3D-Drucker dient der D-Shape des Unternehmens Monolite UK Ltd., die den Drucker sonst eher zur Herstellung von Skulpturen und künstlicher Korallenbänke als Schutz vor starken Wellen nutzt. Der 3D-Drucker ist ausgerüstet mit einem mobilen Düsenfeld an einem sechs Meter langen Rahmen, das den chemischen Binder in das sandartige Baumaterial spritzt. Er arbeitet mit einer Druckrate von etwa 2 Meter pro Stunde. Die nächste Druckergeneration soll 3,5 Meter pro Stunde schaffen und damit ein Gebäude in einer Woche errichten können.

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(Mögliche Wandstruktur einer 3D-gedruckten Mondbasis. Der 1,5 Tonnen schwere Baustein wurde auf der Erde gedruckt, um den 3D-Druck mit simuliertem Mondmaterial zu demonstrieren. Das Design basiert auf einer hohlen Zellstruktur, ähnlich wie Vogelknochen, um mit geringem Gewicht hohe Festigkeit zu erzielen)

„Zuerst müssen wir das simulierte Mondmaterial mit Magnesiumoxid mischen. Das verwandelt sich in ‘Papier’, mit dem wir drucken können“, erklärte der italienische Monolite-Gründer Enrico Dini. „Für unsere strukturelle ‘Druckertinte’ verwenden wir dann ein Bindesalz, das das ganze Material in eine Art Stein umwandelt.“

3D-Druck unter Weltraumbedingungen

An dem ESA-Projekt beteiligt sich auch das italienische Unternehmen Alta SpA. Es arbeitet mit Forschern der in Pisa ansässige Elite-Hochschule Scuola Superiore Sant’Anna zusammen. Gemeinsam arbeiten sie daran, 3D-Drucktechniken an die Bedingungen auf dem Mond anzupassen, beispielsweise dem Vakuum des Weltraums.

„Der Prozess basiert auf der Anwendung von Flüssigkeiten, aber ungeschützte Flüssigkeiten verdampfen im Vakuum natürlich“, sagte Giovanni Cesaretti als Vertreter von Alta. „Daher führten wir die Düse des 3D-Druckers unterhalb der Regolith-Schicht ein. Wir fanden, dass 2 mm kleine Tröpfchen von dem Bodenmaterial durch Kapillarkräfte festgehalten werden und somit der Druckprozess tatsächlich im Vakuum funktioniert.“

Simulierter Mond-Regolith wird für die Forschung von speziellen Unternehmen produziert und üblicherweise pro Kilogramm verkauft. Das ESA-Projekt benötigt allerdings Tonnen davon.

„Als ein anderes nützliches Ergebnis entdeckten wir eine europäische Quelle für simulierten Mond-Regolith“, ergänzte Enrico Dini. „Basaltgestein von einem Vulkan in Zentralitalien erwies sich als zu 99,8% dem Mondboden zu entsprechen.

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(Die Mondbasis aus dem 3D-Drucker: Die aufblasbare Kuppel wird von fahrbaren Robotern mit einer dicken Schicht Mondstaub (Regolith) und einem Bindemittel bedruckt. Die Schicht schützt die Astronauten vor Weltraumstrahlung und Meteoriten)

Ausblick

„Diese Projekt fand statt im Programm der ESA für allgemeine Studien, in dem neue Themen betrachtet werden“, fasste Laurent Pambaguian als Leiter des ESA-Projekts zusammen. „Wir haben die grundlegenden Konzepte bestätigt und ein fähiges Team für die Folgearbeiten zusammengestellt.“

Faktoren wie die Kontrolle des Mondstaubes – gefährlich einzuatmen – und die Temperaturbedingungen auf dem Mond erfordern weitere Studien. Ein weiteres Forschungsthema ist die Abschirmung der Weltraumstrahlung durch die 3D-gedruckten Kuppeln. Entsprechende Messungen anhand des simulierten Mond-Regoliths wurde bereits durchgeführt und gehen in die weitere Entwicklung ein.

3D-Druck funktioniert am besten bei Zimmertemperatur. Auf dem Mond schwankt die Temperatur allerdings dramatisch im Tag- und Nacht-Wechsel, wobei die Tage und Nächte jeweils zwei Wochen dauern. Für zukünfte Mondsiedlungen würden seine Polargebiete noch die mäßigsten Temperaturschwankungen bieten, da dort das Sonnenlicht nahezu konstant streifend im flachen Winkel einfällt. Ein solcher Standort würde eine Mondbasis durchgängig mit mehr als genug Sonnenenergie versorgen.

Sonnenenergie soll auch in dem ESA -Projekt eine Rolle Spielen: Es soll eine andere 3D-Drucktechnik für den Mond erprobt werden, die konzentriertes Sonnelicht nutzt, um den Reolith zu schmelzen, statt chemisch zu binden.

Bis auf weiteres bleibt eine Mondbasis ein reines Gedankenspiel. Zumindest macht jede Studie in dieser Richtung die zukünftige Besiedlung des Mondes und vielleicht auch anderer Himmelskörper ein kleines Bisschen durchführbarer.

Video: 3D-printing a lunar base

 

 

Quellen: ESA/erkenntnishorizont.de vom 07.11.2014

http://www.pravda-tv.com/2014/12/die-mondbasis-aus-dem-3d-drucker-video/

Rheinwiesenlager: US-Major Merrit Drucker bittet um Verzeihung

von Moritz Schwarz

Die frühe Zeit alliierter Besatzung war auch geprägt von Menschenrechtsverletzungen an Deutschen. Eine Entschuldigung für diese verdrängten Verbrechen gab es nie. Ein ehemaliger US-Major will das Schweigen brechen. Die „Rheinwiesenlager“ haben ihn erschüttert.

Herr Drucker, Sie wollen sich entschuldigen?

Drucker: Ja, ich bitte das deutsche Volk um Verzeihung.

Sie haben deshalb sogar an die US-Regierung geschrieben.

Drucker: Ich habe darum gebeten, offiziell gegenüber Deutschland eine Entschuldigung abzugeben.

Haben Sie eine Antwort bekommen?

Drucker: Leider nein, nur quasi eine Empfangsbestätigung, keine inhaltliche Stellungnahme. Ich habe mich übrigens auch an den deutschen Botschafter in den USA gewandt, von dem ich aber leider gar keine Reaktion erhalten habe.

Warum?

Drucker: Ich weiß es nicht.

Was vermuten Sie?

Drucker: Ich vermute, daß das Thema Rheinwiesenlager einfach zu brisant ist für das deutsch-amerikanische Verhältnis und beide Seiten eigentlich ganz zufrieden damit sind, nicht daran zu rühren.

Sind Sie enttäuscht?

Drucker: Ein wenig schon, obwohl ich natürlich damit gerechnet habe.

Warum wollen Sie sich eigentlich entschuldigen?

Drucker: Weil ich während meiner Stationierungszeit als US-Offizier in Deutschland erfahren habe, was damals geschehen ist. Heute glaube ich, daß es gerecht und notwendig ist, sich bei den Deutschen dafür zu entschuldigen.

Aber warum Sie? Sie waren damals weder beteiligt noch sind Sie die US-Regierung.

Drucker: Das ist richtig. Aber ich habe etwas Philosophie und Völkerrecht studiert. Ich glaube, daß es sehr wichtig ist, daß sich Nationen, wenn sie Krieg führen, an Regeln halten, und es hat nie eine Untersuchung über die Rheinwiesenlager gegeben, weder von amerikanischer noch von deutscher Seite. Mir ist natürlich völlig klar, daß ich nur ein Privatmann bin und nicht für die USA sprechen kann. Aber ich vergesse die Worte des älteren Deutschen nicht, die er damals so zornig zu mir sprach und mit denen für mich alles begann: „Ich war in Rheinberg.“

Kaum ein Deutscher kann heute damit etwas anfangen.

Drucker: Das ging mir damals genauso, als ich im Herbst 1987 in die Lüneburger Heide kam. Ich sollte als leitender Offizier die aus einem Nato-Manöver zurückkehrenden US-Soldaten betreuen und wurde dafür zum Bundeswehrstandort Trauen bei Munster abkommandiert. Dort lernte ich etliche Deutsche kennen, einer war Otto Stover. Ich verstand erst nicht, was er damit meinte, in Rheinberg gewesen zu sein, denn soweit ich wußte, gab es dort keinen Bundeswehrstandort. Dann aber begann er zu erzählen.

Bei Rheinberg am Niederrhein war eines der unter dem Oberbegriff „Rheinwiesenlager“ bekanntgewordenen US-Lager für Kriegsgefangene der Wehrmacht.

Drucker: Über sieben Millionen Mann wurden ab 1945 in amerikanischen und französischen Lagern in ganz Nordwest-Europa auf Monate interniert, Soldaten, Reichsarbeitsdienst, Hitlerjungen und Zivilisten, die vielleicht zufällig einen Armeemantel trugen. Im geheimen und im Widerspruch zum Völkerrecht wurden diese Gefangenen zu „entwaffneten feindlichen Streitkräften“ erklärt.

Warum?

Drucker: Das ermöglichte, ihnen ihre Rechte gemäß der Genfer Konvention zu verweigern. So konnte etwa das Rote Kreuz die Lager nicht mehr inspizieren.

Aber warum haben die US-Streitkräfte das gemacht?

Drucker: Es ist mir wichtig, klarzustellen, daß das nicht auf Initiative der Armee geschah – sondern der Politik. Warum? Nun, ich glaube, dies entsprang dem Wunsch nach Vergeltung, nach Bestrafung und Rache an den Deutschen.

Sie „glauben“?

Drucker: Nachdem ich mich intensiv mit den Rheinwiesenlagern beschäftigt habe, ist dies meine vermutete Erklärung – belegen läßt sich dies jedoch nicht. Tatsache aber ist, daß die Versorgung in den Lagern völlig unzureichend war, daß es für die meisten Insassen keine Unterkünfte gab, ebenso kaum sanitäre Einrichtungen, kaum medizinische Betreuung, ja sogar zu wenig Trinkwasser. Täglich aber kamen Tausende Neuankömmlinge per Lastwagen in die überfüllten Lager. Unglücklicherweise war zudem das Wetter kalt und naß und bald glichen die Lager riesigen Schlammseen. Die Häftlinge gruben aus Verzweiflung Erdlöcher, weil sie sonst keinen Schutz fanden. Cholera und Typhus breiteten sich aus, Tausende starben an Krankheiten, Unterernährung, der Witterung und an seelischem Zusammenbruch.

Es heißt, die US-Armee war auf die Vielzahl von Gefangenen nicht vorbereitet und sei daher nicht in der Lage gewesen, im verwüsteten Deutschland genug Versorgungsgüter aufzutreiben.

Drucker: Ich widerspreche! Zum einen läßt es sich durchaus belegen, daß man in der Lage gewesen wäre, auch eine so große Zahl von Gefangenen zu versorgen. Etwa unter anderem auch mit Material aus Beständen der Wehrmacht. Zum anderen hätte man ja keineswegs so viele Menschen so lange gefangenhalten müssen, wenn klar ist, daß man sie gar nicht versorgen kann. Nehmen Sie etwa den bekannten US-General George Patton: Der entließ seine Gefangenen einfach recht zügig. Überhaupt hätte die Wehrmacht auch ohne diese Lager demobilisiert werden können.

War das Sterben im Lager erwünscht oder war es den Verantwortlichen einfach egal?

Drucker: Tja, eine sehr heikle Frage.

Der kanadische Autor James Bacque veröffentlichte 1989 ein Buch über die Rheinwiesenlager, dessen deutscher Titel „Der geplante Tod“ lautet.

Drucker: Nun, wie weit ging dieser Wunsch nach Rache? Tatsache ist, daß es zum Beispiel der deutschen Bevölkerung verboten wurde, die Lagerinsassen zu versorgen. Oder daß deutsche Verwundete aus Hospitälern in die Lager verlegt wurden, obwohl sie dort nicht entsprechend versorgt werden konnten.

Historiker kommen zu dem Schluß, die Behauptungen Bacques ließen sich nicht belegen: Von einem „geplanten Tod“ könne keine Rede sein – zumal sein Buch im Englischen einen ganz anderen Titel hat.

der_geplante_tod-9783932381461_xxlDrucker: Das ist einer der Gründe, warum ich eine Untersuchung fordere.

Es heißt, die Zahl der Todesopfer, die auf zehn- bis vierzigtausend geschätzt werden, sei keineswegs überdurchschnittlich.

Drucker: Dieses Argument finde ich bizarr. Allen, die glauben, es handle sich um natürliche Sterbeziffern, empfehle ich, im Frühjahr mal drei Monate ununterbrochen im Freien zu hausen, ohne ausreichend versorgt zu werden. Mal sehen, ob sie danach immer noch solche Ansichten vertreten.

Ähnlich wie Bacque, gehen Sie von einer enorm hohen Opferzahl von 750.000 Toten aus. Historiker weisen das klar zurück.

Drucker: Bevor sie das tun, sollten sie lieber ihre Arbeit machen und versuchen, die tatsächlichen Zahlen ordentlich zu ermitteln, statt Schätzungen abzugeben, die keine realistische Grundlage haben.

Herr Bacque ist selbst allerdings lediglich Publizist, kein Historiker.

Drucker: Was wollen Sie damit sagen?

Er mag persönlich integer sein, aber er ist nicht vom Fach.

Drucker: Ich halte James Bacque absolut für fähig, die Dokumente, die er gesichtet hat, korrekt auszuwerten, da habe ich keine Zweifel.

Fürchten Sie nicht, Ihr Bemühen um eine öffentliche Entschuldigung Ihrer Regierung zu entwerten, wenn Sie von Opferzahlen ausgehen, für die es nach Ansicht von Historikern keine Belege gibt?

Drucker: Andersherum: Es gibt offenbar gar kein Interesse, die wahren Opferzahlen zu klären, das ist doch seltsam.

1987 stießen Sie auf das Thema, aber erst 2011 haben Sie Ihre Entschuldigung an die Deutschen formuliert, die dann im Nachrichtenmagazin „Focus“ erschienen ist.

Drucker: Für mich setzte sich das Bild ja erst nach und nach zusammen. Zum Beispiel fuhr ich nach meiner Begegnung mit Otto Stover nach Rheinberg und fand dort ein Mahnmal für 3.000 umgekommene deutsche Soldaten – was ich seltsam fand, denn in Rheinberg hatte es im Krieg gar keine Kämpfe gegeben. Dann las ich so um 1990 Bacques Buch und erst da wurde mir klar, daß Rheinberg nur Teil einer weit größeren Angelegenheit war. Allerdings, ich verlor das Thema wieder aus den Augen.

Warum?

Drucker: Na ja, Sie wissen doch vielleicht, wie das ist, die Arbeit, das Leben, der Alltag, tausend Dinge, die einen ablenken. Schließlich ruhte das Thema für Jahre, erst 2011 holte es mich wieder ein.

Wie das?

Drucker: Ich weiß nicht, es kam wieder.

Im Oktober 2011 haben Sie versucht, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, indem Sie in einem Konferenzraum in einem Washingtoner Hotel Ihre Entschuldigung „offiziell“ verlesen haben.

Drucker: Ja, denn die meisten Amerikaner wissen nichts über die Zeit der US-Besatzung in Deutschland. Wir haben gesiegt, dann kam die Besatzung und dann die Berlin-Blockade mit der Luftbrücke. Diese Jahre dazwischen sind so etwas wie eine Leerstelle. Kaum ein Amerikaner weiß, daß dies eine Zeit des Hungers und der Not für die Deutschen war. Sie wissen nichts über die Millionen Ost-Flüchtlinge, nichts über die Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit unter der alliierten Militärregierung und nichts über die Rheinwiesenlager.

Es kam auch anderweitig zu Verbrechen und Grausamkeiten der US-Truppen nach Kriegsende in Deutschland.

Drucker: Ja, auch damit beschäftige ich mich inzwischen. Auf der einen Seite haben unsere Soldaten sehr hart und tapfer gekämpft, um das Dritte Reich zu erobern, und sie haben einen hohen Preis bezahlt. Auf der anderen Seite haben manche von ihnen sich anschließend sehr schlecht benommen – ebenso wie Soldaten anderer Mächte, einschließlich Deutschlands. Aber es stimmt, die Zeit der US-Besatzung war (ist) auch eine Zeit der Rechtlosigkeit der Deutschen und eine Zeit auch von Verbrechen und Grausamkeiten, die leider ebenfalls von amerikanischen Soldaten verübt wurden.

Wie reagieren Amerikaner, denen Sie davon erzählen?

Drucker: Man ist erstaunt und hört zu.

Sie werden nicht der Lüge bezichtigt?

Drucker: Das ist mir nicht passiert.

Kein Vorwurf, Sie schmälerten den Ruhm der US-Armee mit „Gräuelpropaganda“.

Drucker: Nein.

Was haben Sie selbst empfunden, als Ihnen klar wurde, daß US-Truppen in Deutschland auch an Verbrechen beteiligt waren?

Drucker: Ich war geschockt und enttäuscht. Heute ist mir klar, daß sich die US-Armee mit ihrer Geschichte auseinandersetzen sollte – ich meine mit ihrer realen Geschichte, nicht mit der Mythologie. Und ebenso mit dem Thema Menschenrechte und den Auswirkungen ihrer Kriegsführung auf die Zivilbevölkerung und auch auf die Umwelt.

Ziehen Sie Parallelen zu heutigen Kriegen?

Drucker: Gute Frage. Auf der einen Seite haben wir die im Irak 2003 gemachten Kriegsgefangenen korrekt behandelt. Auf der anderen Seite aber gab es später den Fall Abu Ghraib. Das zeigt, daß unsere Armee lernen muß, noch viel sensibler in Sachen Menschenrechte zu werden.

In Deutschland stößt Ihre Initiative bei offizieller Seite auf völliges Desinteresse.

Drucker: Es ist bedauerlich – überhaupt, daß die Deutschen sich so wenig für ihre eigenen Opfer von damals interessieren. Ich meine auch, die deutschen Soldaten haben im Zweiten Weltkrieg tapfer für ihr Land gekämpft und haben ein ehrendes Andenken verdient.

Gerne betonen Sie Ihre Distanz zu „rechtsradikalen“ Gedanken. In Deutschland gilt allerdings eine Haltung wie die Ihre durchaus als latent „rechtsradikal“.

Drucker: Es stimmt, diese Distanz ist mir sehr wichtig. Aber dieser Verdacht ist Unsinn. Wenn ich Deutscher wäre, dann wäre ich politisch wohl am ehesten so etwas wie ein Grüner.

Sind Sie heute Pazifist?

Drucker: Nein, ich meine, alle Nationen haben das Recht, sich zu verteidigen. Denn wenn wir für unsere Rechte notfalls nicht auch zur Waffe zu greifen können, dann sind diese Rechte nichts wert. Aber wir sollten uns Mühe geben, Kriege zu vermeiden und wenn wir sie führen, dies verantwortungsbewußt tun.

Dann sind Sie auch heute noch stolz darauf, Uniform getragen zu haben?

Drucker: Ich habe meinem Land und meiner Armee ehrenvoll gedient und bin stolz, ehemaliger Soldat zu sein. Und ich meine, zu meinen patriotischen Pflichten gegenüber den USA gehört es auch, dazu beizutragen, daß das Unrecht, das einst durch die USA an den Deutschen begangen wurde, beim Namen genannt wird. Und daß wir uns dafür entschuldigen, um die Gerechtigkeit und damit auch die Ehre der USA in dieser Frage wiederherzustellen.


Merrit Drucker, der ehemalige Fallschirmjäger, Jahrgang 1951, und Major der US-Armee mit Studienabschlüssen in Psychologie, Philosophie und Management, ist heute Abteilungsleiter in der Verwaltung der US-Hauptstadt Washington. Bekannt wurde er, als das Nachrichtenmagazin Focus Ende 2011 seine Entschuldigung an die Deutschen ganzseitig abdruckte. Darin spricht er über das lange beschwiegene Kapitel der Rheinwiesenlager, einem Teil der alliierten Kriegsgefangenenlager, in denen etwa eine Million Deutsche interniert waren.

Drucker beschreibt die Lage dort unter anderem so:

„Die Situation bedeutete einen völligen Rechtsverlust … Lebensrettende Rotkreuz-Pakete kamen nicht an, Postverkehr war verboten. Angehörige erhielten keine Nachricht. Ortsansässige durften die Gefangenen nicht verpflegen … Diese wurden nicht registriert und Todesfälle und Begräbnisorte nicht verzeichnet.“

Und er resümiert:

„Dem deutschen Volk spreche ich meine Entschuldigung aus und erinnere daran, daß auch seine ehemaligen Kriegsteilnehmer die Erinnerung verdienen, die tapferen Soldaten gebührt.“

 

Gefunden beim BRD-Schwindel.

Seht auch: Sommers Sonntag 29 – Die Rheinwiesenlager

http://sommers-sonntag.de/?p=16371