Wie Ihr
alle schon gelesen habt, hatte ich dieser Tage eine sehr nette
Begegnung der vorletzten Art mit anschließender Exkursion in die
schattigen Gefilde
„unserer“ Justiz. Das Essen, die Gesellschaft, die sauberen
Räumlichkeiten und vor allem die Aussicht (obgleich etwas milchig) waren
kein Vergleich zu dem
Aufenthalt, als ich mich mal versehentlich im feuchten Kohlenkeller
eingeschlossen hatte. Meine Empfehlung, mindestens 4 Sterne, oder hab
ich das jetzt verwechselt…
Nein, ich erinnere mich wieder, es waren 3 Sterne, 3 silberne, und zwar
jeweils auf der linken und rechten Schulter eines sehr intelligenten und
aufgeschlossenem Herrn in Blau. Diesen lernte ich durch einen
unglaublichen Zufall kennen. Wie es dazu kam…
Eines schönen Morgens, als ich, zugegeben etwas zu eilig mit meinem Pkw
unterwegs war, sah ich des Wegesrandes zwei Herren in seltsamer blauer
Bekleidung,
wie wild gestikulierend stehen. Mein innerstes Gefühl sagte mir, das
hier Hilfe nötig sei und so hielt ich eben an.
Einer der Blau-bekleideten trat an mein Fahrzeug heran, sah sichtlich
erleichtert aus und freute sich, mich mit den herzlichen Worten “ Wir
haben Sie mit 65 km/h gemessen“ begrüßen zu dürfen. Auch ich war sehr
erfreut einem solch höflichen Menschen zu begegnen, so das es mein
Herzenswunsch war, ihn näher kennenzulernen. Auch er war an einer
Vertiefung dieses sozialen Kontaktes sehr interessiert, da er sich sehr
darum bemühte, zu erfahren wer ich wohl sei und wo ich
wohne. Nun vermutlich war er aber darüber hinaus ein sehr argwöhnischer
Mensch, da er mir nicht so recht glaubte und einen Beleg für meinen
Wohnsitz forderte.
Auch schien er mir etwas schüchtern, als ich ihn fragte wer er denn sei
und ob er mir dies auch belegen könne, deutete er verlegen auf seine
Bekleidung.
Nun kenne ich mich nicht so gut mit Modetrends und Bekleidungsfarben
aus, so das er meinen fragenden Gesichtsausdruck bemerkt haben muß und
nun hilfesuchend auf sein Fahrzeug deutete. Da stand ein Pkw, ebenfalls
in Blau, so das ich schlußfolgerte, das dieses etwas mit dem netten
Herrn zu tun haben muß. Aber auch die Aufschrift „POLIZEI“ auf diesem
Fahrzeug sagte mir nichts. Freilich hab ich sowas schon oft auf den
Strassen gesehen, aber auch Autos mit der Aufschrift „TAXI“ sehe ich
alle Nase lang, und weiß trotzdem nicht wer drin sitzt….
Neugierig wie ich aber bin, bat ich den Herrn in Blau nun nochmals um
einen Nachweis, wer er denn wohl sei. Das muß ihn sehr mitgenommen
haben, denn er zeigte mir darauf hin sichtlich nervös und zittrig einen
kleinen Dienstausweis. Aha, dachte ich, dieser Mann ist gerade im
Dienst, und mir kam eine Erleuchtung.
Dann verdient er also seinen Lebensunterhalt mit dem Anbieten von
Dienstleistungen, wie die schon benannten Inhaber eines „TAXI“ oder
die
eifrigen Mitarbeiter des „ADAC“, was ja nicht weiter verwerflich ist,
aber bei Haustür- und Strassengeschäften bin ich schon immer sehr
skeptisch gewesen. Habe gelegentlich gehört das es sogar Leute gibt, die
Eis an Eskimos verticken….
Kurz gesagt, stand meine Entscheidung fest und ich teilte dem nun schon
etwas ungeduldigen Herrn mit, das ich nicht an einem Geschäft
interessiert sei.
Das schien ihn derart zu verärgern, das er mich aufforderte aus meinem
Fahrzeug auszusteigen und ihn zu seinem Pkw zu begleiten. Besorgt um
seine Gesundheit, und um ihn nicht weiter aufzuregen, folgte ich ihm. Er
öffnete die Heckklappe und suchte nach irgend etwas. Leider war der
Inhalt des Kofferraumes etwas durchgewürfelt (oder ganz bewußt nach
einem mir unbekannten System geordnet), so das er eine Weile brauchte um
diesem System Schreibgerät und Schreibblock abzuringen. Sichtlich
aufgeregt befragte er mich erneut nach meinem Wohnort, meinem Namen und
anderen persönlichen Daten. Irgendwie bekam ich das Gefühl,
zu einem Geschäftsabschluß überredet zu werden. Ich teilte dem
diensteifrigen Herrn mit, das dies nicht mein Wille sei, ohne auf seine
Fragen einzugehen und verabschiedete mich anschließend höflich von ihm.
Beim Wegfahren dachte ich dann nur mit Bedauern daran, zu welchen
Geschäftsgebaren viele Menschen gezwungen werden um ihre Brötchen zu
verdienen. Irgendwann, nach einigen Monaten hatte sich diese Begegnung
dann im grauen Vergessen verloren…
Das Laub fiel von den Bäumen als ich eines kühlen Morgens mit freudiger
Überraschung Post in meinem Briefkasten fand.
Voller Spannung und Vorfreude hastete ich zurück ins Haus um dann in
aller Ruhe bei einer Tasse heißen Kaffee in Erfahrung zu bringen, wer da
an mich dachte und
von der Ferne grüßte. Ich öffnete den Brief und entdeckte den Absender.
Das ist ja toll, dachte ich, die Otto-Dix-Stadt Gera weiß von mir und
läßt mich grüßen.
Meine Freude war riesengroß, zumal ich nur sehr selten Post von einem
lieben Menschen bekomme, meistens ist nur Werbung im Briefkasten.
Freilich war der Brief auch mit Maschine geschrieben, wie es heute
allgemein üblich ist, aber da er ganz unten einen blauen Kringel mit
einem Haken hatte,
vermutete ich, das dieser Brief schon persönlichen Charackter hat und
von einem richtigen Menschen geschrieben wurde, genauer gesagt von einer
Frau Zickert, so ließ jedenfalls der Breifkopf vermuten. Gespannt
darauf, was mir die Frau Zickert mitzuteilen hatte, begann ich den Brief
zu lesen.
Er war nicht gerade überschwenglich emotional und sehr kurz und bündig
gefasst, was darauf schließen ließ, das die Frau Zickert eine sehr
beschäftigte Person ist, um so geehrter fühlte ich mich, von ihr zu
lesen. Sie teilte mir mit das ich eine Geschwindigkeitsübertretung
begangen habe und nun 25 Euro zahlen müsse.
Etwas enttäuscht darüber, das das inhaltlich schon alles war, machte
mich aber dennoch ihre Begründung, der Bezug auf eine ominöses OWiG,
neugierig.
Ich mußte mich einfach schlau machen, was dieses OWiG wohl beinhaltete
und laß einfach mal im Internet nach. Schien so etwas wie ein Regelwerk
zu sein, eine Menge Dinge die man hier nicht machen darf und was
passieren kann, wenn man es doch tut standen da drin. Stutzig machte
mich allerdings im Kapitel 5 (oder wie das heißt, kenn mich mit dem
Rechtskram nicht so aus), das diese Regeln nur im Geltungsbereich des
OWiG, auf Schiffen und Luftfahrzeugen mit BRD-Logo gelten.
So sehr ich auch suchte, fand ich keinen Geltungsbereich in dem ganzen
Regelwerk. Unsicher geworden, ging ich nach unten zu meinem Pkw und zog
sogar die Bedienungsanleitung zu Rate. Ich konnte aber keinen Hinweis
auf einen Anker oder gar Flugtauglichkeit meines Pkw entdecken. Hab auch
noch nie gehört, das ein Auto sowas dran hat oder fliegen kann…..
Mir kam der Gedanke, das sich die Frau Zickert wohl einen Scherz mit mir
erlaubte. Um ihr mit dem selben Witz den Tag zu versüßen, hatte ich mir
gedacht, ich schreib ihr einfach zurück, das sich mein Fahrzeug zu dem
Zeitpunkt gar nicht an dem Ort befunden hat sondern im Hangar in Berlin
Schönefeld zur Wartung stand.
Aber das wäre wohl nicht angemessen gewesen. Auch zweifelte ich daran,
das eine so schwer beschäftigte Frau Zeit für derartige Scherze übrig hat.
Also nahm ich an, das sie das schon ernst meinte, aber im Arbeitsstreß
wohl übersehen haben muß, das dieses ominöse OWiG ja so gar nicht auf
mich anwendbar ist.
Dies teilte ich ihr dann auch höflich aber bestimmt schriftlich mit.
Eine Antwort ließ dann auch gar nicht lange auf sich warten.
Die Frau Zickert teilte mir mit, das sie nicht erkennen kann ob es sich
bei meinem Schreiben um einen Widerspruch handele. Sie bestand weiterhin
auf der Zahlung der 25 Euro und verlor keinen Satz bezüglich meiner
Hinweise, dieses ominöse OWiG betreffend. Sie will also unbedingt das
Geld, dachte ich so bei mir und erinnerte mich wieder an die Begebenheit
mit dem eifrigen Dienstleister in Blau, damals an der Straße. Ob die
beiden wohl unter einer Decke stecken und gemeinsame Sache machen? Will
man mich so doch noch zu einem Geschäftsabschluß locken? Also entschloß
ich mich der Frau Zickert mal auf den Zahn zu fühlen und nachzufragen,
ob ich denn mit ihr ein Geschäft abschließen muß und wenn ja, warum das
so ist. Ich darf ja auch nicht jedes Kamel zu einem Deal mit Sand
zwingen….
Also muß es da doch etwas geben, was die Frau Zickert auszeichnet und
befähigt, zwingen zu dürfen. Und genau das teilte ich ihr auch so mit
und forderte dazu eine
Antwort an. Leider habe ich darauf nur die Information erhalten, das ich
25 Euro zahlen solle und nur so um ein Bußgeldverfahren herumkomme. Mit
dem Bußgeldbescheid kam auch die Erhöhung des zu zahlenden Betrages auf
nunmehr insgesamt 48,50 Euro.
Was bis heut nicht kam, ist die Antwort auf meine Fragen. Ich muß die
Frau Zickert damit so geärgert haben, das sie sich entschied ihren
großen Bruder oder Kumpel
namens „gez. Willhelm“ auf mich loszulassen. Ich vermute das die
beiden
auch in irgendeiner Geschäftsbeziehung stehen, da der Herr gez. Willhelm
jetzt von mir die 48,50 Euro haben wollte. Sollten jetzt Unklarheiten
auftreten, wie sich die beiden das dann aufteilen…. ich hab keine
Ahnung, wäre aber auch mal eine Frage wert.
Wollte da ja mal telefonisch nachfragen, in dem Unternehmen in dem der
Herr gez. Willhelm tätig ist, laut seinem Briefkopf. Den gibts aber dort
gar nicht, zumindest nicht den, der den Brief unterschrieben haben
soll…merkwürdig.
Noch interessanter wird es aber mit einem erneuten Schreiben, das ich
erhielt. Entweder hat die Frau Zickert einen sehr großen Freundeskreis
oder der Herr gez. Willhelm kennt auch wiederum eine Menge Leute. Ein
Herr Berndt, wieder von einem anderen Unternehmen, wollte jetzt
plötzlich auch noch Geld von mir…
Alternativ dazu bot dieser mir an, einen Tag in einer JVA Gera zu
verbringen. Da ich eigentlich recht zufrieden mit meiner eigenen
Behausung bin und auch keinen Zusammenhang zwischen einer Unterbringung
in einer fremden Unterkunft und Antworten auf meine Fragen sehe, ist die
Empfehlung des Herrn Berndt möglicherweise lieb gemeint, aber für mich
nicht interessant. Weshalb ich sein Schreiben einfach ignorierte. Wer
weiß, wen der wieder kennt….
Und irre wie es zugeht auf der Welt, begegnete mir am Mittwoch Mittag
eben jener besagte 3-besternte, in Blau gekleidete junge Mann mitten auf
meinem Grundstück, das er ganz ohne Aufforderung und völlig selbstlos
betreten hatte, um mir Gesellschaft zu leisten. Nach einem kurzen
Small-Talk zeigte er mir
einen roten Zettel, den er in einer Mappe versteckt hatte (sollte wohl
eine Überraschung werden), und ihr ahnt bereits was jetzt kommt….
Der 3-besternte kennt nämlich wiederum den Herrn Berndt, und von dem hat
er den Zettel bekommen. Und freilich wollte nun auch der Besternte Geld
von mir.
Da war mir alles klar. Das muß ja ein riesiges Unternehmen sein, das die
so viele Leute haben, die sie wegen 25 Euro in die Spur schicken können,
oder ist der Laden etwa pleite und auf die 25 Euro angewiesen?
Letzendlich hatte ich 4 Leute von diesem Unternehmen auf dem Hof, die
mich keine Sekunde aus den Augen ließen und mich sogar auf Schritt und
Tritt verfolgten, wie der Besternte, der seinem Namen alle Ehre
machte…. Herr Klette.
Weiterhin eine Frau Eichentopf, eine hübsche Frau an sich, leider
sachlichen Auseinandersetzungen nicht zugetan und etwas gestreßt, auch
im Hinblick auf Kenntnisse des Thüringer Polizeiaufgabengesetzes,
speziell des §6. Ein Herr Wilke, der nach seiner Meinung begangenen OWi
mit dem Opfer um die Zahlung feilscht aber sonst in rechtlichen Fragen
keine Diskussion zuläßt und für ihn gültige Gesetze ignoriert. Alles in
allem war es jedoch eine recht lehrreiche und interessante Veranstaltung
aus der, so hoffe ich, alle Beteiligten etwas mitnehmen konnten…. auch
wenn es für die drei benannten wahrscheinlich nur meine Person war.
An dieser Stelle möchte ich dennoch anmerken, das es auch noch wirkliche
Polizisten gibt, die Mensch geblieben sind trotz der täglichen
Konditionierung.
Einen solchen durfte ich an jenem besagten Mittwoch kennenlernen. Jungs
achtet darauf , das Ihr solche Menschen erkennt.
Auch wenn es nur 24 Stunden waren, es ist nicht angenehm auf 12 qm
eingeschlossen zu sein, zuzüglich dem Bewußtsein das es Unrecht ist.
Auch ich war für kurze Zeit geneigt das Schutzgeld zu bezahlen, jetzt
während ich das hier schreibe, bin ich froh darüber, das ich es nicht
getan habe.
Daher mein großer Dank an alle, die mit mir zusammen einen Weg gehen,
die mich kritisieren und mich in meinen Ansichten bestätigen.
Vielen Dank an Ingo, den ich mehr als oft genervt habe, der mich gerade
in rechtlichen Fragen sehr ausdauernd informiert hat und den ich auch
menschlich als Freund nie missen möchte. Vielen lieben Dank an Marina,
Uwe und Axel für Eure Hilfe und Euren Beistand. Danke Jürgen für Deine
Bereitschaft und Freundschaft.
Danke und herzliche Grüße auch nach Jena an Lüne , Günter und Ralf, ohne
Euch hätte ich sicher nicht die Erkenntnisse und Hoffnung,die mich dies
alles hier ertragen lassen. Gleichfalls Danke an alle die ich hier nicht
gesondert genannt habe, die aber alle samt mit mir Anteil daran haben
werden, das sich alles zum Guten wenden wird.
Heil Euch
andreas