Banker : Bargeld muss abgeschafft werden , um die Zivilisation zu retten

Im globalen Kampf gegen das Bargeld verschärft die Finanzindustrie das Tempo.
Denn nur, wenn Geld elektronisch überwiesen wird, verdienen die Banken.
Die Regierungen unterstützen den Kampf, weil die Finanzminister am liebsten
jede einzelne Überweisung der Bürger überprüfen möchten.

Geldmünzen und Geldscheine gehören zu unserem Alltag, doch wenn es nach den Plänen der
Finanzindustrie geht, könnte das phyissche Geld bald der Vergangenheit angehören.
So häufen sich die Forderungen, den gesamten Geldverkehr elektronisch zu regeln.

Die Banken bleiben dabei nicht beim einfach Bequemlichkeits-Argument stehen, sondern haben
einen regelrechten Kulturkampf ausgerufen: „Der Kampf gegen das Bargeld ist ein Kampf für
die Zivilisation“, zitiert la Repubblica den Chef der Vereinigung der
italienischen Banken (ABI) Giovanni Sabatini.

Die italienischen Banken sind besonders kreativ und haben die Kampagne
„Krieg gegen das Bargeld“ gestartet, worin sie behaupten, Bargeld sei nicht nur altmodisch,
sondern auch „teuer, gefährlich, schmutzig und unpraktisch“.

Den Menschen soll so offenkundig ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn sie bar bezahlen,
anstatt ihre Kreditkarten zu benutzen. Doch die Ablehnung des Bargelds durch die Banken hat
eine ganz andere Ursache. Sie verdienen an allen Transaktion außer denen mit Münzen und Scheinen.

Deshalb kämpfen sie für ein Bargeldverbot.

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Die Überlebensfrage der Demokratie

Mein Urerlebnis mit Top-Managern der Finanzindustrie hatte ich 2002.
Damals war ich Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber. Roland Berger hatte für
Stoiber im Hotel “Vier Jahreszeiten” in München ein intimes Treffen mit den
Vorstandschefs der größten deutschen Unternehmen arrangiert. Ich begleitete Stoiber.

Es war die Crème de la Crème der Industrie. Vom Lufthansa-Chef über den
Henkel-Vorstandsvorsitzenden bis zum Backkonzern-Eigentümer August Oetker.
Dabei waren auch zwei Vertreter der Finanzindustrie: Rolf Breuer, Chef der
Deutschen Bank, und Henning Schulte-Noelle, Vorstandsvorsitzender der Allianz.
Diese beiden Männer erlebt zu haben, prägt mich bis heute.

Denn Breuer und Schulte-Noelle interessierten sich weder für Stoibers
gesellschaftspolitischen Ansichten noch für seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen.
Desinteressiert rutschten sie auf ihren Sesseln herum, bis das einzige Thema,
das sie bewegte, zur Sprache kam: die von Stoiber im Fall eines Wahlsieges
angekündigte Rücknahme der Steuerfreiheit von Veräußerungsgewinnen.

Da wurden Breuer und Schulte-Noelle plötzlich wach. In aggressivem Ton,
herrisch und arrogant forderten sie Stoiber auf, diese Ankündigung zurückzunehmen.
Denn die beiden waren gerade dabei, ihre milliardenschweren Industriebeteiilgungen
steuerfrei zu verkaufen.

Stoibers Einwand, finanzpolitische Zumutungen müssten immer sozial ausgewogen sein,
man könne nicht die “kleinen Leute” belasten und die Industrie beschenken, interessierte
sie einen Dreck. Ihnen ging es nur um ihr Geschäft und die ausgerechnet von der
rot-grünen Regierung beschlossene Steuerfreistellung.

Für Stoiber war der Abend ernüchternd, für mich erschreckend, für Roland Berger ein Fiasko.
Zum ersten Mal hatte ich hautnah erlebt, mit wie wenig gesamtgesellschaftlicher
Verantwortung Manager der Finanzindustrie agieren.

Seitdem gab es die Lehman-Pleite, die von unverantwortlichen Bankmanagern verursachte
Weltfinanzkrise, deren Institute anschließend vom Staat mit Abermilliarden gerettet
werden mussten. Und bis heute hat sich, bis auf kleine Korrekturen, nichts geändert.

Investmentbanken und Hedgefonds agieren wieder wie vor der Krise, Großbanken
manipulieren die Zinsen, die Manager lassen sich Traumgehälter und Phantasieboni
auszahlen, Milliardenhilfen für Griechenland und andere notleidende Staaten gehen
zu 80 Prozent zurück an die Banken. Das Primat der Politik steht nur noch auf dem Papier,
in Wirklichkeit bestimmt die Finanzindustrie den Takt der Politik.

Vor diesem Hintergrund ist es erschütternd, wie schnell die Vorschläge von Sigmar Gabriel
zur Bankenregulierung als “Populismus” (Wolfgang Schäuble) abgebürstet wurden.
Denn der SPD-Chef hat recht, wenn er die Frage der Kontrolle der Finanzindustrie zur
Überlebensfrage der Demokratie erklärt. Deshalb ist das Thema Finanzmarktregulierung
auch das richtige Wahlkampfthema.

Warum sollen die Bürger noch wählen gehen, wenn anschließend Hedgefonds und Banken die
Politik diktieren? Ohne Finanztransaktionssteuer, die den irrwitzigen Hochfrequenzhandel
eindämmt und wenigstens ein bisschen  Geld für den Staat abschöpft, ohne die Trennung
von Privatkundengeschäft und Investmentbanking, ohne strenge Aufsicht über Hedgefonds,
ohne Genehmigung und Verbot von Spekulationsprodukten, ohne Begrenzung der Gehälter
und Boni, wird das “Monster” (Ex-Präsident Horst Köhler) nicht besiegt werden können.

Von der regierenden schwarz-gelben Koalition ist in dieser Hinsicht nichts mehr zu erwarten.
Deshalb müssen darüber die Wähler 2013 entscheiden. Denn die Breuers und
Schulte-Noelles von heute lernen freiwillig nichts dazu, reagieren taub und frech
auf Appelle an die gesellschaftliche und politische Verantwortung.

Das geht nur mit Zwang.

Quelle : Sprengsatz.de