Während die politische Führung in der Semperoper die selbst ins Leben gerufene
Party mit handverlesenen, leider auch teils tränenverschmierten Gala-Gästen feiert,
werden alle andern draußen im Regen stehen gelassen.
Die Medienschaffenden ignorieren den leicht elitär-abgekapselten Geschmack
dieser Szenerie und setzen an diesem Tag, an dem es um Einigkeit gehen könnte
und um Gemeinsamkeiten, alles auf eine Ost-West-Spaltungs-Erzählung, dergemäß
sozusagen die in den 10 ostdeutschen Landtagen sitzende AfD Schuld der Ossis ist,
die nur alle zu viel rumjaulen würden, obwohl es ihnen so dermaßen gut geht und
sie noch nicht, wie zb in immer mehr Schulen in NRW, „Toilettengeld“ in den Schulen
zahlen müssen.
In vollkommen ernst gemeintem Unverständnis über die teils äußerst gewürzten
Widersprüche und gemütsschlichten Ausfälligkeiten gegen unser aller gnädiger
Kanzlerin, die uns ein ums andere Mal mit ruhiger Hand, Sachverstand und
abwägendem Blick durch die Krisen führte – erstaunte manch ein Blatt sogar mit
der wirklich Einheit stiftenden Feststellung, nach 26 Jahren sei dies nun das
erste Jahr ohne wirkliche Einheit.
Von außen betrachtet kann es dabei alles so aussehen, als jaulte der Blätterwald
nun darüber, dass er die Ausgebuhten gegen die Buhrufer verteidigen muss, weil er
sich allzu leichtfertig und vor allem allzu häufig auf deren Seite geschlagen hatte
und die als im zerbröseln begriffene Einheit ist in Wahrheit entweder die zwischen
Ausgebuhten und Buhrufern oder die zwischen Ausgebuhten und deren literarischen
Anwälten, vielleicht sogar beides, was aber insofern einerlei ist, als es beides
das Geschäft dieser Schriftsteller nun deutlich anstrengender machen könnte.
„Eine neue, große Erzählung“ wird wohl diesmal nicht reichen, ja man, sowas doofes,
aber was machen wir denn dann? Beschimpfen wir erstmal die „Ossis“ und schleimen bei
den „Wessis“, dies aber leider leicht an der Tatsache vorbei, dass diese Unterscheidung
in Deutschland eigentlich überhaupt niemanden mehr interessiert, vermutlich nicht einmal
Pegida.
Nur ein gallisches Dorf aus Schriftschaffenden und Führungsverantwortungstragenden
verteidigt seine Idee eines Ost-West-Hell-Dunkel-gespaltenen Deutschlands, welches
außerhalb dieses gallischen Protestler-Dörfleins gar niemand kennt.
Henryk M. Broder: „Es kommt Leben in die Sülze! Mich
hat das Ganze an die DDR in den letzten Tagen erinnert.
Drinnen feiert die Regierung und draußen harren die Regierten.“








