Proteste in der Türkei – „Das ist wie im Krieg“

Tränengas, Gummigeschoße und Schockgranaten: Mit der gewaltsamen Räumung des Gezi-Parks
hat Istanbul eine der gewalttätigsten Nächte seit Beginn der Proteste vor knapp drei Wochen erlebt.

2,w=985,c=0.bild

Hunderte Menschen wurden nach Angaben der Protestbewegung in der Nacht auf Sonntag verletzt.
Am Sonntag in der Früh gab es weitere Auseinandersetzungen. In Wien fanden am Wochenende
gleich zwei Solidaritätskundgebungen für die Protestierenden vom Gezi-Park statt.

Die Polizei habe ihren Einsatz mit einer Gewalt wie im Krieg geführt, kritisierte die Taksim-Plattform.
Die Gewalt werde aber die Proteste im Land nicht stoppen können. Dagegen kündigte die Regierung an,
hart gegen weitere Proteste vorzugehen. Wer den Taksim-Platz betrete, werde als Terrorrist behandelt,
zitierte die „Hürriyet Daily News“ den für die Verhandlungen mit der EU zuständigen Minister Egemen Bagis.

Am frühen Sonntagabend will die islamisch-konservative Regierungspartei AKP ihre Anhänger in Istanbul
zu einer Kundgebung versammeln. Beobachter befürchten eine weitere Eskalation der Lage, da viele
Istanbuler mit den Regierungsgegnern sympathisieren.

Nach einer Nacht voller Gewalt werfen die Protestierenden den Sicherheitskräften Verbrechen gegen die
Menschlichkeit vor, weil zur Zeit der Räumung auch viele Frauen mit Kindern sowie ältere Menschen in
dem Park gewesen seien. Die Taksim-Plattform verlangte, die Polizei müsse auch aufhören, die Arbeit
von Ärzten zu behindern, die den Demonstranten freiwillig helfen.

Videobericht der Zusammenstösse der letzten Nacht

http://www.youtube.com/watch?v=ArfdkcgxAn4

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : www.format.at

Türkei: Am Wochenende droht völlige Eskalation

Statt auf Entspannung stehen die Zeichen in der Türkei derzeit auf noch mehr Eskalation.
Für das Wochenende plant die AKP Großkundgebungen in Istanbul und Ankara.

photo_1370949137747-9-0

In Ankara macht Erdogan unterdessen deutlich, dass er zwar mit den friedlichen
Demonstranten reden, aber die Protestaktionen trotzdem schnell beenden will.

Galgenhumor ist alles, was Yulmiz geblieben ist. Als der 23-jährige Istanbuler am Dienstagmorgen
in seinem Zelt im Gezi-Park im Zentrum der türkischen Metropole aufwacht, hört er den Lärm
anrückender Polizei-Einheiten und die Motoren der schweren Wasserwerfer.

Völlig überraschend haben die Behörden die Sicherheitskräfte auf den Platz geschickt, der seit elf
Tagen in der Hand von Demonstranten wie Yulmiz war. Gerade eben noch habe die Regierung Gespräche
angeboten und jetzt das, sagt er. Aber er fügt hinzu:

„Ich habe keine Angst vor ihren Wasserwerfern. Es wird meine erste Dusche seit drei Tagen sein.“

Fassungslos sehen die Park-Besetzer zu, wie die Polizei über den Taksim immer weiter vorrückt.
Ein paar Demonstranten bewerfen die Polizisten mit Molotow-Cocktails und Steinen und schießen Leuchtmunition.

Sie werden von der Übermacht in die Seitenstraßen vom Taksim abgedrängt. Der Gezi-Park selbst, das Zentrum
des Aufstandes gegen die Politik von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wird von der Polizei nicht gestürmt.

Noch nicht.

Am Mittag tauchen Polizisten in Kampfmontur dann vor dem Eingang zum Park auf, einige dringen kurz
auf das Gelände vor, doch dann ziehen sich die Sicherheitskräfte wieder zurück. Am 31. Mai war die
Polizei hier mit brutaler Härte gegen eine kleine Gruppe friedlicher Aktivisten vorgegangen,
die eine Bebauung des Parks verhindern wollten.

Die Attacke löste eine Solidaritätswelle für die Demonstranten aus, die sich seitdem zur größten Protestwelle
entwickelt hat, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten gesehen hat.

Vier Menschen starben bisher, fast 5000 wurden verletzt.

Die Demonstranten prangern nicht nur die Urbanisierungspläne der Erdogan-Regierung an, sondern auch
den ihrer Meinung nach immer autoritärer werdenden Kurs des Ministerpräsidenten.

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : www.format.at

Türkische Polizei beginnt Räumung am besetzten Taksim-Platz

Bei den Protesten gegen die türkische Regierung ist die Lage in Istanbul wieder eskaliert.
Die Polizei rückte am Morgen mit Wasserwerfen und gepanzerten Geländewagen auf
den zentralen Taksim-Platz vor.

17521986,pd=3,mxw=720,mxh=528

Es kam zu neuen Zusammenstößen mit Demonstranten kam. Medienberichten zufolge gab es mehrere Verletzte.
Bagger räumten unter Polizeischutz Barrikaden, die die Platzbesetzer zuvor aus Metallteilen einer
Großbaustelle am Taksim-Platz, aus von der Polizei vor mehr als einer Woche zurückgelassenen Absperrzäunen
und bei Straßenkämpfen demolierten Autos errichtet hatten, wie ein dpa-Korrespondent von dem Platz berichtete.

Die Polizei feuerte dann Tränengas gegen Demonstranten. Auf die Wasserwerfer wurden aus den Reihen der
Demonstranten auch Brandsätze geworfen. Aktivisten in einem Protestager am Rande des Taksim-Platzes
distanzierten sich nach Medienberichten von der Verwendung von Brandsätzen.

Ungeachtet der neuen schweren Gewalt erklärte der Gouverneur von Istanbul, Hüseyin Avni Mutlu, über den
Kurznachrichtendienst Twitter, mit dem Einsatz sollten nur Plakate und Spruchbänder auf dem Platz entfernt werden.
Er rief die Demonstranten zur Ruhe auf.

Den kompletten Artikel findet Ihr hier : web.de/magazine/nachrichten

Eskalation in der Türkei: Straßenschlacht in Istanbul

Regierungsgegner in Istanbul haben Brandsätze gegen die türkische Polizei eingesetzt.
Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.
Damit treibt die Situation in der Türkei auf eine weitere Eskalation zu.

Die Gewaltspirale in der Türkei dreht sich weiter und erreicht eine neue Qualität.
In dem Istanbuler Gazi-Viertel haben Demonstranten Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörper
gegen die Polizei eingesetzt, berichtet die Zeitung Akşam. Zuvor sollen Demonstranten
die Verkehrsstraße von İsmet Paşa blockiert haben.

Die Polizei soll sie zur Räumung der Straße aufgefordert haben, woraufhin die Demonstranten Brandsätze warfen.
Die Sicherheitsbeamten antworteten mit Tränengas und Wasserwerfern. Zwei Personen sollen verletzt worden sein,
berichtet ntvmsnbc. Auch in Ankara kam es zu schweren Ausschreitungen.

PS :

Taxi Fahrer stellten sich den Wasserwerfern in den Weg! Tolle Geste!

 BMSaRgWCUAIYYfI.jpg large

Quelle : Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Wegen Euro-Krise: Türkei verabschiedet sich vom EU-Beitritt

Die Türkei schlägt in Sachen EU pragmatische Töne an. Eine künftige Visafreiheit für türkische Bürgerinnen und Bürger innerhalb der Europäischen Union würde ihrer Meinung nach gut funktionieren. Der Grund: Türken würden gar nicht mehr in der EU leben wollen.

5,5 Millionen Türken denken über einen Umzug nach

Früher, so fasst der Minister zusammen, wäre der Reisegrund ein völlig anderer gewesen: „Wurden Türken in der Vergangenheit danach gefragt, ob sie gerne in Europa leben wollen würden, hätten 80 Prozent mit Ja geantwortet. Heute sagen 85 Prozent Nein.“ Der Grund liegt für Bagis auf der Hand: Mittlerweile würden sich seine Bürgerinnen und Bürger in der Heimat sogar bessere Chancen ausrechnen – vor allem auf dem Arbeitsmarkt. Um den „Richtungswechsel“ zu verdeutlichen, führt der EU-Politiker auch einige Zahlen an. So seien im Jahr 2010 27,000 Türken nach Deutschland ausgewandert. Auf der anderen Seite gab es jedoch 35,000 Deutsche, die in die Türkei zogen. Und dieser Trend könnte sich sogar noch deutlicher ausprägen. So weißt Bagis darauf hin, dass „viele der 5,5 Millionen in Europa lebenden Türken in Betracht ziehen in die Türkei zu gehen, um dort ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu haben“.

Die Entwicklungen, die der türkische Minister beschreibt, kommen nicht von Ungefähr. Während die Eurozone von einer Krise in die nächste zu schlittern scheint, galoppiert das türkische pro Kopf Bruttoinlandsprodukt nach oben. In Regionen wie Ankara oder Istanbul ist man bereits auf Augenhöhe mit Griechenland, Teilen Spaniens und Großbritanniens sowie den ehemaligen kommunistischen EU-Ländern. Ganz anders sieht es allerdings noch in den ländlichen Regionen des Landes aus. Hier leben gut zehn Prozent der Bevölkerung von weniger als umgerechnet fünf Dollar pro Tag.

Türkei muss das Einwanderer-Problem in den Griff kriegen

Als Gegenleistung für eine Visafreiheit muss die Türkei ein so genanntes Rückübernahmeabkommen umsetzen. So soll der Migrantenstrom aus so entlegenen Ländern wie China und Pakistan in die EU gestoppt werden, die die Türkei bisher als Transitland genutzt haben. Wie Bagis hierzu erklärt, plane die Türkei eine gut 50.000 Mann starke zivile Grenzpolizei einzurichten, daneben soll es „humane“ Haftanstalten, aber auch „neue Zäune“ geben. Derzeit werden von den türkischen Behörden etwa 70.000 Personen pro Jahr geschnappt, die über die Türkei nach Griechenland oder Bulgarien gelangen wollen. Diese Zahl, so warnt er, könne sich leicht verdoppeln oder gar verdreifachen bis die neuen Maßnahmen überhaupt installiert worden seien. Derzeit befänden sich zudem etwa 30.000 syrische Flüchtlinge in acht türkischen Camps im Südosten des Landes. Dort würden bereits Armee und Gendarmerie für Ruhe sorgen und sicherstellen, dass keine Waffen hinein gelangten.

Die Visa-Vereinbarungen mit der Türkei sehen darüber hinaus auch die Unterzeichnung eines „operativen Abkommens“ mit Europol vor. Der Hintergrund: Großbritannien äußerte im vergangenen Jahr die Sorge, dass türkische Mafiagruppen eine erhebliche Bedrohung für die innere Sicherheit der EU darstellen würden. Der Innenausschuss des britischen Unterhauses hatte vor gut einem Jahr, am 1. August 2011, einen Bericht zu den Auswirkungen des EU-Beitritts der Türkei auf den Bereich Justiz und Inneres veröffentlicht. In ihren Ausführungen bezogen sich die Parlamentarier auf den jüngsten Europol-Bericht. Demnach seien die EU-Staaten von der organisierten Kriminalität türkischer Banden oder von in der Türkei agierenden kriminellen Netzwerken betroffen. Hierzu zähle etwa der Heroinschmuggel aus Afghanistan nach Europa bzw. der Schmuggel von synthetischen Drogen in den Nahen Osten und von Kokain nach Europa sowie Menschenhandel. Vorschub würde dem durch mangelnde Kooperation der Geheimdienste zum Beispiel hinsichtlich von Personendaten, geleistet werden.

 

 

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/07/24/wegen-euro-krise-tuerkei-verabschiedet-sich-vom-eu-beitritt/