Wärmedämmungs-Wahn

Eines für den Bürger mit Abstand teuersten Elemente der „Energiewende“ ist die sog. Energieeinsparverordnung EnEv). Sie zwingt alle Immobilienbesitzer zur „energetischen Sanierung“ ihrer Immobilie. Dabei geht es geht nur um das Einschüchtern, Terro­risieren – letztlich Enteignen – der Hausbesitzer und die Ankurbelung der Klimaschutz-Mafia. Dafür arbeiten die Behörden und vor allem die gekaufte Politik in unserer Lobbykratur. Die Baubranche weiß das seit langem, nimmt es aber klaglos hin.

 

von Konrad Fischer

Seit 1979 arbeite ich mit meinem vom Vater über­nommenen Architektur- und Ingenieurbüro vorwie­gend im Bereich Bauwerksinstandsetzung und Denkmalpflege. Die dabei gemachten Erfahrungen wi­derlegen in vielen Bereichen die gängigen Werbeaussa­gen der Bauwirtschaft. Am dramatischsten zeigte sich das bei der Dämmlüge, einem Grundbaustein der angeblichen Energiewende: Die Fassadendämmung, die mit der Ener­giesparverordnung und dem Erneuerbare Energien-Wär­megesetz (seit Jahresbeginn 2009) vorangetrieben wird, ist teuer und nutzlos.

 

Das haben Praxis vergleiche hinreichend erwiesen. Auf die schriftliche Nachfrage der Schutzgemeinschaft für Wohnungseigentümer und Mieter aus dem Jahre 2011 konnte kein Ministerium und keine Energieagentur Beweise für die Energiesparwirkung der Fassadendämmung vorlegen. Entsprechend war auch das Ergebnis der Vergleichsun­tersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik aus den Jahren 1983-85. Vier Mal erwiesen die wissenschaftlich exakten Messungen, dass Häuser mit Fassadendämmung nicht weniger, sondern mehr Energie verbrauchen! Seit­dem ist das nie mehr korrekt untersucht worden. Die da­maligen Versuchsbauten sind beseitigt. Wenn heute Einsparungen verkündet werden, sind diese mit falschen Formeln berechnet worden oder kommen durch sonstige Maßnahmen an der Heizung, den Fenstern oder im Dach zu Stande. Wobei sich auch letztere oft nicht lohnen – es sei denn für den Vermieter, der den Unsinn als sogenannte Modernisierung auf den Mieter umlegt und aus Steuer­mitteln bezuschussen lässt. Auch wenn ein Häuslebauer ein Darlehen der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederauf­bau (KfW) in Anspruch nimmt, lohnt sich das meist nicht, da die eingesparten Energiekosten zu gering sind.

 

Nun könnte man denken, dass die Dämmungen, wenn schon nicht zur Energieeinsparung, wenigstens im Sinne einer Instandsetzung taugen. Aber auch das stimmt nicht. Dämmen erzwingt nämlich Pfusch. Die Dämm­schäume, -gespinste und -steine werden am Tag extrem heiß, blockieren aber das Einspeichern der Sonnenwärme ins Mauerwerk. In der Nacht kühlen sie weit unter die Luft­temperatur und den sogenannten Taupunkt ab, saugen deshalb Kondensat und «saufen ab». Da sie wasserabwei­send beschichtet sind und nur Dampf hereinlassen, das eingedrungene Wasser jedoch mangels Kapillaraktivität nicht mehr hinaus kann, werden sie zu schimmeligen, ver­algten Wasserfallen. Die Plastikanstriche werden deswe­gen mit wasserlöslichen Giften verseucht. Obendrein kann der Schallschutz von nachträglich gedämmten Fassaden schlechter werden. Das Institut für Bauforschung Hannover hat nach jahrelangen Vergleichsuntersuchungen heraus­bekommen, dass die Instandhaltung von Dämmfassaden über neun Euro mehr pro Quadratmeter im Jahr kostet als eine Putzfassade.

 

Überdies ist die Dämmbauweise kurzlebig. Etwa 80 Prozent der Leichtbauten sind Sondermüll, von der Brandgefahr ganz zu schweigen. Die feuchte- und wind­bedingte Bewegungsfreude von Holzkonstruktionen in Wand und Dach beansprucht die rissgefährdeten Klebe­dichtungen. Nässeschäden folgen, auch durch Sommer­kondensat, das von außen in die Dämmebenen eindringt. Sogar die teuren Isoliergläser sind Wegwerfkonstruktio­nen – sie erblinden durch unausweichliche Innenkonden­sation und fressen vor allem als Dreifachglas soviel kostenlose Sonnenstrahlen auf, dass die Heizkostenrech­nung steigt.

 

Viele Bauherren haben schon gehört, dass die vom Energieberater und der Dämmstoffindustrie ver­sprochene Energieeinsparung eine Nullnummer ist, aber wissen nicht, wie sie um die vermeintlich per Gesetz ver­ordneten Maßnahmen herumkommen. Dabei ist das gar nicht so schwer: Jeder kann sich unter Berufung auf Para­graph 25 der Energiesparverordnung und Paragraph 9 des Erneuerbare Energien-Wärmegesetzes von der Dämm­pflicht befreien lassen. Er muss dafür nur mit Hilfe eines dafür zugelassenen Sachverständigen – meistens ein Ar­chitekt oder Ingenieur – die Unwirtschaftlichkeit der Zwangsmaßnahmen nachweisen. Ein simples Rechenex­empel, das immer zugunsten des Bauherren ausgeht.

 

Wer eine Alternative zum Dämmwahnsucht, dem empfehle ich, seinen Altbau diesbezüglich in Ruhe zu las­sen. Und für neue Häuser rate ich zu speicherfähigen Mas­sivbauten mit Fenstern ohne Dichtlippe und Isoglas, dafür mit Einfachglasfenstern plus Laden oder Rollo. Diese Kom­bination hält im Winter warm, im Sommer kühl. Sie ver­hindert die Aufheizung tagsüber und die Auskühlung über Nacht. Dreifachglas und andere teure Aufrüstungen sind unnötig. Kunstharzversprödete Holzfenster müssen nur entlackt und mit Leinölfarbe nachhaltig saniert, aber nicht ausgetauscht werden.

 

Die unrentable und störungsanfällige Lüftungs­und Solar-High- Tech bringt dem Altbau keine Vorteile. Viel besser ist eine kostengünstige Elektrodirektheizung, die ­richtig eingesetzt – viel mehr Kosten einspart, als gemeinhin bekannt. Gegen feuchte und versalzte Wände hilft kein trocknungsblockierender Sanierputz, meist genügt sim­pelste Entsalzungstechnik und Kalkmörtel. Auch die «auf­steigende» Feuchte ist nur ein Schauermärchen zugunsten ungeeigneter, aber teurer Reparaturverfahren. Und bei der Instandsetzung von Fassaden sollte man nässestauende Synthetikfarben, deren angeblich entfeuchtende Dampfdiffusion baupraktisch gar nicht existiert, durch kapillar­offenen Kalkputz und -anstrich ersetzen. All das spart auf einfachste Weise Energie und Kosten und ist seit langem bewährt.

 

Meine Schlussfolgerung als Architekt: All die behördlich erzwungenen Energiesparereien sollen gar keine Energie sparen. Es geht nur um das Einschüchtern, Terro­risieren -letztlich Enteignen! – der Hausbesitzer und die Ankurbelung der Klimaschutz-Branche. Dafür arbeiten die Behörden und vor allem die gekaufte Politik in unserer Lobbykratur. Die Baubranche weiß das seit langem, nimmt es aber klaglos hin. Manche Architekten übernehmen gar nur die fertige Planung seitens der Produkthersteller – er­kennbar an den Produktnennungen im Leistungsverzeich­nis. Das alles bringt dann schöne Umsätze. So singt man das Lied vom Klimaschutz und gibt vor, die Welt zu retten – Hauptsache der Kunde zahlt.

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Das Geschäft mit der Energiesparmasche

Hersteller von Elektrogeräten animieren dazu, alte Geräte auszutauschen. Zu teuer, zu energiefressend, heißt es. In manchen Geräten steckt sowieso ein eingebautes Ablaufdatum. Geplante Obsoleszenz heißt der Zauber.

Da steht er, im Herzen seines Reiches, und posiert mit dem Fuß auf einer Waschmaschinentrommel, als hätte er diese eben erfolgreich bei der Jagd erlegt. Der Lagerraum im Keller eines riesigen Werkstattkomplexes ist bis zur Decke mit Dingen gefüllt, die das unkundige Auge als Elektroschrott klassifizieren würde. Sie sind feinsäuberlich sortiert und zum Teil beschriftet wie paläontologische Fundstücke. Doch diese Teile sind keineswegs museumsreif und auch kein Schrott. Jedenfalls nicht, wenn es nach Sepp Eisenriegler geht. Denn sein Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z. haucht auch hoffnungslosen Fällen von Haushaltsgeräten wieder Leben ein. Und zwar nicht nur Waschmaschinen, sondern allem, was man sich so vorstellen kann, vom Flachbildschirm bis zum Radiogerät aus den Fünfzigerjahren.


Das R.U.S.Z gibt es schon seit 14 Jahren. Neuerdings spült die Nachhaltigkeitswelle aber hin und wieder Vertreter der Medienzunft an seine Tore in Wien-Hütteldorf – was Eisenriegler schon ein bisschen genießt. Was wäre ein Missionar ohne sein Publikum? Der Grund für das gesteigerte öffentliche Interesse am R.U.S.Z. hat einen schwer aussprechbaren Namen: geplante Obsoleszenz. Die Idee, die dahintersteckt, ist so einfach wie perfide: Hersteller bauen in ein Produkt absichtlich einen Defekt ein, damit dieses vorzeitig, meist pünktlich nach Ablaufen der Garantiefrist, kaputt wird. Die Leute schmeißen es weg, kaufen ein neues, der Konsum wird angekurbelt, die Wirtschaft freut sich. Eigentlich eine feine Angelegenheit, schließlich braucht es unser aller locker sitzende Brieftasche, um das Rezessionsmonster, das sich im Euroraum breitgemacht hat, in Zaum zu halten. Langlebige, grundsolide Geräte, die einen ein halbes Leben lang begleiten, fördern nicht gerade den Konsum.

Drucker stellt sich tot.Eisenriegler gehört jedoch zur Fraktion der Nachhaltigkeitsfetischisten. Der Englisch- und Geografielehrer, der seinen Beruf aber nie ausgeübt hat – „Ich hätte mich sicher nicht an den Lehrplan gehalten und mich mit der Schulleitung zerstritten“ –, kann viele Beispiele nennen, bei denen der Verschleiß eines kaputtgegangenen Geräts ganz eindeutig absichtlich herbeigeführt wurde. Zum Beispiel den Brother-Drucker HL-3040CN: „Die Tonerkartusche hat ein mechanisches Zählwerk eingebaut, das nach rund 2500 Ausdrucken meint, die Kartusche sei leer. Wenn die Zählmechanik per Hand zurückgestellt wird, kann man problemlos weiterdrucken. Diesen Eingriff haben wir pro Kartusche schon drei Mal wiederholt. Der Drucker druckt noch immer.“ Dasselbe gelte auch für diverse Epson-Drucker. Oder, ein Schlag ins Gesicht der Apple-Fans: „Bei den MacBooks Air und Pro sind die Akkus so konzipiert, dass sie nicht von normalen Usern ausgetauscht werden können. Apple verrechnet für den Austausch 129 Euro.“

Und die Hersteller arbeiten auch mit anderen Tricks. So komme es oft vor, dass Kunden ihre Handys mit Wasserschäden ins Geschäft brächten, und dort würde ihnen erklärt, dass der Programmwahlschalter kaputt sei. „Das ist gleichbedeutend mit einem irreparablen Schaden, stimmt aber meistens nicht.“ Wenn dann doch repariert wird, dann kommt das den Kunden meistens teurer als der Neukauf: „Bei einer Waschmaschine kostet es im Schnitt viermal mehr, sie mit Ersatzteilen reparieren zu lassen, als sich ein neues Billigprodukt anzuschaffen.“

Eisenrieglers erklärter Feind ist die Lobby der Haushaltsgerätehersteller. Diese habe es geschickt verstanden, sich die Energiesparbemühungen der Konsumenten zunutze zu machen. Man werbe mit Slogans wie „Hau weg den Dreck“ und zeichne mit weinenden Steckdosen und fett gefressenen Kühlschränken ein Bild vom energie- und geldverschlingenden, umweltschädigenden, alten Gerätemonster im Vergleich zum blitzblanken, sauberen Energiesparer.

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahrzehnten in Sachen Energieeffizienz bei Hauhaltsgeräten viel getan. Und bei manchen Kühlschränken beispielsweise, die älter als zehn Jahre sind, zahlt sich ein Wechsel erwiesenermaßen aus, für die eigene Brieftasche wie für die Umwelt. Doch auch das Energiesparpotenzial der Geräte ist nicht unbeschränkt erweiterbar. Und die kolportierte Zehn-Jahres-Rechnung lasse sich auch nicht auf alle anderen Geräte umlegen, sagt Eisenriegler. Das Auswechseln einer Waschmaschine zahle sich demnach nicht nach zehn, sondern erst nach 20 Jahren aus.
Falsch gerechnet. Denn wenn man zum Energieaufwand des Geräts auch noch die kompletten Umweltauswirkungen dazurechnet, die einerseits die Verschrottung des alten und andererseits die Produktion des neuen Geräts mit sich brächten, dann sehe die Sache schon ganz anders aus. „Der europäische Fachverband der Haushaltsgerätehersteller(CECED, Anm.) betreibt bewusste Fehlinformation“, sagt Eisenriegler. Der CECED arbeitet übrigens mit der EU eng zusammen, was die Einhaltung der 2020-Regeln zum Thema Energiesparen betrifft.

Im nächsten Raum in den Kellern des R.U.S.Z. erschlägt einen ein scheinbar wild zusammengewürfeltes Sammelsurium von Kleinstelektronik, in dem vermutlich nur Habib Amann weiß, wo welches Teil zu finden ist. „Servus, Chef“, sagt er, während er mal aus dem einen, mal aus dem anderen Korb ein Rätsel aus Metall, Plastik und bunten Drähten fischt. „Alles Ersatzteile, die zum Teil im Handel gar nicht mehr erhältlich sind“, erklärt Eisenriegler. So kommt es, dass die Mitarbeiter des R.U.S.Z auch in der Lage sind, „Nostalgiegeräte“ zu reparieren.

Oben, im Erdgeschoß, stehen Eumig-Radios mit integrierten Schellakplattenspielern aus den späten Fünfzigerjahren friedlich neben Flachbildschirmen der neuesten Generation. Im Gegensatz zu den alten Röhrengeräten werden die neuen Flachfernseher „schneller kaputt“. Während bei den alten Geräten oft nur „ein Tupfer mit dem Lötkolben“ genüge, um sie zu reparieren, seien die flachen Patienten kosten- und materialintensiv. „Tja, reich werden kann man mit diesem Geschäft nicht“, sagt Eisenriegler. „Im Jahr 2003 waren wir sogar mit 30.000 Euro verschuldet. Gerettet hat uns die Gründung der Trashdesignmanufaktur.“ Eisenriegler weist auf einen Beistelltisch in der Eingangshalle, der aus drei übereinandergeschichteten Waschmaschinentrommeln und einer Glasplatte besteht.

In der Manufaktur und im Tochterunternehmen DRZ, dem Demontage- und Recycling-Zentrum, arbeiten im Schnitt 60 sogenannte „Transitarbeitskräfte“, also Langzeitarbeitslose, die wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen.

Das R.U.S.Z selbst ist seit 2008 privatisiert und finanziert sich zu 70 Prozent mit Reparaturarbeiten und zu 30Prozent über den Verkauf von Secondhandgeräten. Die Kundschaft ist bunt gemischt: „Unsere langjährigen Stammkunden sind aus der Nachkriegsgeneration“, sagt Eisenriegler.
Pimp my Waschmaschine. Aber die Jungen hätten die Idee des nachhaltigen Konsumierens wirklich verinnerlicht. Dementsprechend populär seien derzeit Selbsthilfeplattformen im Internet, bei denen Kunden die Gebrechen ihrer Geräte melden können und Tipps austauschen (siehe Kasten). Eisenriegler hat da so seine eigenen Methoden. Er repariert nicht nur, er motzt auch auf. Für sein Lieblingsstudienobjekt, die Waschmaschine, hat er ein eigenes Tuning entwickelt: „Damit können wir ein Gerät der Kategorie C in KategorieA umwandeln.“ Er verrät auch sein Geheimnis: „Wir sorgen dafür, dass in den sensiblen Waschphasen, wenn aufgeheizt wird, weniger Wasser zuläuft. Das spart 30 Prozent Wasser und 20 Prozent Strom.“ 150 Euro verlangt er dafür. Wenn das R.U.S.Z. so etwas kann, sollte das den Herstellern auch gelingen. Sollte man meinen.

 

 

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