Nord- und südkoreanische Soldaten überqueren erstmals friedlich die Grenze

Epoch Times

Soldaten aus Nord- und Südkorea haben zum ersten Mal seit der Teilung Koreas friedlich das Gebiet des jeweils anderen Staates betreten.

Weitere Annäherung zwischen Nord- und Südkorea.Foto: South Korean Defense Ministry via Getty Images

 

Soldaten aus Nord- und Südkorea haben am Mittwoch zum ersten Mal seit der Teilung Koreas friedlich das Gebiet  des jeweils anderen Staates betreten.

Die Soldaten überprüften bei der Begegnung die vereinbarte Zerstörung von Grenzposten, wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte. Die beiden koreanischen Staaten hatten sich im Zuge ihrer Annäherung auf die Zerstörung von Grenzposten in der entmilitarisierten Zone im Grenzgebiet geeinigt.

Zum ersten Mal seit der Teilung haben Soldaten aus dem Norden und Süden friedlich die Demarkationslinie überquert“, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul.

Videoaufnahmen zeigten, wie bewaffnete Soldaten aus Südkorea an der Demarkationslinie Soldaten aus Nordkorea die Hände schüttelten, bevor sie die Grenze überquerten. Während des Kontrollgangs machten sie Fotos, filmten das Geschehen und unterhielten sich.

Der Korea-Krieg war 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand zu Ende gegangen, ein Friedensvertrag kam nicht zustande. Offiziell befinden sich Nord- und Südkorea daher immer noch im Kriegszustand. Seit Jahresbeginn bemühen sich die beiden Staaten jedoch um eine Annäherung.

Als Teil ihrer Entspannungspolitik verständigten sich Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im September auf den Abzug von Wachposten sowie die Zerstörung von Grenzposten in der entmilitarisierten Zone. Diese gehört trotz ihrer Bezeichnung zu den am stärksten befestigten Zonen weltweit.

Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap hat Nordkorea derzeit noch etwa 150 Posten entlang der Grenze, Südkorea rund 50. Langfristiges Ziel ist die Beseitigung aller Posten an der 250 Kilometer langen Grenze. (afp)

https://www.epochtimes.de/politik/welt/nord-und-suedkoreanische-soldaten-ueberqueren-erstmals-friedlich-die-grenze-a2737647.html

Die Verhaftung von Ahed Tamimi wirft ein beunruhigendes Licht darauf, wie Kinder von Israel behandelt werden

Die 16-jährige Ahed Tamimi mag nicht das sein, was Israelis im Sinn hatten, als sie über viele Jahre hinweg die Palästinenser kritisierten, weil sie keinen Mahatma Gandhi oder Nelson Mandela hervorgebracht haben.

Letztendlich bringen kolonisierte Völker eine Gestalt in den Vordergrund, die am besten geeignet ist, die verrotteten Werte im Kern der sie unterdrückenden Gesellschaft in Frage zu stellen. Ahed ist für diese Aufgabe bestens qualifiziert.

Sie wurde letzte Woche wegen Körperverletzung und Aufstachelung angeklagt, nachdem sie zwei schwer bewaffnete israelische Soldaten geschlagen hatte, als sie sich weigerten, den Hof ihres Familienhauses im Dorf Nabi Saleh im Westjordanland in der Nähe von Ramallah zu verlassen. Ihre Mutter, Nariman, befindet sich in Haft, weil sie den Vorfall gefilmt hat. Das Video erlangte sehr schnell große Bekanntheit.

Ahed schlug zu, kurz nachdem Soldaten in der Nähe ihren 15 Jahre alten Cousin ins Gesicht geschossen und ihn schwer verletzt hatten.

Westliche Kommentatoren haben Ahed weitgehend die Art von überschwänglicher Unterstützung verweigert, die demokratischen Demonstranten in Ländern wie China und Iran angeboten wird. Dennoch wurde das palästinensische Schulmädchen – sie ist möglicherweise mit einer langen Gefängnisstrafe konfrontiert, weil es sich ihren Unterdrückern widersetzt – schnell zu einer Ikone in den sozialen Medien.

Während Ahed den meisten Israelis bisher unbekannt gewesen sein mag, ist sie ein vertrautes Gesicht für Palästinenser und Aktivisten auf der ganzen Welt.

Seit Jahren führen sie und andere Dorfbewohner eine wöchentliche Konfrontation mit der israelischen Armee, die die Herrschaft der jüdischen Siedler über Nabi Saleh durchsetzt. Diese Siedler haben gewaltsam Ländereien des Dorfes und die alte Quelle übernommen, eine lebenswichtige Wasserquelle für eine Gemeinschaft, die von der Landwirtschaft abhängig ist.

Ahed zeichnet sich durch ihr unbändiges blondes Haar und ihre durchdringend blauen Augen aus und wird regelmäßig gefilmt, seit sie ein kleines Mädchen war, das Soldaten konfrontiert, die sich vor ihr auftürmen. Solche Szenen inspirierten eine erfahrene israelische Friedensaktivistin dazu, sie zur Jeanne d’Arc Palästinas zu salben.

Aber nur wenige Israelis sind dermaßen fasziniert.

Sie widersetzt sich nicht nur den israelischen Stereotypen eines Palästinensers, sie hat auch einen Schlag gegen die Selbsteinschätzung einer stark militarisierten und männlichen Kultur versetzt.

Sie hat auch den bis jetzt anonymisierten palästinensischen Kindern eine verstörende Gestalt gegeben, die Israel wegen Steinwerfens beschuldigt.

Palästinensische Dörfer wie Nabi Saleh werden regelmäßig von Soldaten überfallen. Kinder werden mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt, wie es Ahed während ihrer Verhaftung im letzten Monat passiert ist, als Vergeltung für ihre Ohrfeigen. Menschenrechtsgruppen dokumentieren, wie Kinder in Haft routinemäßig geschlagen und gefoltert werden.

Viele Hunderte gehen jedes Jahr durch israelische Gefängnisse, die wegen Steinewerfens angeklagt sind. Mit einer Verurteilungsrate von über 99 Prozent vor israelischen Militärgerichten ist die Verurteilung und Inhaftierung solcher Kinder eine Selbstverständlichkeit.

Dennoch sind sie vielleicht diejenigen, die Glück hatten. In den letzten 16 Jahren hat die israelische Armee durchschnittlich 11 Kinder im Monat getötet.

Das Video von Ahed, das wiederholt im israelischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, hat gedroht, das Selbstverständnis Israels als David, der gegen einen arabischen Goliath kämpft, auf den Kopf zu stellen. Dies erklärt die giftige Empörung und Aufregung, die Israel erfasst hat, seit das Video ausgestrahlt wurde.

Vorhersehbar waren israelische Politiker aufgebracht. Bildungsminister Naftali Bennett forderte, Ahed solle „ihr Leben im Gefängnis beenden“. Kulturministerin Miri Regev, eine ehemalige Armeesprecherin, sagte, sie fühle sich persönlich von Ahed „gedemütigt“ und „zerquetscht“.

Noch beunruhigender ist jedoch eine Mediendebatte, die das Versagen der Soldaten, Ahed als Reaktion auf ihre Ohrfeigen zu schlagen, als „nationale Schande“ charakterisiert hat.

Der angesehene Fernsehmoderator Yaron London zeigte sich erstaunt darüber, dass die Soldaten „davon absehen, ihre Waffen gegen sie einzusetzen“, und fragte sich, ob sie „aus Feigheit zögerten“.

Aber viel düsterer waren die Drohungen von Ben Caspit, einem führenden israelischen Analytiker. In einer Kolumne sagte er, dass Aheds Handlungen „das Blut jedes Israelis zum Kochen brachten“. Er schlug vor, sie „im Dunkeln, ohne Zeugen und Kameras“ zu bestrafen, und fügte hinzu, dass seine eigene Form der Rache zu seiner sicheren Inhaftierung führen würde.

Diese Phantasie – kaltblütig gegen ein inhaftiertes Kind zu verstoßen – hätte jeden Israelis krank machen sollen. Und doch sitzt Herr Caspit sicher in seinem Job.

Aber abgesehen von der Aufdeckung der Krankheit einer Gesellschaft, die von der Entmenschlichung und Unterdrückung der Palästinenser, einschließlich der Kinder, abhängig ist, wirft der Fall Ahed die beunruhigende Frage auf, was Israelis glauben, welche Art von Widerstand Palästinensern erlaubt ist.

Zumindest das Internationale Recht ist klar. Die Vereinten Nationen haben erklärt, dass es Menschen unter Besatzung erlaubt ist, „alle verfügbaren Mittel“, einschließlich des bewaffneten Kampfes, zu nutzen, um sich selbst zu befreien.

Aber Ahed, die Dorfbewohner von Nabi Saleh und viele Palästinenser wie sie haben es vorgezogen, eine andere Strategie zu verfolgen – einen konfrontativen, militanten zivilen Ungehorsam. Ihr Widerstand widerspricht der Annahme des Besatzers, dass er berechtigt ist, über die Palästinenser zu herrschen.

Ihr Ansatz steht in starkem Kontrast zu den ständigen Kompromissen und der so genannten „Sicherheitskooperation“, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde von Mahmoud Abbas akzeptiert werden.

Laut dem israelischen Kommentator Gideon Levy zeigt der Fall Ahed, dass die Israelis den Palästinensern nicht nur das Recht verweigern, Raketen, Gewehre, Messer oder Steine zu benutzen, sondern auch das, was er spöttisch als „Aufstand der Ohrfeigen“ bezeichnet.

Ahed und Nabi Saleh haben gezeigt, dass der unbewaffnete Widerstand des Volkes – wenn er Israel und der Welt Unbehagen bereiten soll – es sich nicht leisten kann, passiv oder höflich zu sein. Er muss furchtlos, antagonistisch und störend sein.

Vor allem muss er dem Unterdrücker einen Spiegel vorhalten. Ahed hat den schießwütigen Tyrannen entlarvt, der in der Seele zu vieler Israelis lauert. Das ist eine Lektion, die eines Gandhi oder Mandela würdig ist.

Orginalartikel Ahed Tamimi’s arrest sheds a disturbing light on how children are targeted by Israel vom 8. Januar 2018

Quelle: http://www.antikrieg.com/aktuell/2018_01_08_dieverhaftung.htm

https://www.radio-utopie.de/2018/01/09/die-verhaftung-von-ahed-tamimi-wirft-ein-beunruhigendes-licht-darauf-wie-kinder-von-israel-behandelt-werden/

Israel: „Kein Fehlverhalten“ durch Tötung eines beidseitig Amputierten in Gaza

Als Antwort auf zunehmende Fragen über ihr hartes Durchgreifen gegen palästinensische Protestierende, eröffnete das israelische Militär eine Untersuchung über die Tötung des 29-jährigen Ibrahim Abu Thraya, einen beidseitig Amputierten, dem während der Proteste in den Kopf geschossen wurde, und schloss die Untersuchung praktisch unmittelbar danach wieder ab.

Wie nicht anders zu erwarten, segnete das israelische Militär den Vorfall ab, indem es darauf beharrte, dass es „kein Fehlverhalten“ bei der Tötung von Abu Thraya gebe, und „kein moralisches oder professionelles Versagen“ unter israelischen Soldaten, die damit konfrontiert waren, was sie als einen „extrem gewalttätigen“ Protest darstellten.

Tatsächlich beharrte das Militär darauf, dass es „unmöglich“ sei, die Todesursache von Abu Thraya zu bestimmen, obwohl die Sanitäter, die ihn behandelten, keinen Zweifel daran ließen, dass ihm mit scharfer Munition in den Kopf geschossen wurde.

Abu Thraya verlor 2008 bei einem israelischen Luftangriff im Gaza-Krieg seine beiden Beine. Er war auf Fotos zu sehen, wie er eine palästinensische Flagge hielt, bevor er getötet wurde. Israel hat darauf beharrt, dass die Menschen, die sie in Gaza erschossen haben, „Organisatoren“ oder bewaffnete Leute waren, obwohl in diesem Fall beides offenbar nicht der Fall ist.

Verweise:

http://derwaechter.net/als-antwort-auf-zunehmende-fragen-ueber-ihr-hartes-durchgreifen-gegen-palaestinensische-protestierende-am-freitag-eroeffnete-das-israelische-militaer-eine-untersuchung-ueber-die-toetung-des-29-jaehri

Kommt es zum Krieg gegen den Iran? Christoph R. Hörstel im Interview

Interview mit Christoph R. Hörstel

2011 erlebte die Welt mit dem Arabischen Frühling die Rebellion des Volkes. Oder doch nicht? Nahost-Experte Christoph R. Hörstel ist sich sicher, dass in allen Ländern, in welchen das Volk gegen das vorherrschende Regime auf die Straße geht, die USA ihre Finger mit im Spiel hatten. Deutlich wird dies zum Beispiel an den NATO-Luftwaffen-Übungen zum bevorstehenden Krieg in Libyen, welche bereits 14 Tage vor den ersten Aufständen in Libyen stattfanden.

Auch im aktuellen Konflikt mit Syrien, ist es alles andere als ein Zufall, dass ausgerechnet jetzt die Aufständigen gegen Damaskus ziehen. Nachweislich handelt es sich bei einigen der Rebellionsführer, welche unbedarfte Syrier reihenweise als Kanonenfutter gegen Assads Militär anstürmen lassen, um von der CIA installierte „Aufständige“, welche einige Monate zuvor bereits die Libyer anführten.

Und wo sich Russland und China bei der UN Resolution gegen Gaddaffi noch ihrer Stimme enthielten, erteilten sie ienem erneuten Vorgehen der NATO ein klares Nein und legten ihr Veto gegen den geplanten Angriff auf Syrien ein. Schätzungsweise 60.000 bis 80.000 Libyer sind durch die NATO Bomben ums Leben gekommen. Mehr als der gestürzte Diktator sich hätte zu Schulden kommen lassen können.

Nachdem Syrien bald gefallen sein soll, steht der nächste Gegner schon vor der Tür. Der Iran. Dass ein militärischer Konflikt mit diesem Land aber eine ganz andere Dimension darstellt als gegen Afghanistan, Irak oder Liyben, wissen hierzulande die Wenigsten. Ein Krieg gegen Iran könnte ganz schnell zum 3. Weltkrieg eskalieren und wir sehen im Jahre 2012 eben dieser Gefahr erschreckend nah ins Auge.

Quelle: http://www.nuoviso.tv

Kindermord bei Anne Will. Todenhöfer sagt ab. Bild-Reporter gibt die Richtung vor

„Assad lässt Kinder töten – wie lange wollen wir noch zuschauen?“, mit dieser Überschrift warb die ARD für ihre am Mittwochnacht im Ersten ausgestrahlte Talkshow „Anne Will“. Die Zeile ist so suggestiv, dass ein ausgewogenes Gespräch nicht zu erwarten war. Ein Talkshowgast sprang daher gleich ab: Jürgen Todenhöfer, ehemaliger CDU-Politiker und Burda-Vorstand, der die Region aus eigener Anschauung gut kennt und sich seit Jahren als engagierter Kritiker der westlichen Kriegspolitik hervortut, wollte seinen Sachverstand nicht in eine Diskussion einbringen, deren Ergebnis von der Redaktion anscheinend schon vorher festgelegt worden war.

Es lautet in aller Kürze: Die syrische Regierung ist alleine schuld an dem Konflikt in ihrem Land. Sie alleine trägt die Verantwortung für geschätzt zehntausend Toten. Dementsprechend war die Diskussionsrunde von der Redaktion zusammengestellt worden. Ein Repräsentant der Friedensforschung war ebenso wenig darunter, wie ein Kriegskritiker von Seiten der Linken oder gar ein Pazifist. Die seit Monaten von der Regierung Assad erklärte Bereitschaft zu demokratischen Reformen blieb ebenso unerwähnt wie die zahlreichen Berichte über Kriegsverbrechen und systematische Folterungen von Seiten der Rebellen. Im Grunde fiel nur dem als Ersatz für Todenhöfer eingeladenen konservativen Journalisten Peter Scholl-Latour die undankbare Rolle zu, als einsamer Rufer in der Wüste ab und zu ein paar Fakten in die Diskussion zu nuscheln.

Gelegentlich sprang ihm der ehemalige Zeit-Herausgeber Theo Sommer bei, der immerhin auf das regelmäßige humanitäre Scheitern von NATO-Interventionen hinwies. Diese hätten alle viel länger gedauert und seien kostspieliger geworden, als man dachte.

„Und das Ergebnis war überhaupt nicht das, was man ursprünglich anvisiert hatte“,

so Sommer. Während die als Botschafter-Gattin und Initiatorin einer Videobotschaft an die Präsidenten-Gattin Asma Assad vorgestellte Huberta von Voss-Wittig und der gutmeinende aber schlecht informierte Kabarettist Christian Springer immer wieder das Leid der Zivilbevölkerung betonten, das sie einzig und allein auf die Politik der syrischen Regierung zurückführten, war die Position des Scharfmachers gleich doppelt besetzt.

So pfiff der Historiker Michael Wolffsohn auf die Tugenden seiner Profession und spielte halbwegs virtuos die altbekannte Melodie aller Kriegstreiber. Mal fragte er ganz suggestiv:

„Wollen wir tatsächlich zuschauen, dass Tausende Menschen von ihrer Regierung massakriert werden?“

Dann wieder gab er den Realisten, der meinte, dass eine Parteinahme für die syrische Opposition und gegen die Regierung einer Wahl zwischen Pest und Cholera gleichkäme. Davon unbeirrt sprach er sich für eine militärische Intervention aus, die anstelle des Westens auch von der verbündeten Türkei oder arabischen Staaten durchgeführt werden könnte. Im Ergebnis müsse nicht eine Ablösung der Regierung, sondern die Zerschlagung des Nationalstaats Syrien zugunsten eines irgendwie föderalen Gebildes das Ziel sein.

Wolffsohn gab sich stellenweise kaum Mühe, um zu verbergen, dass es ihm weniger um das Schicksal der syrischen Zivilbevölkerung denn um die Zerschlagung eines wichtigen Verbündeten der iranischen Regierung zu tun ist.

Beinahe ganz ohne Argumente, dafür mit besonderem Nachdruck, äußerte sich der zweite Aufwiegler der Runde. Der als Chefreporter der Bild vorgestellte Julian Reichelt. An einer Militärintervention des Westens führe in Syrien kein Weg vorbei. So ein Einsatz sei, da er aus der Luft geführt werden könnte, für die Soldaten nahezu risikolos. Wie es der syrischen Bevölkerung nach einem westlichen Kriegseinsatz ergehen würde und wie das Land dann aussehen würde, darauf glaubte der Interventionschaot keine Antwort wissen zu müssen. Erst einmal Bomben. Was dann passiert? Schau’n mer mal.

Fortgesetzt wurde die öffentlich-rechtliche Plattform der Kriegspropaganda tags darauf von Reichelts Arbeitgeber. „Warum bombt die NATO Assad nicht weg?“ (1), lautete ein Artikel in der Bild-Zeitung, der die Fernsehshow noch einmal zusammenfasste. An dieser Stelle sei ein Einschub erlaubt.

Eine Zusammenarbeit mit Redakteuren des Schmuddelblatts scheint mittlerweile fast zum guten Ton des sogenannten Qualitätsjournalismus zu gehören. Den Weg dafür frei gemacht haben Journalisten, die man eher dem linken Meinungsspektrum zurechnen würde. Den Anfang machte die taz. Zu ihrem 25. Jubiläum lud das ehemals linksalternative Blatt ausgerechnet Bild-Chef Kai Diekmann ein, für einen Tag die Chefredaktion zu übernehmen. Der ließ es sich nicht nehmen, einige Jahre später demonstrativ der taz-Genossenschaft beizutreten. Von einer Liaison zwischen „Deutschlands größter und kleinster Boulevardzeitung“ soll Diekmann damals gesprochen haben.

Eine verhängnisvolle Affäre verbindet außerdem Freitag-Herausgeber Jakob Augstein mit Diekmanns Stellvertreter Nikolaus Blome. Seit dem 21. Januar 2011 lässt sich der im Zweifel linksliberale Journalist allwöchentlich in der Phoenix-Sendung „Augstein und Blome“ von dem Springer-Journalisten regelmäßig rhetorisch unterbuttern.

In der Affäre um den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff schließlich gelang es ausgerechnet der Bild-Zeitung, sich öffentlich als inquisitive Speerspitze der journalistischen Aufklärung zu präsentieren. Dass sie für die geschickte Ausnutzung ihrer Marktmacht im Mai 2012 dann auch noch den Henri-Nannen-Preis erhielt, sorgte immerhin noch für einen Eklat. Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung bezeichnete die Jury-Entscheidung als „Kulturbruch“ und verzichtete darauf, für seine investigativen Recherchen geehrt zu werden. Seine Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter taten es ihm gleich.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass dieses Beispiel auch bei jenen Journalisten Schule machte, die im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk verantwortlich tätig sind. Dass auch heute noch politische Fernsehdiskussionen möglich sind, die dem Frieden verpflichtet sind und ohne propagandistisches Brimborium auskommen, zeigen die von Gabriele Krone-Schmalz moderierten Sendungen der Talkshow-Reihe „Meinungsmacher“ im Hessischen Rundfunk.

(1) www.bild.de/politik/inland/anne-will/emotionaler-sryien-talk-bei-anne-will-24532150.bild.html

http://www.hintergrund.de/201206072099/hintergrund/medien/kindermord-bei-anne-will-todenhoefer-sagt-ab-bild-reporter-gibt-die-richtung-vor.html