Afghanistan: Bundeswehr schießt in Menschenmenge

Deutschland führt in Afghanistan Krieg gegen eines der ärmsten Länder der Welt. Geht man jedoch durch die Straßen von Köln, Hamburg, München, Berlin oder Klein-Kleckersdorf merkt man überhaupt nichts davon. Neben dem bekannten Massaker in Kundus, bei dem mehr als 140 – zumeist Kinder und Jugendliche – ermordet wurden, gab es vor fast genau einem Jahr, am 18.05.2011, einen weiteren größeren “Zwischenfall”.

In Talokan (Taloqan) ballerten “unsere Jungs” – wie in einem Video-Spiel – einfach in eine aufgebrachte Menschenmenge, die gegen das brutale Vorgehen ihrer Besatzungstruppen demonstrierte. Bei der Schießerei auf die Zivilbevölkerung gab es 12 Tote und über 80 Verletzte auf Seiten der Demonstranten. Drei angeblich “mittelschwer-verletzte” deutsche Soldaten mußten nur kurz ambulant behandelt werden. Seinerzeit sprach die Bundeswehr von rund hundert Demonstranten, die angeblich mit Steinen auf die Bundeswehrfestung geworfen hätten. Die Deutschen hätten dann einfach zurückschießen müssen. Die TV-Aufnahmen der BBC zeigten jedoch rund 2.000 Menschen auf ihrem Demonstrationsmarsch. Von Steinwürfen war nichts zu sehen. Vollmundig kündigte der Bundeswehr-Kommandeur, Generalmajor Markus Kneip in einem Interview mit der Tageszeitung “Welt” eine Aufklärung durch einen “eigenen” (!) Rechtsanwalt der Bundeswehr an. Dabei ist es geblieben.

Man stelle sich vor in Dortmund, Düsseldorf oder Hamburg würden ein paar Fußballrowdies mit Steinen auf die Polizei werfen und die würde dann sofort scharf schießen – mit 12 Toten und über 80 Schußverletzungen. Die staatlichen Einrichtungen würden sofort auf Hochtouren anlaufen, man würde Ärzte nötigen – wie im Fall Kurras – falsche Atteste auszustellen, Beweismittel würden verschwinden – wie im Fall Buback, es käme zu falschen Zeugenaussagen, aber, der aufmerksame Beobachter könnte sich zumindest auf Grund der Widersprüchlichkeiten ein ungefähres Bild vom tatsächlichen Hergang machen. Ich erinnere auch an das “Celler Loch”, die Ereignisse auf dem Bahnhof von Bad Kleinen oder den aktuellen skandalösen Buback-Prozess.

Aber wegen ein paar toten Afghanen am Hindukusch hat man einen solchen Aufwand nicht nötig. Das wäre ja noch schöner.

Und so werden Beweismittel von der Bundeswehr nach wie vor unter Verschluß gehalten. Da gibt es beispielsweise die Überwachungskameras der inzwischen geräumten deutschen Festung in Talokan. Am dortigen Fort waren seinerzeit zahlreiche Überwachungskameras angebracht gewesen und die Aufnahmen könnten Auskunft über alle relevanten Fragen im Zusammanhang mit der Schießerei auf die Demonstranten geben.

Man könnte überprüfen, ob Demonstranten tatsächlich mit Steinen und “Molotow-Cocktails” geworfen haben oder dies lediglich eine Schutzbehauptung der Bundeswehr-Krieger ist.

Man könnte prüfen, ob die deutschen Soldaten gezielte Schüsse auf “Steinewerfer” abgegeben haben oder aber, ob sie wahllos in die Menschenmenge geballert haben.

Die Tatsache, daß die Bundeswehr diese Aufnahmen nicht veröffentlicht, spricht für sich allein. Offensichtlich tragen die Bilder in keiner Weise zur Entlastung der Bundeswehr bei. Leider gibt es keine deutschen Journalisten, die unabhängig von der Bundeswehr aus Afghanistan berichten. Alle dort tätigen Journalisten sind in irgendeiner Form mit den deutschen Truppen verbunden und das fängt mit dem Flug in der Bundeswehrmaschine an. Natürlich fragt von denen keiner seine “Beschützer”, was eigentlich die Überwachungskameras zeigen.

Na ja, und daß die Blut-Alkoholwerte der involvierten deutschen Soldaten nicht veröffentlicht werden, kann man dann ja auch verstehen. Ist ja schließlich Privatsache und wir trinken ja angeblich alle mal gerne einen über den Durst.

In einem rechtsstaatlichen Verfahren würden allerdings manche Dinge nicht mehr vertuscht werden können. Deshalb scheut die Berliner Regierung unter Merkel den Rechtsweg in einem öffentlichen Gerichtserfahren wie der Teufel das Weihwasser. Das war bei dem Massaker der Bundeswehr in Kunduz (Kundus) schon so. Da alle Staatsanwälte den jeweiligen Landesregierungen bzw. der Bundesregierung gegenüber weisungsgebunden sind, konnten die Berliner Strolche die nötigen Gerichtsverfahren bisher erfolgreich blockieren.

Fazit für die “Berliner Demokratie”:

12 tote Demonstranten, über 80 Schußverletzungen und bis heute kein öffentliches Gerichtsverfahren. Es bleibt zu hoffen, daß die Täter wenigstens nach einem Regime-Change zur Rechenschaft gezogen werden und dann endlich ermittelt werden darf.

 

http://www.eisenblatt.net/?p=4959

Kindermord bei Anne Will. Todenhöfer sagt ab. Bild-Reporter gibt die Richtung vor

„Assad lässt Kinder töten – wie lange wollen wir noch zuschauen?“, mit dieser Überschrift warb die ARD für ihre am Mittwochnacht im Ersten ausgestrahlte Talkshow „Anne Will“. Die Zeile ist so suggestiv, dass ein ausgewogenes Gespräch nicht zu erwarten war. Ein Talkshowgast sprang daher gleich ab: Jürgen Todenhöfer, ehemaliger CDU-Politiker und Burda-Vorstand, der die Region aus eigener Anschauung gut kennt und sich seit Jahren als engagierter Kritiker der westlichen Kriegspolitik hervortut, wollte seinen Sachverstand nicht in eine Diskussion einbringen, deren Ergebnis von der Redaktion anscheinend schon vorher festgelegt worden war.

Es lautet in aller Kürze: Die syrische Regierung ist alleine schuld an dem Konflikt in ihrem Land. Sie alleine trägt die Verantwortung für geschätzt zehntausend Toten. Dementsprechend war die Diskussionsrunde von der Redaktion zusammengestellt worden. Ein Repräsentant der Friedensforschung war ebenso wenig darunter, wie ein Kriegskritiker von Seiten der Linken oder gar ein Pazifist. Die seit Monaten von der Regierung Assad erklärte Bereitschaft zu demokratischen Reformen blieb ebenso unerwähnt wie die zahlreichen Berichte über Kriegsverbrechen und systematische Folterungen von Seiten der Rebellen. Im Grunde fiel nur dem als Ersatz für Todenhöfer eingeladenen konservativen Journalisten Peter Scholl-Latour die undankbare Rolle zu, als einsamer Rufer in der Wüste ab und zu ein paar Fakten in die Diskussion zu nuscheln.

Gelegentlich sprang ihm der ehemalige Zeit-Herausgeber Theo Sommer bei, der immerhin auf das regelmäßige humanitäre Scheitern von NATO-Interventionen hinwies. Diese hätten alle viel länger gedauert und seien kostspieliger geworden, als man dachte.

„Und das Ergebnis war überhaupt nicht das, was man ursprünglich anvisiert hatte“,

so Sommer. Während die als Botschafter-Gattin und Initiatorin einer Videobotschaft an die Präsidenten-Gattin Asma Assad vorgestellte Huberta von Voss-Wittig und der gutmeinende aber schlecht informierte Kabarettist Christian Springer immer wieder das Leid der Zivilbevölkerung betonten, das sie einzig und allein auf die Politik der syrischen Regierung zurückführten, war die Position des Scharfmachers gleich doppelt besetzt.

So pfiff der Historiker Michael Wolffsohn auf die Tugenden seiner Profession und spielte halbwegs virtuos die altbekannte Melodie aller Kriegstreiber. Mal fragte er ganz suggestiv:

„Wollen wir tatsächlich zuschauen, dass Tausende Menschen von ihrer Regierung massakriert werden?“

Dann wieder gab er den Realisten, der meinte, dass eine Parteinahme für die syrische Opposition und gegen die Regierung einer Wahl zwischen Pest und Cholera gleichkäme. Davon unbeirrt sprach er sich für eine militärische Intervention aus, die anstelle des Westens auch von der verbündeten Türkei oder arabischen Staaten durchgeführt werden könnte. Im Ergebnis müsse nicht eine Ablösung der Regierung, sondern die Zerschlagung des Nationalstaats Syrien zugunsten eines irgendwie föderalen Gebildes das Ziel sein.

Wolffsohn gab sich stellenweise kaum Mühe, um zu verbergen, dass es ihm weniger um das Schicksal der syrischen Zivilbevölkerung denn um die Zerschlagung eines wichtigen Verbündeten der iranischen Regierung zu tun ist.

Beinahe ganz ohne Argumente, dafür mit besonderem Nachdruck, äußerte sich der zweite Aufwiegler der Runde. Der als Chefreporter der Bild vorgestellte Julian Reichelt. An einer Militärintervention des Westens führe in Syrien kein Weg vorbei. So ein Einsatz sei, da er aus der Luft geführt werden könnte, für die Soldaten nahezu risikolos. Wie es der syrischen Bevölkerung nach einem westlichen Kriegseinsatz ergehen würde und wie das Land dann aussehen würde, darauf glaubte der Interventionschaot keine Antwort wissen zu müssen. Erst einmal Bomben. Was dann passiert? Schau’n mer mal.

Fortgesetzt wurde die öffentlich-rechtliche Plattform der Kriegspropaganda tags darauf von Reichelts Arbeitgeber. „Warum bombt die NATO Assad nicht weg?“ (1), lautete ein Artikel in der Bild-Zeitung, der die Fernsehshow noch einmal zusammenfasste. An dieser Stelle sei ein Einschub erlaubt.

Eine Zusammenarbeit mit Redakteuren des Schmuddelblatts scheint mittlerweile fast zum guten Ton des sogenannten Qualitätsjournalismus zu gehören. Den Weg dafür frei gemacht haben Journalisten, die man eher dem linken Meinungsspektrum zurechnen würde. Den Anfang machte die taz. Zu ihrem 25. Jubiläum lud das ehemals linksalternative Blatt ausgerechnet Bild-Chef Kai Diekmann ein, für einen Tag die Chefredaktion zu übernehmen. Der ließ es sich nicht nehmen, einige Jahre später demonstrativ der taz-Genossenschaft beizutreten. Von einer Liaison zwischen „Deutschlands größter und kleinster Boulevardzeitung“ soll Diekmann damals gesprochen haben.

Eine verhängnisvolle Affäre verbindet außerdem Freitag-Herausgeber Jakob Augstein mit Diekmanns Stellvertreter Nikolaus Blome. Seit dem 21. Januar 2011 lässt sich der im Zweifel linksliberale Journalist allwöchentlich in der Phoenix-Sendung „Augstein und Blome“ von dem Springer-Journalisten regelmäßig rhetorisch unterbuttern.

In der Affäre um den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff schließlich gelang es ausgerechnet der Bild-Zeitung, sich öffentlich als inquisitive Speerspitze der journalistischen Aufklärung zu präsentieren. Dass sie für die geschickte Ausnutzung ihrer Marktmacht im Mai 2012 dann auch noch den Henri-Nannen-Preis erhielt, sorgte immerhin noch für einen Eklat. Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung bezeichnete die Jury-Entscheidung als „Kulturbruch“ und verzichtete darauf, für seine investigativen Recherchen geehrt zu werden. Seine Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter taten es ihm gleich.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass dieses Beispiel auch bei jenen Journalisten Schule machte, die im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk verantwortlich tätig sind. Dass auch heute noch politische Fernsehdiskussionen möglich sind, die dem Frieden verpflichtet sind und ohne propagandistisches Brimborium auskommen, zeigen die von Gabriele Krone-Schmalz moderierten Sendungen der Talkshow-Reihe „Meinungsmacher“ im Hessischen Rundfunk.

(1) www.bild.de/politik/inland/anne-will/emotionaler-sryien-talk-bei-anne-will-24532150.bild.html

http://www.hintergrund.de/201206072099/hintergrund/medien/kindermord-bei-anne-will-todenhoefer-sagt-ab-bild-reporter-gibt-die-richtung-vor.html