Mehr Flüchtlinge als Unterkünfte : Ludwigsburger Landrat droht mit Zwangsmaßnahmen

Flüchtlinge wohnen vorübergehend in ZeltenIm baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg herrscht wegen des hohen
Zustroms an Flüchtlingen dramatischer Platzmangel. In einem »Brandbrief«
an die Bürger- und Oberbürgermeister seiner Gemeinden schloss der parteilose
Landrat Dr. Rainer Haas auch Zwangsmaßnahmen – also die behördliche
Beschlagnahme von Gebäuden – in letzter Konsequenz nicht mehr aus.

Damit folgt dieser seinem Amtskollegen Reinhard Frank (CDU),
der das erst kürzlich erfolgreich praktiziert hat.

Im Landkreis Ludwigsburg leben derzeit rund 500.000 Menschen.

In den letzten Monaten erreichten rund
100 Flüchtlinge pro Monat den Landkreis.

Aktuell sind es mehr als 200 – Tendenz steigend.

Ein Ende des Flüchtlingsstromes ist nicht in Sicht – das Ende an
kurzfristig belegbaren Unterbringungsmöglichkeiten hingegen schon :

Es herrscht dramatischer Platzmangel.

Damit habe die Lage »eine neue Eskalationsstufe« erreicht,
schreibt der in Bedrängnis geratene Landrat an die Bürger-
und Oberbürgermeister seiner zugehörigen Gemeinden und
bittet dringend um Meldung von Unterbringungsmöglichkeiten.

Sollten die Gemeinden kurzfristig nicht genügend Schlafplätze zur
Verfügung stellen können (oder vermutlich wollen), droht Landrat
Haas vorsorglich mit der »Beschlagnahme von Sporthallen« oder der
Belegung von Hotels und Pensionen – als letzte Konsequenz.

Genau das hat der Landrat des Main-Tauber-Kreises, Reinhard Frank
(CDU), erst jetzt auf dem Laurentiusberg in der Fechterhochburg
Tauberbischofsheim erfolgreich durchgezogen : Die Beschlagnahme
eines Gebäudes zur Unterbringung von Flüchtlingen.

Auch in diesem Landkreis steht der Landrat, was die Unterbringung
von Flüchtlingen angeht, »mit dem Rücken an der Wand«.

Die Unterbringungsmöglichkeiten sind restlos erschöpft und die
Lage ist auch in diesem Teil von Baden-Württemberg »dramatisch«.

Dass keine schnelle Einigung zustandekam, hat hier dazu geführt,
dass die amtliche Beschlagnahme eines Gebäudes auf einem Kasernengelände
vollzogen wurde. Knapp 70 Asylbewerber werden dort nun zeitnah untergebracht.

Diese aus der Not heraus geborenen Beispiele dürften künftig
in Deutschland Schule machen und die aktuelle Diskussion um
erste Flüchtlingslager in Deutschland weiter anheizen.

Von Torben Grombery

Quelle : Info Kopp Verlag