Deutschland: Der lange Arm von Goldman Sachs

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  • Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat einer Aufstellung des deutschen Bundesfinanzministeriums zufolge in dieser Wahlperiode so viele Gesprächskontakte mit der Bundesregierung gehabt wie kein anderes Geldinstitut.

Seit Ende Oktober 2009 wurde Goldman Sachs 48mal bei deutschen Regierungsvertretern vorstellig.

Aus der am Mittwoch bekannt gewordenen Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ geht hervor, dass seit Ende Oktober 2009 alleine der Goldman Sachs-Partner Christoph Brand 48 Termine mit deutschen Regierungsvertretern hatte. Dagegen schaffte es Commerzbank-Chef Martin Blessing, an dessen Institut der Bund mit 25 Prozent beteiligt ist, lediglich auf 17 Gesprächskontakte. Intensive Kontakte in die Regierung pflegten auch die Deutsche Bank und andere Großinstitute wie die Schweizer Credit Suisse.

In der Reuters vorliegenden Antwort der Regierung heißt es, an Beschlüssen der Regierung seien die Banker „nicht beteiligt gewesen“. Auch in Entscheidungen der Bankenaufsichtsbehörde BaFin seien sie nicht eingebunden worden. Die Kontakte von Ministern, Parlamentarischen Staatssekretären oder beamteten Staatssekretären mit Bankern seien „aufgabenbedingt“ erfolgt.

Der Liste zufolge pflegte vor allem der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Eckart von Klaeden, engen Kontakt mit Goldman Sachs-Manager Brand. Zwischen dem 5. November 2009 und dem 31.10 2012 fanden allein zwischen diesen beiden 23 Gespräche statt. Darüber hinaus hatte Brand aber auch Treffen mit Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Kapferer, zehn Termine mit dem früheren Finanzstaatssekretär und heutigen EZB-Direktor Jörg Asmussen und zwei Vier-Augen-Begegnungen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble. Darüber hinaus war Brand am 16. März 2011 bei einem Treffen von Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein mit Schäuble dabei.

Fitschen und Merkel auf Du und Du

Beste Kontakte in die Regierungsspitze pflegten auch die Chefs anderer großer Geldhäuser. So begleitete Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen Kanzlerin Angela Merkel im Juli 2011 auf eine Afrika-Reise und war ein Jahr später bei einem Besuch in Italien mit dabei, außerdem begleitete er Merkel im November 2012 nach Portugal. Zudem traf sich sein Co-Chef Anshu Jain zwei Mal mit Merkel, einmal alleine und einmal zusammen mit seinem Kollegen Fitschen.

Commerzbank-Vorstandvorsitzender Martin Blessing war im Juli 2010 mit Merkel in Russland und China, wohin er Merkel im Februar 2012 ein zweites Mal begleitete. Vermerkt sind außerdem sechs Gespräche mit Finanzminister Schäuble und mehrere weitere Treffen mit Schäuble, an denen auch Vertreter anderer Banken teilnahmen. Jain schaffte es dagegen bisher nur auf zwei Treffen mit Schäuble. Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner sprach zwischen Juni 2012 und Januar 2013 vier Mal mit Schäuble.

Insgesamt listet die Regierung in der 34-seitigen Antwort noch Dutzende weitere Termine von Regierungsvertretern mit Banken auf, darunter Empfänge, Vorträge und Abendessen sowie Teilnahmen an Sommerfesten von Bankenverbänden. der Liste zufolge schaffte es Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) auf immerhin zwei Kontakte mit Bankern, darunter ihre Teilnahme an der Überreichung des Innovationspreises „365 Orte im Land der Ideen“ am 21. Dezember 2012 in Rosenheim durch den Marktregionsleiter Bayern Süd/München der Deutschen Bank.

Goldman die Krake

Die zweitgrößte US-Investmentbank Goldman Sachs gilt spätestens seit der Finanzkrise als das Enfant terrible unter den sowieso nicht gut beleumundeten Banken und Finanzinstitutionen der New Yorker Wall Street und der Londoner City. Wer dachte, die Krise würde das verändern und die Institute in die Schranken weisen, irrte. Große Banken wie Goldman Sachs melden sich trotz Regulierungsversuchen und Umstrukturierungen der Geschäftsfelder mit Milliardengewinnen zurück und scheinen mehr Einfluss denn je zu haben.

Transparency International übt Kritik

Die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller, hat nach Bekanntwerden der zahlreichen Kontakte der deutschen Regierung zu Banken und anderen Vertretern der Finanzbranche Kritik geübt. Sie fordert mehr Informationen, um die Bedeutung der Gesprächstermine besser einschätzen zu können, berichtete das „Handelsblatt“ am Mittwoch vorab.

Müller gehe es insbesondere um den Umstand, dass Christoph Brand, Partner bei Goldman Sachs und zuständig für den öffentlichen Sektor, es seit Oktober 2009 fast 50-mal in die Terminkalender der deutschen Regierung geschafft hat. „Wir würden gern wissen, wie oft sich Spitzenvertreter der Bundesregierung mit Verbraucherschützern oder Financewatch getroffen haben“, so Müller zum „Handelsblatt“.

 

 

http://www.format.at/articles/1308/931/353046/deutschland-der-arm-goldman-sachs

Commerzbank: Vorbereitung auf Euro Zerfall

In aller Heimlichkeit bereiten sich Banken auf den Worstcase beim Euro vor. Auch ein mögliches Ausscheiden Griechenlands beschäftigt die Sicherheitsabteilungen. Das Thema ist tabu – doch hinter den Kulissen bereitet man sich schon auf den Ernstfall vor. Capco: Vorbereitung auf Bankrun, Warnung vor Inneren Unruhen und Sicherheit von Bankpersonal.

 

Ein Bruch des Euro ist bei den Banken offiziell Tabuthema. Auch Bankberater sind offenbar dazu angehalten, mit der Kundschaft nicht über solche Szenarien zu sprechen. Inoffiziell aber bereiten sich die Finanzinstitute genau auf einen solchen Worstcase vor. Es wird an regelrechten Notfallplänen gearbeitet.

Laut SZ lässt die Deutsche Bank zu dem Thema lediglich ein „Kein Kommentar“ verbreiten. Inoffiziell beschäftigt man sich aber durchaus mit dem Thema, wie man aus Frankfurt hört. Alles andere wäre auch unrealistisch, weil jedes Haus Krisensituationen durchspielen muss, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Und dieser Ernstfall könnte auch schon eintreten, wenn beispielsweise Griechenland im September aus der Eurozone austritt – auch wenn dies derzeit von der Politik bestritten wird.

Die Commerzbank ist nicht ganz so verschlossen wie der Deutsche Bankenprimus. Gegenüber der SZ verlautbarte Deutschlands Nr. 2: „Unsere Aktionäre, unsere Kunden und die Aufsichtsbehörden erwarten, dass sich die Bank sorgfältig und rechtzeitig auf alle Eventualitäten und Szenarien vorbereitet.“

Einen Notfallplan für das „Restrisiko“ eines Euro-Zerfalls müsse jedes Institut haben, schon im Sinne guter Unternehmensführung, betonte Commerzbank-Chef Martin Blessing bereits auf der letzten Bilanzpressekonferenz. „Man wird kaum eine Bank finden, die sich nicht schon Gedanken darüber gemacht hat.“

Laut Handelsblatt besteht eine Absicherung für die Banken darin, ihre Töchter in südeuropäischen Schuldnerstaaten möglichst autark in ihrer Refinanzierung aufzustellen, indem jeweils Forderungen und Verbindlichkeiten in Balance gehalten werden. Demnach verschulden sich Institute, die Staatsanleihen südeuropäischer Länder halten, häufiger über ihre südeuropäischen Töchter. Das Kalkül: Bricht der Euro auseinander, erhalten diese Institute für ihre Staatsanleihen aus Italien oder Spanien vermutlich nur noch Lira oder Peseten. Ihre Schulden vor Ort werden dann aber ebenfalls auf die neuen Landeswährungen umgestellt.

„Vor allem britische und amerikanische Institute sollen sich schon im Dezember auf diese Art gegen Währungsrisiken abgesichert haben“, sagt ein Frankfurter Bankmanager. „Das ist durchaus ein Misstrauensvotum gegen den Euro“, warnte Bankprofessor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance gegenüber dem Handelsblatt.  Die Vorbereitungen erweckten den Eindruck, dass die Banken einen Zerfall der Euro-Zone als potenzielle Gefahr sehen, sagt er. Und dieser Eindruck werde dadurch verstärkt, dass einige Institute so offen darüber redeten.

Auf einen möglichen Zerfall der Eurozone bereiten sich auch einige Unternehmensberater vor, wie beispielsweise Capco: In einem Weißbuch („Was würden Sie tun, wenn die Euro-Zone auseinanderfällt?“) skizzieren sie, woran zu denken ist. Darin wird vor inneren Unruhen in Krisenländern gewarnt, die das Personal gefährden könnten, und empfohlen, auf einen Bank Run vorbereitet zu sein. Auch die Boston Consulting Group gibt Instituten, für die sie tätig ist, ein 100-Punkte-Programm an die Hand. In diesem Notfallplan geht es um mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten oder rechtliche Fragen.

 

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/10670-commerzbank-vorbereitung-auf-euro-zerfall

GR: Vorbereitung auf Drachme

Immer mehr Unternehmen, Banken und Privatleute bereiten sich auf den Euro-Austritt Griechenlands vor. Banken haben so genannte „Notfallpläne“ bereits in der Schublade.

 

Immer mehr Unternehmen treffen intern Vorbereitungen für das Ende des Euros. Das Thema ist in der Öffentlichkeit zwar tabu. Doch hinter den Kulissen bereiten sich Unternehmen, Banken und Privatleute, die langlaufende Geschäfts- und Zahlungsbeziehungen mit Griechenland haben,  auf den Euro-Austritt des Landes vor. Das berichtet die Wirtschaftswoche und zitiert Sven Zeller, Jurist und Partner bei Clifford Chance in Frankfurt Dieser bestätigt, dass ich  die Anfragen von Fonds-Managern, Bankern und in Griechenland investierten Immobilien-Unternehmen häufen. „Alle wollen wissen, wie sie vermeiden können, dass ihre Forderungen von Euro auf eine Weichwährung umgestellt werden – egal ob Neu-Drachme oder Süd-Euro.“

 

Die Vorbereitungen auf einen Euro-Austritt werden diskret getroffen. Nur wenige äußern sich so offen wie der Reisekonzern Tui. Dieser will sich gegen eine mögliche Währungsumstellung von Euro auf Drachme absichern. Bereits im November wurde von einem  Schreiben des Konzerns an griechische Hoteliers berichtet, einen neuen Vertrag vor dem Hintergrund einer möglichen Währungsumstellung zu unterschreiben. „Wir müssen uns gegen solche Währungsrisiken absichern. Es gibt eine mehr als theoretische Möglichkeit, dass Griechenland aus der Euro-Zone aussteigt.“

 

Banken mit Notfallplan

Einen Notfallplan für das „Restrisiko“ eines Euro-Zerfalls müsse jedes Institut haben, schon im Sinne guter Unternehmensführung, wird Commerzbank-Chef Martin Blessing im Handelsblatt zitiert. „Man wird kaum eine Bank finden, die sich nicht schon Gedanken darüber gemacht hat.“

Eine Absicherung für die Banken besteht darin, ihre Töchter in südeuropäischen Schuldnerstaaten möglichst autark in ihrer Refinanzierung aufzustellen, indem jeweils Forderungen und Verbindlichkeiten in Balance gehalten werden, schreibt das Handelsblatt. Demnach verschulden sich Institute, die Staatsanleihen südeuropäischer Länder halten, häufiger über ihre südeuropäischen Töchter. Das Kalkül: Bricht der Euro auseinander, erhalten diese Institute für ihre Staatsanleihen aus Italien oder Spanien vermutlich nur noch Lira oder Peseten. Ihre Schulden vor Ort werden dann aber ebenfalls auf die neuen Landeswährungen umgestellt.

 

http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9992-gr-vorbereitung-auf-drachme