Mayer-Vorfelder will Pflicht zum Singen der Nationalhymne

Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder vom Deutschen Fußball-Bund will eine Pflicht für Nationalspieler, vor Länderspielen die Hymne mitzusingen. Bundestrainer Joachim Löw soll Verweigerer aus der DFB-Auswahl ausschließen.
„Der Bundestrainer muss die Singpflicht durchsetzen. Notfalls in einem Vier-Augen-Gespräch. Er sagt immer, er könne sie nicht zwingen. Ich sage aber: Klar kann man die Spieler zwingen. Wenn sich einer der Spieler dann immer noch beharrlich weigert, dann wird er eben nicht mehr eingeladen. Und wenn Löw einem seiner Spieler sagt, dass er singen muss, weil er sonst nicht mehr nominiert wird, dann wird er ganz schnell springen“, sagte „MV“ in einem Interview mit der Bild-Zeitung vom Freitag.
Drei Wochen nach dem EM-Halbfinalaus der deutschen Elf in Warschau gegen Italien ärgerte sich der frühere DFB-Chef noch immer über die Außendarstellung des DFB-Teams bei den obligatorischen Nationalhymnen: „Die Italiener haben mit Inbrunst mitgesungen – und auch mit der gleichen Leidenschaft für ihr Land gespielt. Und wir? Das sah fast schon beschämend aus.“
Mayer-Vorfelder sieht in der Herkunft von Spielern wie den türkischstämmigen Mesut Özil oder den aus Tunesien stammenden Sami Khedira, die ihr Schweigen mit Respekt vor ihren Heimatländern begründen, keinen Anlass für Ausnahmen. „Das glaubt doch kein Mensch, dass Khedira nicht mitsingt, weil er so einen großen Respekt vor Tunesien hat. Der Migrationshintergrund ist für mich keine ausreichende Begründung, stumm zu bleiben. Ich kann nicht für die DFB-Auswahl auflaufen und alle Vorteile einstreichen wollen, dann aber so tun, als wäre ich nur ein halber Deutscher.“

Fußball EM 2012 – Innenminister schämt sich

Unser Innenminister Hans-Peter Friedrich, der oberfränkische Protestant, der für die BILD-Zeitung als Mann der leisen Töne gilt, schämt sich für deutsche Fussballfans, die in der Ukraine bei einem deutschen Fußballsieg „Sieg, Sieg“ gerufen haben sollen; „ausgerechnet in der im Zweiten Weltkrieg von Deutschen besetzten Ukraine“.

Damit es klar ist: ein Deutscher darf in Polen das Wort „Stahlhelm“ nicht in den Mund nehmen, in der Ukraine nicht das Wort „Sieg“. Oder überhaupt?

Wie ist es mit Frankreich, Dänemark, Norwegen, Holland usw.  Nie mehr „Sieg“ rufen dort?

Wie ist es mit Worten wie „Front“, „Angriff“ usw. in Fußballkommentaren in fremden Ländern?

Vorsicht vor der Wendung z.B. der Sturm sollte „Gas geben“ …. gefährlich, gefährlich!

Die Sprachzensur im vor- und nacheilenden Schuld- und Betroffenheitskult hat ja schon weird Formen angenommen. Und wer meint, „Autobahn“ könnte nicht mehr übertroffen werden, sieht sich getäuscht, es geht noch mehr. Demnächst darf der deutsche Fan in einschlägigen Ländern und überhaupt im Fußballstadion auch nicht mehr „Deutschland, Deutschland“ rufen. Denn Deutschland war irgendwann mal da und dort „einmarschiert“ und „Deutschland, Deutschland“ kann leicht assoziiert werden mit „über alles“.

Auf die angeblich rassistische Hetze gegen Mesut Özil im Internet hat der Innenminister mit „scharfen Worten“ reagiert. Er äußerte den Verdacht, dass es noch mehr solcher Hetze gibt. Und: „Der Fall Özil zeigt nur die Spitze des Eisbergs.“ Die Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet sei „erschreckend“.

Da sind zwei Dinge zu betrachten: die „rassistische Hetze“ und die „Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet“.

Ich bin mir bewusst, dass alles was ich hier dazu schreibe unter beide Verdikte fallen wird.

Özil ist deutscher Staatsangehöriger und Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Dass er sich wirklich als Deutscher betrachtet, hat er noch nicht bekannt und ist nicht zu erkennen. Der verkniffene Mund beim Abspielen bzw. Singen der deutschen Nationalhymne drückt anderes aus. Sein türkischer Kollege Hamit Altintop warf ihm vor, sich für das „Business“ entschieden zu haben, weil er als Deutscher “mehr Lobby, einen höheren Marktwert haben und mehr Geld verdienen würde”. Özils Entscheidung hätte seiner Meinung nach „nichts mit Integration zu tun“.

Nicht über die „Verwahrlosung der Umgangsformen im Internet“ macht sich Friedrich wirklich Sorgen, sondern über den Umstand der Meinungsfreiheit und des freien Informationsaustauschs im Internet; in der Tradition seiner Vorgänger Schily und Schäuble. Das ist die Hauptsache, welche die Gegenwartspolitiker fürchten: die immer wieder Substanz annehmende Gedankenfreiheit. Unter dem Attribut der inneren Sicherheit und dem Kampf gegen den Terror soll dieses Medium, die Meinungs- und Gedankenfreiheit beschnitten bzw. total überwacht werden. Um von der schleichenden Aushöhlung der individuellen und kollektiven Freiheiten abzulenken, wurde z.B. medienwirksam der Salafisten-Popanz aufgebaut, um von den eigentlichen Problemen in diesem unserem Lande abzulenken. Abzulenken von den wahren Absichten im Sinne eines latenten  Staatsstreiches – legt man demokratische Maßstäbe an.

Heute ist zu lesen:

„Immer wenn ich ins Stadion gehe, verliert meine Mannschaft“, sagte der CSU-Politiker der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe). Als Beispiel nannte er die Niederlage des FC Bayern München im Champions-League-Finale und das Viertelfinal-Aus der deutschen Frauen bei der WM gegen Japan.

Da sollte sich der oberfränkische Protestant Hans-Peter Friedrich im „nationalen Interesse“ nicht nur jetzt, sondern überhaupt wieder nach Hof oder in den Frankenwald zurückziehen.

 

 

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