Grüne Kiew-Lügen: Die verlorene Ehre des Heinrich Böll

Shitsorm gegen Moskau. Bertelsmanns „Spiegel“ diffamiert Putin als „Brandstifter“, andere bilden ihn als Comic-Bösewicht ab, Hillary Clinton verglich ihn gar mit Hitler. Das ZDF sieht einen Kampf von „Europas Diplomaten gegen den Kalten Krieger aus Moskau“, der sonst besinnlich-dröge Dokusender Phoenix bringt seinen Krim-Krisen-Talk vor dem Hintergrund eines Putin-Bildes, das den GUS-Präsidenten scheinbar mit gierig ausgestreckter Klaue zeigt. Wie funktioniert eigentlich die Gleichschaltung für so eine Medienkampagne? Die Grüne Heinrich-Böll-Stiftung scheint dabei eine Drahtzieherrolle zu spielen.

Die zentrale Rolle der Grünen Böll-Stiftung ist tragisch, denn der politische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll stand mit seinem Klassiker „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ auch für den Kampf gegen hetzerische Medien. Im Roman geht es um die menschenverachtende Zerstörung einer Frau, die als Geliebte eines militanten Kommunisten dämonisiert und medial ausgebeutet wird. Ähnlichkeiten mit der antikommunistischen Hetze von Springers BILD-Zeitung waren dabei bekanntlich beabsichtigt.

Antikommunismus schwingt bei der derzeitigen Medienkampagne gegen Russland und für die Kiewer Putschisten auch immer mit, wenn schwer bewaffnet aufmarschierende Faschisten zu „nationalistisch orientierten Demonstranten“ erklärt werden und der deutsche Journalist sich sichtlich über umgestürzte Lenin-Denkmäler freut. Aber gibt es die ukrainischen Neonazis, Rassisten und Faschisten wirklich fast nur in der immer wieder lautstark gegeißelten „russischen Propaganda“?

Anders als anscheinend SPIEGEL, STERN, ARD und ZDF hat der britische GUARDIAN wohl wirklich einen Ruf als Qualitätsmedium zu verteidigen: Er berichtete früh und ausführlich über Faschisten und westlichen Expansionsgelüste als Wurzeln der ukrainischen Umsturz-Bewegung.

„You’d never know from most of the reporting that far-right nationalists and fascists have been at the heart of the protests and attacks on government buildings. One of the three main opposition parties heading the campaign is the hard-right antisemitic Svoboda, whose leader Oleh Tyahnybok claims that a “Moscow-Jewish mafia” controls Ukraine.“ Guardian

Bei uns sind es nur kleine Links-Medien, die so etwas melden, wie die Junge Welt, die sich dabei aber von Janukowitsch distanzierte:

„Gleichwohl sind selbstverständlich nicht alle Menschen, die sich gegen die unbestreitbar korrupte und kleptokratische Regierung Wiktor Janukowitschs zur Wehr setzten, Faschisten. Viele sind auf die Straße gegangen, weil die soziale Situation in der Ukraine katastrophal ist. Löhne von umgerechnet 200 bis 300 Euro sind keine Seltenheit, während eine kleine Schicht von ­Oligarchen ein Leben in unvorstellbarem Luxus führt. Die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums könnte ungleicher kaum sein, die Akkumulation von Kapital läuft hier nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion noch »ursprünglich« im Marxschen Sinne, nämlich durch »Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt«.“

Auf eine ausgewogene Berichterstattung pochen auch einzelne Stimmen von Journalisten mit Rückgrat, wie Peter Scholl-Latour, (den Phoenix anders als bei anderen Themen in seinem Krim-Schwerpunkt nicht zu Wort kommen ließ) hier im Internet-Interview:

„Die Tatsache, dass führende Politiker des Westens der Swoboda-Partei einen Heiligenschein ausstellten, obwohl Scholl_Latourdie sich nachträglich auf jene ukrainischen Partisanentruppen beruft, die während des Zweiten Weltkrieges brutal gegen Russen, Polen und Juden vorgingen und nur gelegentlich gegen die deutsche Besatzung kämpften, zeigt, dass der westlichen Politik jegliches historische Gespür abhanden gekommen ist.“ Peter Scholl-Latour auf  Telepolis

Mit den „ukrainischen Partisanentruppen“ meint Scholl-Latour hier die Faschisten um den Kriegsverbrecher Stepan Bandera, der von der abgewählten Rechts-Regierung in Kiew zum Volkshelden erklärt wurde. Bandera war vor allem in die Ermordung von Polen und Juden verwickelt, weshalb Kiew damals Proteste aus Warschau, Israel und jüdischen Gemeinden auch in Deutschland erntete. Janukowitsch entzog Bandera diese Ehrungen wieder und zog sich damit den Hass vor allem westukrainischer Faschisten zu.

Medien-Gleichschaltung von der Heinrich-Böll-Stiftung

Auf dieser Linie der Medien-Gleichschaltung lag auch ein Aufruf, den die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung UkraineHeroinaverbreitete und der von “Sozial- und Geisteswissenschaftler, die sich mit ukrainischer nationaler Identität befassen” stammen soll. “Der Kiewer Euro-Maidan“, also die Proteste von Svoboda und anderen, sei keine extremistische, „sondern eine freiheitliche Massenbewegung zivilen Ungehorsams… von Repräsentanten verschiedenster ideologischer Strömungen getragen”, behauptet die Böll-Grünen-Erklärung, die sich nur scheinbar neutral und ausgewogen gibt:

“Obwohl wir den rechten Aktivitäten auf dem Euro-Maidan kritisch gegenüberstehen, sind wir besorgt über eine unerfreuliche Erscheinung in zu vielen internationalen Medienberichten über die jüngsten Ereignisse in der Ukraine. In etlichen Reportagen und Kommentaren wird in der einen oder anderen Weise die Rolle, der Stellenwert und der Einfluss ukrainischer Rechtsradikaler in Kiew überbewertet bzw. fehlinterpretiert… Nicht nur die friedlichen Protestanten, sondern auch jene, die Stöcke, Steine und sogar Molotowcocktails gegen Spezialeinheiten der Polizei sowie regierungsnahe Schlägertrupps einsetzen, bilden eine breite und dezentrale Bewegung.”

Die Putschisten in Kiew wurden demnach von einer „dezentralen Bewegung“ getragen, nicht etwa zentral organisiert? Woher weiß die Böll-Stiftung das eigentlich? War sie dabei, als der Putsch nicht organisiert wurde? Die starke Betonung der Beteiligung “rechtsextremer Randgruppen” an den Protesten in internationalen Medienberichten findet die Böll-Grünen-Erklärung jedenfalls “ungerechtfertigt und irreführend” und beklagt,

“…dass in einigen Berichten, insbesondere solcher kremlnaher Massenmedien, die übermäßige Betonung der SvobodaProtestersrechtsradikalen Elemente auf dem Kiewer Euro-Maidan nicht auf antifaschistischen Motiven beruht. Im Gegenteil, derartige Berichterstattung kann paradoxerweise womöglich selbst Ausdruck von imperialistischem Nationalismus sein, in diesem Falle von dessen russischer Variation. Mit ihrer gezielten Diskreditierung einer der größten Massenbewegungen zivilen Ungehorsams in der Geschichte Europas liefern die russischen Medienberichte einen Vorwand für die politische Einmischung Moskaus, ja womöglich sogar für eine künftige militärische Intervention Russlands in der Ukraine, ähnlich derjenigen in Georgien 2008.”

Also sind die Faschisten in Kiew und der Westukraine nur russische Propaganda, bestenfalls marginale Erscheinungen. Deshalb ruft die Böll-Grünen-Erklärung die West-Medien-Journalisten auf, die Svoboda, „Rechter Sektor“ usw. bloß nicht zu sehr zu erwähnen. Die Wahrheit zu berichten, könnte ja den Russen nützen.

“Angesichts dieser Risiken bitten wir Kommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im Euro-Maidan vorsichtig zu sein, da entsprechende Texte leicht von Moskaus ‘Polittechnologen’ instrumentalisiert werden können, um Putins geopolitische Projekte umzusetzen. Berichte, welche rhetorische Munition für Moskaus Kampf gegen die ukrainische Unabhängigkeit liefern, unterstützen womöglich unabsichtlich eine politische Kraft, die eine weit größere Gefahr für soziale Gerechtigkeit, Minderheitenrechte und politische Gleichheit darstellt, als alle ukrainischen Ethnonationalisten zusammen genommen.”

Die Grünen wollten also eine Mediengleichschaltung erreichen, die sich Faschisten, Neonazis und Rassisten der Ukraine zu „Ethnonationalisten“ schön- und kleinlügt -die letzten Wochen in der deutschen Mainstream-Medienlandschaft zeigten, dass ihnen das gelungen ist. Inzwischen ist auf der Böll-Website dieser Aufrur zu platter anti-russischer  Propaganda verschwunden -ist jemandem klar geworden, dass diese Machenschaften kaum mit dem Werk des großen literarischen Medienkritikers Heinrich Böll zu vereinbaren sind? Doch im Internet findet man diesen Tiefpunkt der politischen Vereinnahmung Bölls immer noch zitiert -auf russischen Webistes. Die Grüne Stiftung macht nur wenig subtiler weiter mit Bildern von russischen Kampfjets und dem Hinweis, das in der Ukraine „die Annäherung an die EU mit Blut bezahlt wird“. Euromajdan – Momentaufnahmen aus der Ukraine

Zum Glück sind es nicht nur russische Quellen, die sich um Ausgewogenheit und Wahrheit bemühen, sondern auch deutsche Beobachter wie der Orientexperte Scholl-Latour. Der wehrte sich in einem Telepolis-Interview vehemant gegen die platte Propaganda der West-Politik und -Medien gegen Russland. Der Nestor der deutschen Auslandsberichterstattung wehrte sich insbesondere, gegen die heuchlerische Berufung auf angeblich angestrebten Schutz der Menschenrechte und die schon fast lächerliche Dämonisierung von Putin:

Telepolis:  Hillary Clinton verglich Putin kürzlich mit Hitler

Peter Scholl-Latour: Auf so einem Niveau sollte man wirklich nicht argumentieren, ein Armutszeugnis. Aus Scholl_Latourrussischer Sicht wird Putin mit Peter dem Großen verglichen, der ja auch in der westlichen Geschichtsschreibung als großer Reformer gepriesen wird. Dabei wäre Peter der Große, nach heutigen Menschenrechtsmaßstäben, ein blutiger Diktator. Dem Westen wäre es natürlich lieber, die Politik von Boris Jelzin wäre in Moskau weiter geführt wurden, als Russland am Boden lag, die Oligarchen die Macht übernahmen und das russische Volk massiv verarmte. Putins Verdienst ist es, dass er Russland, also den größten Flächenstaat der Welt, wieder aus dem Elend führte… Putin hat immerhin den blutigen Krieg in Tschetschenien beendet, den sein Vorgänger Jelzin begann. Ein Krieg, der zigtausende von Opfern forderte, in den 1990er Jahren, was im Westen weit weniger Empörung auslöste als die Inhaftierung von irgendwelchen jungen Damen, die sich während einer religiösen Zeremonie entkleideten.

Telepolis: Sie halten also Kritik an Menschenrechtsverletzungen in Putins Russland für überflüssig?

Peter Scholl-Latour: Der Westen könnte ja einmal damit beginnen, bei seinen engsten Verbündeten Menschenrechte einzufordern und diese nicht nur selektiv einzuklagen. Saudi-Arabien wird von den USA und der EU mit Waffen geradezu überschüttet, obwohl Homosexuelle dort hingerichtet werden, der Spaßgruppe Pussy Riot wäre dort ein ähnliches Schicksal beschieden.

West-Politiker und ihre Medien beklagen bei Russland „selektive Justiz“, üben aber solche selektiven Rechtsforderungen selber gegen Russland. Nur ein medial weichgeklopftes und gründlich desinformiertes Mainstream-Medien-Publikum kann solche Heuchelei übersehen, Peter Scholl-Latour:

“Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil reden…”

 

https://jasminrevolution.wordpress.com/2014/03/18/grune-kiew-lugen-die-verlorene-ehre-des-heinrich-boll/

Kindermord bei Anne Will. Todenhöfer sagt ab. Bild-Reporter gibt die Richtung vor

„Assad lässt Kinder töten – wie lange wollen wir noch zuschauen?“, mit dieser Überschrift warb die ARD für ihre am Mittwochnacht im Ersten ausgestrahlte Talkshow „Anne Will“. Die Zeile ist so suggestiv, dass ein ausgewogenes Gespräch nicht zu erwarten war. Ein Talkshowgast sprang daher gleich ab: Jürgen Todenhöfer, ehemaliger CDU-Politiker und Burda-Vorstand, der die Region aus eigener Anschauung gut kennt und sich seit Jahren als engagierter Kritiker der westlichen Kriegspolitik hervortut, wollte seinen Sachverstand nicht in eine Diskussion einbringen, deren Ergebnis von der Redaktion anscheinend schon vorher festgelegt worden war.

Es lautet in aller Kürze: Die syrische Regierung ist alleine schuld an dem Konflikt in ihrem Land. Sie alleine trägt die Verantwortung für geschätzt zehntausend Toten. Dementsprechend war die Diskussionsrunde von der Redaktion zusammengestellt worden. Ein Repräsentant der Friedensforschung war ebenso wenig darunter, wie ein Kriegskritiker von Seiten der Linken oder gar ein Pazifist. Die seit Monaten von der Regierung Assad erklärte Bereitschaft zu demokratischen Reformen blieb ebenso unerwähnt wie die zahlreichen Berichte über Kriegsverbrechen und systematische Folterungen von Seiten der Rebellen. Im Grunde fiel nur dem als Ersatz für Todenhöfer eingeladenen konservativen Journalisten Peter Scholl-Latour die undankbare Rolle zu, als einsamer Rufer in der Wüste ab und zu ein paar Fakten in die Diskussion zu nuscheln.

Gelegentlich sprang ihm der ehemalige Zeit-Herausgeber Theo Sommer bei, der immerhin auf das regelmäßige humanitäre Scheitern von NATO-Interventionen hinwies. Diese hätten alle viel länger gedauert und seien kostspieliger geworden, als man dachte.

„Und das Ergebnis war überhaupt nicht das, was man ursprünglich anvisiert hatte“,

so Sommer. Während die als Botschafter-Gattin und Initiatorin einer Videobotschaft an die Präsidenten-Gattin Asma Assad vorgestellte Huberta von Voss-Wittig und der gutmeinende aber schlecht informierte Kabarettist Christian Springer immer wieder das Leid der Zivilbevölkerung betonten, das sie einzig und allein auf die Politik der syrischen Regierung zurückführten, war die Position des Scharfmachers gleich doppelt besetzt.

So pfiff der Historiker Michael Wolffsohn auf die Tugenden seiner Profession und spielte halbwegs virtuos die altbekannte Melodie aller Kriegstreiber. Mal fragte er ganz suggestiv:

„Wollen wir tatsächlich zuschauen, dass Tausende Menschen von ihrer Regierung massakriert werden?“

Dann wieder gab er den Realisten, der meinte, dass eine Parteinahme für die syrische Opposition und gegen die Regierung einer Wahl zwischen Pest und Cholera gleichkäme. Davon unbeirrt sprach er sich für eine militärische Intervention aus, die anstelle des Westens auch von der verbündeten Türkei oder arabischen Staaten durchgeführt werden könnte. Im Ergebnis müsse nicht eine Ablösung der Regierung, sondern die Zerschlagung des Nationalstaats Syrien zugunsten eines irgendwie föderalen Gebildes das Ziel sein.

Wolffsohn gab sich stellenweise kaum Mühe, um zu verbergen, dass es ihm weniger um das Schicksal der syrischen Zivilbevölkerung denn um die Zerschlagung eines wichtigen Verbündeten der iranischen Regierung zu tun ist.

Beinahe ganz ohne Argumente, dafür mit besonderem Nachdruck, äußerte sich der zweite Aufwiegler der Runde. Der als Chefreporter der Bild vorgestellte Julian Reichelt. An einer Militärintervention des Westens führe in Syrien kein Weg vorbei. So ein Einsatz sei, da er aus der Luft geführt werden könnte, für die Soldaten nahezu risikolos. Wie es der syrischen Bevölkerung nach einem westlichen Kriegseinsatz ergehen würde und wie das Land dann aussehen würde, darauf glaubte der Interventionschaot keine Antwort wissen zu müssen. Erst einmal Bomben. Was dann passiert? Schau’n mer mal.

Fortgesetzt wurde die öffentlich-rechtliche Plattform der Kriegspropaganda tags darauf von Reichelts Arbeitgeber. „Warum bombt die NATO Assad nicht weg?“ (1), lautete ein Artikel in der Bild-Zeitung, der die Fernsehshow noch einmal zusammenfasste. An dieser Stelle sei ein Einschub erlaubt.

Eine Zusammenarbeit mit Redakteuren des Schmuddelblatts scheint mittlerweile fast zum guten Ton des sogenannten Qualitätsjournalismus zu gehören. Den Weg dafür frei gemacht haben Journalisten, die man eher dem linken Meinungsspektrum zurechnen würde. Den Anfang machte die taz. Zu ihrem 25. Jubiläum lud das ehemals linksalternative Blatt ausgerechnet Bild-Chef Kai Diekmann ein, für einen Tag die Chefredaktion zu übernehmen. Der ließ es sich nicht nehmen, einige Jahre später demonstrativ der taz-Genossenschaft beizutreten. Von einer Liaison zwischen „Deutschlands größter und kleinster Boulevardzeitung“ soll Diekmann damals gesprochen haben.

Eine verhängnisvolle Affäre verbindet außerdem Freitag-Herausgeber Jakob Augstein mit Diekmanns Stellvertreter Nikolaus Blome. Seit dem 21. Januar 2011 lässt sich der im Zweifel linksliberale Journalist allwöchentlich in der Phoenix-Sendung „Augstein und Blome“ von dem Springer-Journalisten regelmäßig rhetorisch unterbuttern.

In der Affäre um den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff schließlich gelang es ausgerechnet der Bild-Zeitung, sich öffentlich als inquisitive Speerspitze der journalistischen Aufklärung zu präsentieren. Dass sie für die geschickte Ausnutzung ihrer Marktmacht im Mai 2012 dann auch noch den Henri-Nannen-Preis erhielt, sorgte immerhin noch für einen Eklat. Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung bezeichnete die Jury-Entscheidung als „Kulturbruch“ und verzichtete darauf, für seine investigativen Recherchen geehrt zu werden. Seine Kollegen Klaus Ott und Nicolas Richter taten es ihm gleich.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass dieses Beispiel auch bei jenen Journalisten Schule machte, die im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk verantwortlich tätig sind. Dass auch heute noch politische Fernsehdiskussionen möglich sind, die dem Frieden verpflichtet sind und ohne propagandistisches Brimborium auskommen, zeigen die von Gabriele Krone-Schmalz moderierten Sendungen der Talkshow-Reihe „Meinungsmacher“ im Hessischen Rundfunk.

(1) www.bild.de/politik/inland/anne-will/emotionaler-sryien-talk-bei-anne-will-24532150.bild.html

http://www.hintergrund.de/201206072099/hintergrund/medien/kindermord-bei-anne-will-todenhoefer-sagt-ab-bild-reporter-gibt-die-richtung-vor.html