Grüne Spitzenpolitiker meinen es mit dem Umweltschutz selbst nicht so ernst

Nutzt für Kurzstrecken auch gerne mal einen Helikopter, um zu Diskussionsrunden zu kommen: Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir / Bild:  (cc-by-sa) gruenenrw / Flickr Nutzt für Kurzstrecken auch gerne mal einen Helikopter, um zu Diskussionsrunden zu kommen: Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir / Bild:  (cc-by-sa) gruenenrw / Flickr

Die Grünen positionieren sich in der Öffentlichkeit gerne als Gutmenschen, die die Bürger zu einem umweltbewussteren Verhalten erziehen wollen. Verbote sind für sie dabei ein willkommenes Mittel. 2010 forderte die Bundestagsfraktion der Grünen beispielsweise, bis 2015 herkömmliche Motorroller von deutschen Straßen zu verbannen. Ab da sollen die Menschen auf völlig überteuerte Elektroroller umsteigen. Mit Benzin betriebene Zweitakter sollen nach deren Wünschen dann bis 2020, Viertakter bis 2025 verschwinden. Doch werden Grüne erst einmal in Spitzenpositionen gehoben, wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, nehmen sie die eigenen Umweltschutzziele auf einmal nicht mehr so ernst.

 

Der baden-württembergische Landesvater Winfried Kretschmann erhielt jüngst erst im April 2013 von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Rote Karte für seine Mercedes S-Klasse (S350 BlueTEC 4Matic). Sein Dienstwagen liegt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 7,3 Litern auf 100 Kilometer sowie einem CO2-Ausstoß von 193 Gramm je Kilometer weit vorn im bundesdeutschen Politikervergleich. Kretschmann selbst will auch nicht die landeseigene Dienstvilla bewohnen und lässt sich daher lieber zwischen Sigmaringen und Stuttgart täglich chauffieren.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, nimmt es mit den eigenen Umweltschutzzielen auch nicht so ernst. Zu Debatten, wie beispielsweise um den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof, lässt sich der grüne Spitzenpolitiker gerne auch mal für kleinere Strecken (20 Kilometer) vom Stuttgarter Flughafen aus mit dem Helikopter in die Stadt transportieren. Kurios: Ausgerechnet das von Grünen so umstrittene Bahnhofsprojekt sowie die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm würden nach Angaben der Deutschen Bahn dafür sorgen, dass Özdemir binnen acht Minuten vom Flughafen in die Innenstadt gelangen könnte. Ein Helikopter wäre also gar nicht mehr notwendig.

Und auch die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast machte schon durch skurrile Forderungen auf sich aufmerksam. Weil deutsche Autos Spritfresser und Umweltverpester sein sollen, rief die grüne Politikerin im Jahr 2007 dazu auf, deutsche Hersteller zu boykottieren und japanische Fabrikate zu kaufen. Als sie selbst noch Mitglied der Bundesregierung war, hatte sie gegen die spritfressenden Dienstwagen der regierenden Klasse nichts einzuwenden. Sie ließ sich gerne mit einem dicken Audi zu ihren Terminen fahren und nutzt auch heute noch mit Freude den Fahrdienst des Deutschen Bundestages.

Der Grüne Reporter meint: Bevor grüne Gutmenschen versuchen, andere Menschen mittels Verbote zu erziehen, sollten sie ihren pervertierten Lebenswandel erst einmal selbst versuchen zu leben. Wie Winfried Kretschmann, Cem Özdemir und Renate Künast demonstrieren, scheint das selbst den grünen Urgesteinen schwer zu fallen.

 

 

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Bouffiers 500-PS-Dienstwagen enttarnt

Wenn Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in seinen gepanzerten Dienstwagen steigt, kommt er trotz des enormen Gewichts des BMW 750i schnell und bequem ans Ziel. Kein Wunder: die Limousine hat 407 PS und schafft 250 Kilometer pro Stunde. Doch unterwegs wird mehr als doppelt so viel Treibhausgas in die Luft geblasen als die EU-Richtlinie vorsieht. Nur unwesentlich schlechter fällt das Ergebnis bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) aus.

„Ihn mussten wir sogar verklagen“, berichtet Jürgen Resch, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die alle Dienstwagen der Bundesminister und Ministerpräsidenten unter die Lupe genommen hat.

Bouffier hatte sich geweigert, die Daten freiwillig herauszugeben. Er kommt mit 277 Gramm pro Kilometer auf denselben Wert wie NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Damit zähle er zur „großen Koalition der Klimakiller“, kritisiert Resch. Seehofers Dienstwagen bläst pro Kilometer noch ein Gramm mehr in die Luft.

Staatskanzlei bemüht sich um Schadensbegrenzung

Die hessische Landesregierung bemüht sich um Schadensbegrenzung: Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer betont, es gebe nur sehr wenige Hersteller, die Fahrzeuge mit Sicherheitsaufbauten anböten. Von den geeigneten Fahrzeugmodellen habe Bouffier das mit dem niedrigsten CO2-Ausstoß. „Mehr kann der hessische Ministerpräsident nicht machen.“

Insgesamt ist das Ergebnis der DUH-Untersuchung mehr als ernüchternd. „Jeder zweite Ministerpräsident bekommt eine rote Karte“, sagt Resch. Sie wird für Autos mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 196 Gramm pro Kilometer vergeben. Der Zielwert der Europäischen Union liegt bei 130 Gramm.
Gegenüber dem Vorjahr verschlechterte sich der beste Emissionswert nach DUH-Angaben um 32 Prozent – von 92 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer auf 123 Gramm. Damals setzten einzelne Politiker noch auf japanische Hersteller von Hybrid-Autos.

Kein Dienstwagen schafft den Zielwert

Sind also alle Politiker Klimasünder? Nicht ganz. Zumindest für die Mitglieder der Bundesregierung gibt es keine roten Karten. Positiv fällt die Bilanz aber auch nicht aus: „Kein Dienstwagen der Bundesminister, deren Daten erhoben wurden, schafft den EU-Zielwert“, sagt Resch.
Schlusslicht ist Gesundheitsminister Daniel Bahr mit 183 Gramm CO2 pro Kilometer. Am wenigsten klimaschädlich fährt Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (beide FDP) – wirklich umweltfreundlich unterwegs ist sie mit 149 Gramm pro Kilometer allerdings auch nicht. Und der Umweltminister? Auch Norbert Röttgen (CDU) geht nicht mit gutem Beispiel voran – er landet im Mittelfeld.

http://nachrichten.t-online.de/dienstwagen-die-schlimmsten-klimasuender-unter-deutschlands-spitzenpolitkern/id_56248176/index