So haben „Finanzbeamte“ Respekt vor Ihnen ..

finanzamtWenn Sie das Finanzamt höflich anruft … dann steht die Steuerwelt
durchaus schon mal Kopf — könnte man sagen. Genau dieses wunderbare
Gefühl durfte ich genießen, als ich kürzlich Einkommenssteuer und
Umsatzsteuer an das Finanzamt bezahlt habe.

Allerdings lagen zu dem Zeitpunkt die entsprechenden Steuererklärungen,
obwohl verschickt, dem Finanzamt noch nicht vor.

Folglich erhielt ich einen Anruf der Sachbearbeiterin,
die für die Verbuchung der Beträge zuständig ist.

Völlig aufgelöst und aufgeregt wand sie sich am Telefon: »Herr Rademacher,
Sie haben uns einen größeren Betrag überwiesen. Ich weiß aber nicht, wie
ich den Betrag verbuchen soll. Ich will keinen Ärger mit Ihnen haben,
falls ich die Beträge auf die falschen Konten buchen würde.

Denn die letzte Dienstaufsichtsbeschwerde, die Sie beim Finanzamt gegen
mich eingereicht haben, ist bei mir hängen geblieben. Könnten Sie mir
bitte erklären, wozu die Beträge verwendet werden sollen?!«

Sie müssen nämlich wissen, liebe Leser :

Ich schicke dem Finanzamt nicht bloß Geld. Ich schicke diesen Amtsstubenhockern
jedes Mal gleichzeitig ein Telefax, in dem ich die zweckgebundene Verwendung
der von mir überwiesenen Steuergelder klipp und klar vorschreibe.

Schließlich sollen meine Beträge nicht ohne meine Zustimmung für
irgendwelche ungeklärten Steuernebenangelegenheiten verjubelt werden.

Überrascht ?

Nun, als Steuerzahler steht dieses Recht auch Ihnen zu :

Bestimmen Sie künftig selbst, für was der von
Ihnen überwiesene Steuerbetrag zu verwenden ist.

Baden-Württemberg: SPD-Fraktionschef droht Anklage wegen Steuerhinterziehung

Dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag von Baden-Württemberg, droht eine Anklage wegen Steuerhinterziehung: Claus Schmiedel hat vergessen, seine Steuererklärung für 2008 abzugeben.

Claus Schmiedel, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, muss mit einem Strafbefehl oder einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen. (Foto: dpa)

Claus Schmiedel, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, muss mit einem Strafbefehl oder einer Anklage wegen Steuerhinterziehung rechnen. (Foto: dpa)

Nicht nur Edelfedern wie Theo Sommer von der Zeit – auch hochrangige Funktionäre der SPD sind offenbar zu beschäftigt, um ihre Steuererklärungen abzugeben. Der Ständige Ausschuss des Landtags in Stuttgart hat die Immunität des SPD-Fraktionsvorsitzenden Claus Schmiedel aufgehoben. Damit kann die Staatsanwaltschaft gegen Schmiedel Anklage erheben.

Schmiedel hatte seine Steuererklärung für 2008 trotz Mahnungen des Finanzamt auch nach Jahren noch nicht fertiggestellt – offenbar wegen Unstimmigkeiten mit seinem Steuerberater, wie Schmiedel am Freitag sagte. Er habe die Sache dann selbst erledigen wollen, geriet dann aber in Verzug, wohl wegen der wichtigen politischen Verpflichtungen, die man eben so hat. Der 62jährige wartet nun “in Demut”, ob er eine Vorstrafe ausfasst. Seine weitere politische Arbeit sieht er dadurch nicht behindert. Er habe alle offenen Steuerschulden beglichen, damit sei für ihn “die Sache erledigt”.

Trotz aller Beschäftigung sollten Politiker nicht vergessen, dass sie von Steuergeldern bezahlt werden. Sie sollten daher gewissenhafter mit dem Finanzamt kooperieren – schließlich wissen sie wenigstens, wem das Geld am Ende zugute kommt.

 

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/24/baden-wuerttemberg-spd-spitzenpolitiker-droht-anklage-wegen-steuerhinterziehung/

Deutscher Steuerzahler ist so gläsern wie nie zuvor

Das Kontrollnetz der Finanzämter wird immer enger. Ein neuer Datenpool deckt alle Einkünfte lückenlos auf. Selbst über Eltern-, Kranken- und Kurzarbeitergeld weiß der Fiskus inzwischen Bescheid.

Wer sich in den kommenden Wochen an seine Steuererklärung setzt, sollte wissen: Seit diesem Jahr sind Millionen deutsche Steuerbürger so gläsern wie nie zuvor. Der neue Datenpool beim Bundeszentralamt für Steuern macht Einkünfte aller Art jetzt lückenlos sichtbar.

„Das Kontrollnetz ist engmaschig geworden“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler. Mithilfe des elektronischen Datenabgleichs komme das Finanzamt nun „immer mehr Steuertricksern auf die Spur“.

Mehr und mehr nachgefragt

 

Selbst wer im vergangenen Jahr Lohnersatzleistungen wie Elterngeld, Arbeitslosen-, Insolvenz- oder Kurzarbeitergeld bekam, wer Übergangsgeld bezog während einer Reha-Maßnahme oder Krankengeld von der Krankenkasse – sobald die Summe 410 Euro überschritt, wurde sie Anfang 2012 an den Datenpool gemeldet. Und damit weiß nun auch das Finanzamt Bescheid.

Bislang ging der eine oder andere verheiratete Erwerbslose oder Kurzarbeiter mit berufstätigem Partner noch unbemerkt auf Tauchstation, wenn die Steuererklärung anstand. Denn: Je höher das gemeinsame Einkommen, desto höher die Steuerschuld.

„Jetzt wird mehr und mehr nachgefragt, schlimmstenfalls fordert das Finanzamt Geld bis 2005 und noch länger zurück“, warnt der Sprecher des Vereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH), Bernhard Lauscher. Auf Nachzahlungen müssen auch säumige Rentner oder Ehepaare mit Steuerklassenmix III/V gefasst sein.

Kein Pardon bei Nachzahlungen

 

Auch für Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine ist klar: Die Finanzverwaltung hat erstmals den Überblick über die Steuerpflicht von gut 40 Millionen Steuerbürgern – und beste Karten, um Mogeleien auffliegen zu lassen. Nur viele Bürger selbst haben nach wie vor keine Ahnung, wann sie dem Finanzamt eine Steuererklärung schuldig sind und wann nicht.

Eine Aufforderung gibt es nicht. Tatsächlich muss gar nicht jeder zwingend ein Wochenende opfern für den Fiskus. Grundsätzlich gilt: Um die Abgabe einer Steuererklärung kommt kein Selbstständiger und auch kein Freiberufler herum.

Erwartet der Staat Nachzahlungen, muss aber auch ein Arbeitnehmer zwingend eine Einkommensteuererklärung machen. Dann ist es mit der vom Chef automatisch abgeführten Lohnsteuer allein nicht getan.

Pflicht zur Steuererklärung bei Nebeneinkünften

 

In der Pflicht ist, wer 2011 beispielsweise Nebeneinkünfte zum Gehalt oder der Pension hatte, die höher als 410 Euro im Jahr waren. Dazu zählen Renten-, Miet- oder ähnliche Einnahmen. Das gilt für Alleinstehende wie für Ehepaare. Ran muss auch, wer Lohn bekam, der nach der Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.

Oder wenn eine Abfindung vom Chef respektive Lohnersatzleistungen über 410 Euro flossen. Nicht davon kommt auch, wer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig gearbeitet hat. Oder aber getrennt lebende wie geschiedene Ehepartner, die vom Ex Unterhalt bekamen, den dieser als Sonderausgaben absetzt.

Außerdem alle, die sich einen Freibetrag abholten, um 2011 weniger Lohnsteuer zahlen zu müssen. Für Rentner gelten besondere Regeln. Sie müssen all ihre Einkünfte aus dem letzten Jahr wie Renten, Miet- und Kapitaleinnahmen oder Geld aus dem Nebenjob zusammenrechnen.

War die Summe 2011 höher als der Grundfreibetrag von 8.004 Euro (Verheiratete: 16.008), müssen auch sie sich an eine Steuererklärung setzen.

Freiwillige räumen ab

 

Ganz anders sieht es für Millionen Arbeitnehmer aus, die ausschließlich Einnahmen aus ihrer Arbeit nach Hause bringen. Sie können frei wählen, ob sie sich die Mühe machen und eine Steuererklärung abgeben. Dazu gehören etwa Singles mit Lohnsteuerklasse I oder II, ohne Kinder.

Oder Eheleute mit etwa gleich hohem Einkommen, also mit Klasse III oder IV, ohne jegliche Zusatzeinnahmen. Aber: Auch wenn sie nicht in der Pflicht stecken, kann sich der Aufwand trotzdem richtig auszahlen, wie Nöll erläutert.

Steuererklärung zahlt sich aus

 

Rentabel ist die freiwillige „Antragsveranlagung“ immer dann, wenn jemand 2011 viele Ausgaben hatte, besonders für den Job. Oder aber einen weiten Weg zur Arbeit oder eine beruflich bedingte Zweitwohnung.

Bei hohem Gehalt lassen sich allein schon über die Kirchensteuer einige Hundert Euro zurückholen. Und auch sonst sei viel mehr absetzbar, als der Laie glaube, ermuntert Nöll zum Handeln. Im Schnitt gibt es laut Lauscher zwischen 800 und 1100 Euro zurück.

 

http://www.welt.de/finanzen/steuern-recht/article106230667/Deutscher-Steuerzahler-ist-so-glaesern-wie-nie-zuvor.html