Pegida: Es ist etwas faul im Staate oder der Geruch der Obdachlosigkeit für Deutsche

Gestern am 22.12.2015 fuhr ich mit dem Bus von Berlin nach Dresden. Ich war dort verabredet. Das vereinbarte Treffen fand leider nicht statt wir haben uns durch die Verspätung des Busses verfehlt. Ich nutzte die Zeit am Bahnhof Dresden um einen Bummel durch die Bahnhofspassagen zu machen. Dabei fiel mir ein riesiger schön geschmückter Weihnachtsbaum mitten in der Bahnhofshalle auf.

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Anschließend zog ich durch die Straßen von Dresden. Dabei musste ich nicht lange gehen, schon reihte sich ein festlich geschmückter Weihnachtsstand an den nächsten. Ich stellte fest, ganz Dresden ist ein einziger großer festlich geschmückter Weihnachtsmarkt.

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Nachdem ich in den vorangehenden Wochen so viel Schlimmes von der PEGIDA gehört hatte, wollte ich mir selbst einen Eindruck verschaffen, was dort für Mischpoke und sonstige rechtsradikale Systemfeinde angeblich gegen Ausländer demonstrieren.

Zum Vergleich viel mir ein, dass am Görlitzer Park in Berlin Kreuzberg, den ich gerade wenige Wochen vorher besucht hatte, zwar keine schön dekorierten Weihachtstände zu finden waren, dafür aber zahlreiche Graffiti Häuserschmiererein, welche die Sachbeschädiger auch noch als Kunst verkaufen wollen und das gesamte Stadtbild von Kreuzberg und Umgebung verunstalten. Damit jedoch noch nicht genug. Alle 50 Meter standen dunkelhäutige Personen offenbar gelangweilt und musterten jeden, der an ihnen vorbeizog. Auf den Bänken saßen in größeren Abständen junge Frauen. Die Verbindung von beiden Personengruppen kann ich nur erahnen.

Ob sie von den dunkelhäutigen Menschen Rauschgift beziehen, traute ich mich nicht mehr zu fragen. Vor wenigen Jahren war ein Polizist ohne Vorwarnung erschossen worden. Ein solches letztes Erlebnis wollte ich mir ersparen.

Da vermittelte der Sparziergang durch Dresden ganz andere Eindrücke. Bis zur PEGIDA-Versammlung waren noch einige Stunden zu überbrücken.

Die Zeit nutzte ich um in den Kaufhäusern das Weihnachtsangebot zu bestaunen. Das Verkaufsangebot war gut, doch dienachfolgende Versammlung war besser.

Ein gehetztes Treiben beim Shoppen. Man konnte es schon gut als Powershoppen bezeichnen. Selbst beim Einkaufen ist noch Hetze angesagt. Die Ruhe und Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes ist dort nicht zu finden gewesen. Nach längeren Warten ruhte ich mich auf einem gemütlichen Sessel der Einkaufspassage aus. Es dauerte dann nicht lange, bis mich eine nette junge Dame bat für sie den Sessel freizumachen. Sie wollte sich von dem Stuhl massieren lassen. Heimlich bedauerte ich, dass ich nicht für sie Masseur spielen durfte.

Dann zog ich auf eine ungemütliche rollenartige Sitzfläche um, bei der mir nach kurzer Zeit der Rücken schmerzte. Vielleicht waren die Massagestühle als Ausgleich für diese Rollensitzflächen gedacht.

Ich hatte dann jedoch genug und zog weiter in die Altstadt zum Strietzelmarkt. Das war dann das vorläufige Highlight des Nachmittags. Ich kam auf dem Dresdener Strietzelmarkt an. Zwischendurch sah ich mich verschämt um, ob ich nicht irgendwo verschmierte oder stark beschädigte Häuser entdecken konnte. Das war jedoch nicht der Fall. Ich wurde enttäuscht. Keine beschmierte Häuserwand, kein Drogendealer, alles was ich in Berlin nie vermisst hätte fand ich auch nicht in Dresden.

Das hektische Treiben von den Shoppingmalls war hier nicht zu spüren. Es wurde gelutscht, geraucht und gegessen was der Bauch hergibt. Neben den vielen Fressbuden oder auf Hochdeutsch auch Imbißbuden fand ich genausviele weihnachtlich dekorierte Verkaufshütten mit Erzgebirgskunst. Alles Original handgearbeitete Kunst aus dem Erzgebirge, stand ständig zu lesen.

Zu meiner Überraschung kam ich auf dem Weg zur Semperoper durch eine schmale Holztür und befand mich plötzlich auf einem zum weiteren Weihnachtsmarkt ausgebauten Hinterhof. Es war einfach nur schön. Auch die umliegenden Straßen haben mich verzaubert.

 

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Dann viel mir wieder ein, dass ich PEGIDA aufsuchen wollte und bewegte mich weiter in Richtung Elbeufer.

Da standen viele Polizisten mit ihren Autos. Sie hatten Absperrungen gebildet. Als sie mich sahen, schauten sie freundlich und ließen mich durch.

Ich nutzte die verbliebene Zeit um mich in der katholischen Buchhandlung umzusehen und etwas aufzuwärmen. Auf dem Platz vor der Semperoper hatten sich bereits zahlreiche Besucher eingefunden.

Es waren alle Altersklassen vertreten von Anfang zwanzig bis ins Rentenalter, Männer und Frauen. Auf dem Weg zur Versammlung hatten mich Jugendliche überholt. Sie riefen anderen Jugendlichen zu: Heute ist Montag, Demotag. Sie hatten es eilig dort hin zu kommen.

Dazu vielen mir die Zwangsdemonstrationen unter Erich Honecker in der DDR ein. Wir mussten damals in der Schule und Universität an Demonstrationen teilnehmen. Wenn wir das nicht taten, wurden wir als politisch unzuverlässig eingestuft und von der Ausbildungsstätte entfernt, sprich der weitere Lebensweg verbaut.

Die Jugendlichen sahen nicht so aus, als ob sie von einem staatlichen Befehlshaber gezwungen wurden zu PEGIDA zu gehen. Mit so eiligen Schritten bin ich jedenfalls nie zu einer angeordneten FDJ-Demo gegangen.

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Als ich mich dann so umsah unter den siebzehntausend Demonstranten habe ich dann keinen gesehen, der aus Fremdenfeindlichkeit gekommen wäre. Stattdessen sah ich viele Zugereiste aus anderen Städten, die ihre Herkunft auf einem Schild dokumentierten. Auch aus Berlin habe ich Gleichgesinnte gefunden.

Nachdem ich mich so lange unter den Versammelten umgesehen hatte, fiel mir am Rande des Platzes, fast verschämt, ein älterer Herr über 60 in meinem Alter auf.

Es hatte ein Schild auf dem stand: Obdachlos. Er war sozusagen ein obdachloser Altersgenosse. Ich wurde sofort neugierig. Wieso hält jemand in meinem Alter ein Schild in die Luft auf dem steht: Obdachlos. Da muss doch irgendetwas völlig schief gelaufen sein. Ich fragte vorsichtig und fast verschämt, ob ich ein Foto machen dürfte um es in das Internet zu stellen. Er sagte ja gerne. Er habe auch noch ein zweites Schild. Auf dem stand: Hungerstreik. Da ich ein solches Schicksal durch Staatswillkür auch mehrfach in meinem Leben teilen musste, erfasste mich sogleich tiefes Mitgefühl. Er fing auch sogleich an bereitwillig etwas von sich zu erzählen. Er sei ungerechtfertigt aus seinem Haus geworfen worden und sei nun im Hungerstreik, den er jetzt jedoch erst einmal beendet habe. Er abeite bei der Polizei und nun das. Da sagte ich, dass sei ja ein merkwürdige Art seinen Einsatz für den Staat zu quittieren. Ich verabredete mich mit ihm, damit er mir die ganze Geschichte erzählen könne. Dann begab ich mich erneut unter die Massen. Dabei sprach ich ein Kamerateam von N24 an. Ich fragte, ob sie den Herrn am Rande des Platzes in der Nähe ihres Fahrzeuges gesehen hätten. Dort bekämen sie eine Story, über die sie berichten könnten. Der Journalist bedankte sich höflich für den Tipp und suchte in der Menge weiter nach Gesprächspartnern. Von einer der Reportage über den Herrn habe ich bis heute nichts gehört.

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Inzwischen war es immer dunkler geworden. Die Versammlung begann mit der Begrüßung. Die Massen riefen crashendoartig mehrfach hintereinander: „Wir sind das Volk.“ Es dauerte nicht lange, dann erschallte der zweite Schlachtruf: „Lügenpresse.“

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Ein kalter Schauer rutschte mir den Rücken herunter. Da wurde mir klar, die Leute gehen nicht aus Fremdenhass auf die Straße, sondern das sind alles Betroffene des Unrechtsstaates, die jetzt und hier ihre Rechte einfordern. So ruft niemand, der sich nicht betroffen fühlt, sondern aus staatlichen Steuer-Töpfen alimentiert wird.

Als Verfolgter der ehemaligen DDR, sowie als Verfolgter der Bundesrepublik konnte ich mich sofort spontan mit den Versammlungsteilnehmern identifizieren. Es war der ergreifendste Tag in meinem ganzen Leben, der selbst nicht vom Fall der Mauer 1989 übertroffen wurde.

Der Tag fing an mit Weihnachtsstimmung, wie ich sie in Berlin nie kennen gelernt habe und endete mit einer Solidarisierung der Betroffenen des Unrechtsstaates. Hier habe ich in meinem Leben zum ersten Mal die Kraft der Solidarität der Menschen untereinander erleben dürfen. Hier habe ich erlebt wie wohltuend es ist, wenn man zu einer Gemeinschaft vorstößt, in der nicht einer dem anderen in betrügerischer Art die Beine weghauen will, sondern eine Solidarisierung stattfindet, um eine bessere Gesellschaft zu erreichen. In meinem Bewusstsein wird Weihnachten 2015 als der Beginn einer besseren Gesellschaft verankert bleiben.

Seit diesem Tag bin ich stolz darauf von Politikern als Mischpoke und Rechtsradikaler bezeichnet zu werden. Wenn die Solidarität der Unterdrückten und Entrechteten so bezeichnet wird, dann gehöre ich dazu.

Der nachfolgende Beitrag beschäftig sich mit dem Schicksal des Demonstrierenden wegen angeordneter Obdachlosigkeit in Deutschland. Ein Grundstück gutgläubig und rechtmäßig gekauft, trotzdem wird er auf die Straße gesetzt. Wie kann  das sein?

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

http://www.enteignung.info/2014/12/23/pegida-es-ist-etwas-faul-im-staate-oder-der-geruch-der-obdachlosigkeit-fuer-deutsche/